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Ein-Euro-Shops erobern die Innenstädte

Für Pinnebergs Wirtschaftsförderer Stefan Krappa sind Ein-Euro-Shops weder Fluch noch Segen, sondern ein Phänomen des Markts

Für Pinnebergs Wirtschaftsförderer Stefan Krappa sind Ein-Euro-Shops weder Fluch noch Segen, sondern ein Phänomen des Markts

Foto: Andreas Daebeler / HA

Billigketten können oft höhere Mieten zahlen als inhabergeführte Fachgeschäfte. Betreiber setzen auf Jagdinstinkt der Laufkundschaft.

Pinneberg/Elmshorn.  Das weiße Handtuch gibt’s zum Schnäppchenpreis. Die bunte Partybrille ebenso. Plastikteller für den nächsten Zelturlaub – mit nur einem Euro ist der Campingfreund dabei. Billigläden schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Sie erobern auch Top-Lagen in den Fußgängerzonen der Innenstädte. Wo der kleine Einzelhändler vor hohen Mieten kapituliert, schlagen umsatzstarke Ketten wie das zum Tengelmann-Konzern gehörende Tedi zu. Pinnebergs Wirtschaftsförderer Stefan Krappa bestätigt diesen Trend, der in der Kreisstadt am Fahltskamp zu beobachten ist. „Die Betreiber von Ein-Euro-Shops zahlen in Top-Lagen Mieten von bis zu 20 Euro pro Quadratmeter.“ Sogar in B-Lage würden noch 18 Euro locker gemacht. Da könnten kleine Kaufleute nicht mithalten.

Neben Tedi siedelte sich auch eine Filiale der Kette Woolworth zwischen Lindenplatz und Bahnhofstraße an. Für Krappa ist das weder Fluch noch Segen, sondern ein logischer Reflex auf vorhandene Nachfrage. „Wir haben einen Versorgungsauftrag und benötigen in der Innenstadt nicht nur hochpreisige Anbieter wie am Neuen Wall in Hamburg, denn es gibt hier auch Menschen mit geringem Budget.“ Drei sogenannte Ein-Euro-Shops gebe es derzeit in Pinneberg. Deren Ansiedlung habe Leerstände beseitigt, so Krappa. „Und das dient dem Erscheinungsbild der gesamten Fußgängerzone.“

Realistische Mietpreise gefordert

Fraglos müsse es Ziel bleiben, einen attraktiven Branchenmix in den Innenstädten anzubieten. Und ja, in Pinneberg gebe es Handlungsbedarf. Haushaltswaren, Porzellan, Elektronik und ein Teegeschäft könne er sich in der Fußgängerzone vorstellen. „Wir appellieren an die Grundstücksbesitzer, realistische Mietpreise aufzurufen, um die Ansiedlung von solchen hochwertigen Einzelhändlern zu ermöglichen“, so Krappa. Pinnebergs Bürgermeisterin Urte Steinberg habe während ihrer in den vergangenen Monaten absolvierten City-Gespräche versucht, Vermieter zu sensibilisieren und zu vernetzen.

Den Erfolg der Billigshops führt Krappa auf ein funktionierendes Konzept zurück. „Produkte werden in großen Mengen in Asien eingekauft und es wird auf Impulskauf gesetzt, Laufkunden werden spontan davon überzeugt, bei Produkten zuzuschlagen.“ Das wecke eine Art Jagdtrieb. „Ein-Euro-Shops und Sonderpostenmärkte sind jedoch keine Frequenzbringer, es sind Frequenznutzer“, stellt Pinnebergs Wirtschaftsförderer klar. Laut Krappa ist der Bedarf auf diesem Sektor in der Kreisstadt nunmehr befriedigt. „Die Angebotspalette ist vollständig.“

Diese Art von Läden seien kein Phänomen jüngster Zeit, sagt Manuela Kase, Stadtmarketing-Chefin in Elmshorn. „Ein-Euro-Shops gibt es mindestens 20 Jahre.“ Ihre Existenz sage nicht viel über die Entwicklung oder Attraktivität einer Innenstadt aus. Denn entscheidend sei die Anzahl der Ein-Euro-Shops im Verhältnis zur Gesamtzahl der Geschäfte. In Elmshorn hätte es in der Innenstadt bis vor Kurzem noch zwei gegeben, mittlerweile ist es nur noch einer. „Wenn ansonsten der Branchenmix stimmt, ist gegen vereinzelte Ein-Euro-Shops nichts zu sagen, denn die Nachfrage ist offensichtlich da“, sagt sie.

Es sei der Stöbereffekt, der diese Art von Geschäft für Kunden interessant macht. Einen weiteren Grund für die Existenz von Ein-Euro-Läden sieht sie im Fehlen alternativer Konzepte und interessierter Mieter. Zudem seien Ein-Euro-Shops in der Regel sehr flexibel, können schnell ein- und ausziehen. „Das kann von Vorteil sein“, sagt Manuela Kase. „Beliebt sind diese Geschäfte deshalb besonders für eine Zwischennutzung.“

Das Verhältnis zwischen inhabergeführten Fachgeschäften, Filialbetrieben, Discountern, Dienstleistern und Gastronomie-Betrieben und der Mix der Angebote müsse gemessen an der Größe der Stadt gesund sein. Dabei sollte die Leerstandsquote möglichst gering sein. Um das zu erreichen, initiiert das Stadtmarketing Elmshorn verschiedene Veranstaltungen wie zum Beispiel die Musiknacht, bei der Live-Musik auch in den Geschäften gespielt wird. Auch Serviceprojekte wie die Nette Toilette sollen bei den Kunden einen positiven Eindruck hinterlassen. Der Elmshorn-Gutschein dient der Kundenbindung vor Ort. Ziel sei es, „Aufenthaltsqualität und Image der Innenstadt zu verbessern“, sagt Kase.

City-Manager rät Kaufleuten zu dualem System

Krappa sieht derzeit jedenfalls keinen Grund zum Klagen. Besser Billig-Shop als Leerstand, lautet das Credo des Pinneberger Wirtschaftsförderers. Letztlich entscheide der Verbraucher, welche Geschäftskonzepte in der City funktionieren. So sieht es auch City-Manager Dirk Matthiessen, der sich gemeinsam mit Krappa zum Ziel gesetzt hat, die Attraktivität der Pinneberger Innenstadt, in der aktuell 19 Läden leer stehen, zu steigern. „Wir würden gern mehr steuern, aber es ist vor allem an den Kaufleuten, ihr Profil zu schärfen.“ Einen Weg zum Erfolg könne die Hinwendung zum dualen Vertrieb eröffnen. Die Kombination von Präsenzhandel in der City und Online-Angeboten sei vielversprechend. „Ich erkenne große Überlebenschancen für Händler, die diesen Weg beschreiten“, so Matthiessen.