Pinneberg
Soziales Jahr

Gretas Reise von Barmstedt nach Tansania

Angekommen: Greta Dittmer beim freiwilligen sozialen Jahr in Tansania

Angekommen: Greta Dittmer beim freiwilligen sozialen Jahr in Tansania

Foto: Anne Dewitz / HA

Die 18-Jährige Greta Dittmer ist in Afrika, um dort Kinder in Englisch zu unterrichten. Doch erst muss sie Kiswahili lernen.

Barmstedt. Wazungu, rufen die Kinder schon von Weitem und kündigen damit lautstark die Ankunft der „Weißen“ an. Begeistert rennen sie auf Greta Marieke Dittmer zu, nehmen ihre Hände, ziehen sie mit sich Richtung Schule und reden wild auf Kiswahili (Suaheli) durcheinander. Ein wenig überfordert lächelt die Barmstedterin zurück. Viel versteht sie noch nicht.

Acht Wochen voller neuer Eindrücke liegen hinter Greta, die ihre Erlebnisse regelmäßig per E-Mail in die Heimat übermittelt. Die 18-Jährige ist nach dem Abi mit der Organisation Christliche Dienste für ein Jahr nach Tansania gereist, um unter anderem Englisch zu unterrichten. Am 20. Juli flog sie gemeinsam mit anderen Freiwilligen von Frankfurt zunächst nach Äthiopien und von dort nach Tansania zum Kilimandscharo-Airport.

„Die Sehnsucht nach Hause war sofort vergessen“, sagt Greta. Am Visaschalter wurde ihre Euphorie jedoch gedämpft. „Das Visum für ein Jahr war nicht rechtzeitig fertiggestellt worden. Darum sollten wir uns vorerst ein Touristenvisum ausstellen lassen.“ Der Mann am Schalter war davon gar nicht angetan, da dies keine Arbeitserlaubnis beinhalte. Erst ihre Kontaktperson, ein Pastor, der sie abholte, konnte vermitteln.

Keine Straßen und auch kein Supermarkt

„Als wir das Flughafengebäude verließen, wurden wir von Eva und Denise, den beiden ehemaligen Newland-Freiwilligen in Empfang genommen, die erst Ende August zurück nach Deutschland mussten“, berichtet Greta. Mit ihren Vorgängerinnen und einer weiteren Mitstreiterin fuhr sie nach Newland, ein sehr weitläufiges Dorf am Fuße des Kilimandscharos. Dort leben etwa 12.000 Menschen unter einfachen Bedingungen. Die Häuser seien sehr verteilt, sagt Greta, und es gebe keine Straßen, auch keinen Supermarkt. An ein paar kleinen Ständen verkauften Einheimische Tomaten, Zwiebeln und Orangen.

„Die Menschen hier sind fröhlich und gastfreundlich“, sagt die junge Frau, die beim Besuch einer Familie in den Genuss der heimischen Küche kam, aber auch die Eigenarten der Bräuche kennenlernte. „Wer als Gast einer Einladung folgt, sitzt vorerst alleine im Wohnzimmer und soll sich ausruhen, während der Gastgeber in Ruhe beginnt, draußen am Feuer ein Essen zuzubereiten.“ So könne es schon mal sein, dass der Gast zwei Stunden auf den Gastgeber warte, bis dieser das Essen serviert – und dann den Raum wieder verlässt und der Gast alleine essen muss. „Eine Tatsache, die uns neu war“, sagt Greta. „Eva und Denise beruhigten uns jedoch und meinten, dass einige Familien nach einiger Zeit zulassen würden, dass wir als Gäste auch mithelfen dürfen.“ Die ersten Tage in Newland vergingen schnell und die Freiwilligen mussten erneut die Koffer packen. Mit einem Bus, der in Deutschland niemals durch den TÜV gekommen wäre, ging es für vier Wochen nach Lushoto zur Sprachschule. Diese liegt in den Usambara-Bergen im Nordosten und wird von der Deutschen Sabine Mmole geführt, einer ehemaligen Freiwilligen, die in Tansania geheiratet hat. Gemeinsam mit 31 anderen Freiwilligen lernte Greta die Grundkenntnisse in Kiswahili, der Landessprache.

Greta teilte das Bett mit ihren Gastschwestern

Auch für eine Tour in den Regenwald, zu den Massai und in die ehemalige deutsche Kolonialstadt Tanga, direkt am Indischen Ozean, war schon Zeit Ein Wochenende verbrachte Greta in einer Gastfamilie in Lushoto. „Ich wurde in einer muslimischen Familie aufgenommen, welche aus einer Mama und ihren sechs Töchtern bestand. Sie leben in einem kleinen Haus“, sagt sie. „Die Nächte waren trotz der kalten Temperaturen kuschelig, da ich mein Bett mit meinen Schwestern teilte.“

Die Deutsche erfuhr, wie es ist, ohne sauberes Wasser und ohne Strom zu leben. Die größere Herausforderung war aber eine andere. „Schwierig waren Situationen, in denen mich die Familie um Geld bat“, sagt Greta. Da sie bereits im Voraus welches von der Organisation erhalten hatte, war Greta angehalten, keines zu geben, um nicht das Bild vom reichen Europäer zu erwecken. „Ich fühlte mich sehr unwohl.“ Dennoch sei ihr Aufenthalt sehr lehrreich gewesen, nicht zuletzt, weil sie ihre „Kiswahili-Künste“ präsentieren durfte. Die Familie sprach kein Englisch.

Zurück in Newland zog Greta zu einer anderen Gastfamilie. Diesmal für vier Wochen, um besser mit der Sprache zurechtzukommen, bevor sie anfängt, an der Dorfschule zu unterrichten. „Hier lerne ich auch Kochen und Waschen auf tansanische Art und knüpfe erste Kontakte.“ Sie spüre und erfahre jeden Tag, dass sie hier genau richtig sei. Wenn sie in die strahlenden Kindergesichter blicke, mache sie das unendlich glücklich.