Pinneberg
Rellingen

Kommt mutmaßlicher Brandstifter Andre M. aus Haft frei?

Zwei Anwohnerinnen betrachten die Autos, die den Flammen zum Opfer fielen (Archivfoto)

Zwei Anwohnerinnen betrachten die Autos, die den Flammen zum Opfer fielen (Archivfoto)

Foto: Arne Kolarczyk

Schlechter Gesundheitszustand des Angeklagten aus Rellingen ist Thema im Prozess. Das erwartete Urteil wurde verschoben.

Rellingen/Itzehoe.  Der Zugriff erfolgte um 23.28 Uhr. Nur schemenhaft ist auf dem von Polizeikameras erstellten Film zu erkennen, wie zwei Beamte am 8. September 2014 den mutmaßlichen Rellinger Serienbrandstifter Andre M. überwältigen und zu Boden reißen. Die Aufnahmen wurden Donnerstag vor dem Landgericht Itzehoe gezeigt, wo vor der Dritten Kleinen Strafkammer das Berufungsverfahren gegen den 27-Jährigen stattfindet.

Das für den zweiten Prozesstag erwartete Urteil – in erster Instanz hatte das Amtsgericht Andre M. im März wegen versuchter Brandstiftung in drei Fällen zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt – blieb am Donnerstag aus. Ursache war der angeschlagene Gesundheitszustand des Angeklagten, der seit einem Jahr in Untersuchungshaft sitzt und seitdem stark abgemagert ist. Der 27-Jährige isst und trinkt zu wenig. „Andre, warum trinkst du denn nichts“? fragte ihn sein Vater in einer Prozesspause. „Dann bekomme ich wieder Panik“, antwortete sein Sohn. Verteidiger Thomas Penneke hatte bereits am ersten Verhandlungstag Anfang September die Verhandlungs- und die Haftfähigkeit des Angeklagten, der von starken Psychopharmaka abhängig sei, in Zweifel gezogen.

Daraufhin forderte der Vorsitzende Richter Werner Hinz eine Stellungnahme des Arztes der JVA Itzehoe an. Der kam zu dem Ergebnis, dass Andre M. bei weiterer Verweigerung von Nahrung und Getränken nicht mehr verhandlungsfähig bleiben werde. „Wir schließen daraus, dass der Angeklagte aktuell noch verhandlungsfähig ist“, so Richter Hinz. Allerdings musste das Verfahren nach kurzer Verhandlung für längere Zeit unterbrochen werden, weil der 27-Jährige über Kreislaufprobleme klagte. Hinz folgte dem Antrag der Verteidigung, ein fundiertes Gutachten über den Gesundheitszustand des Angeklagten erstellen zu lassen. Es soll schnellstmöglich vorliegen und dann die Grundlage für die Entscheidung bilden, ob der Prozess fortgesetzt werden kann und ob eine Entlassung von An-dre M. aus der Haft nötig ist.

Trotz mehrerer Unterbrechungen konnten zwei Polizisten als Zeugen vernommen werden, die schon in der ersten Instanz ausgesagt hatten. Jan-Hendrik F. schilderte, wie er vom Schlafzimmer der gegenüberliegenden Wohnung den Angeklagten dabei beobachtet hatte, wie dieser in direkter Nachbarschaft seines Wohnhauses zerknülltes Papier auf die Reifen von zwei Autos legte und anzündete.

Im Anschluss nahm der Zivilbeamte den 27-Jährigen mit Kollegen zusammen fest. Kai M. chauffierte Andre M. nach seiner Festnahme zum Zentralgewahrsam in Pinneberg. Er beschrieb den 27-Jährigen als ruhig und gefasst. Der Prozess wird fortgesetzt.