Pinneberg
Bundeswehr

Neuer Kommandeur will Kaserne in Appen öffnen

Oberst Markus Kurczyk ist seit 100 Tagen Kommandeur der Unteroffizierschule der Luftwaffe in Appen

Oberst Markus Kurczyk ist seit 100 Tagen Kommandeur der Unteroffizierschule der Luftwaffe in Appen

Foto: Burkhard Fuchs

Erst seit 100 Tagen im Amt, macht sich der neue Schulkommandeur in Appen über die Attraktivität und Familienfreundlichkeit der Bundeswehr moderne Gedanken.

Burkhard Fuchs. Die Bundeswehr, eine ganz „normale Firma“, sollte familienfreundlicher für die Soldaten werden. Mit dieser Forderung ist der neue Kommandeur der Unteroffizierschule der Luftwaffe (USLw) in Appen, Oberst Markus Kurczyk, 50, ganz bei seiner obersten Dienstherrin, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Die USLw sei bereits auf einem guten Weg, sagt der neunte Kommandeur seit 1988, der 400 Soldaten an den beiden Standorten in Appen und Heide befehligt.

Oberst Kurczyk möchte die Schule, die jedes Jahr 1500 Unteroffiziere und Feldwebel ausbildet, künftig noch mehr öffnen und die Bürger daran teilhaben lassen, „was wir hier eigentlich machen“. So plant der Kommandeur für 2016 einen Tag der offenen Tür, bei dem die Schulungsinhalte den Besuchern vorgestellt werden. Zudem will der studierte Diplompädagoge Ende 2015 mit einer Veranstaltungsreihe beginnen, die sich mit Blick auf alle Seiten des zivilen und militärischen Lebens mit dem Thema „Gegen Gewalt“ auseinandersetzt.

Als eine der ersten Bundeswehreinrichtungen seien die Unterkünfte in seiner Kaserne modernisiert worden, berichtet der Oberst. Jede Stube verfüge jetzt über dezentere Beleuchtung, Flachbildschirm, Kühlschrank und einen großen Spiegel. „Der ist unseren Soldatinnen sehr wichtig.“ Jeder achte Mitarbeiter seines Stammpersonals ist weiblich. „Das muss sich noch ändern.“ Zwei der zwölf Führungspositionen in seiner Schule sind mit Frauen besetzt. „Aber es wird wohl noch zehn Jahre brauchen, bis die Unteroffizierschule von einer Frau kommandiert wird“, glaubt Kurczyk.

Damit die Bundeswehr – „sie war noch nie besser als heute“ – familienfreundlicher werden kann, sei es nicht mit verschönerten Räumlichkeiten mit eigener Dusche und Toilette getan. „Wir müssen uns fragen, ob es noch zeitgemäß ist, die Berufssoldaten alle zwei bis vier Jahre an einen anderen Standort zu versetzen.“ Er selber habe in 32 Jahren 15 verschiedene Verwendungen erlebt. Dabei habe er acht Jahre das Glück gehabt, in der Nähe seiner Familie in Köln bleiben zu können. Er kenne aber auch die andere Seite, wie jetzt, wenn er nur am Wochenende seine Frau und die beiden drei und elf Jahre alte Kinder sehen könne. Das eine Jahr Auslandseinsatz in Afghanistan sei natürlich noch belastender für das Familienleben gewesen.

„Afghanistan hat die Bundeswehr geprägt“, sagt Oberst Kurczyk. In den 14 Jahren seien mittlerweile mehr als 100.000 Bundeswehrsoldaten in dem krisengeschüttelten Land im südlichen Asien im Kampfeinsatz gewesen. Da sei es wichtig, dass diese nach den Einsätzen psychologisch betreut werden, betont Kurczyk. Dies sei auch geregelt. Jeder Soldat sei verpflichtet, nach dem Auslandseinsatz einen viertägigen Lehrgang zu besuchen. Für posttraumatische Fälle sei das Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg bestens ausgerüstet. Auch die Möglichkeit, sich bei einer dreiwöchigen Kur von diesen Belastungen zu erholen, bestehe für jeden Rückkehrer. „Ich habe vor drei Jahren darauf verzichtet. Das war ein Fehler“, gesteht der Oberst ein. Familie und Beruf hätten ihn sofort mit ihrem Nachholbedarf wieder in Beschlag genommen, ohne dass er die Erlebnisse hätte richtig verarbeiten können.

Erst seit 100 Tagen im Amt, hat Oberst Kurczyk sich bereits allerhand vorgenommen. So soll der Tag der offenen Tür im nächsten Jahr der Bevölkerung anschaulich zeigen, wie und worüber die 5000 Lehrgangsteilnehmer jedes Jahr geschult werden. „Wir können hier alles machen, eigene Schulungsfilme drehen, sind multimedial vernetzt.“ Sogar mittels selbst erarbeiteter Apps auf den Smartphones werde unterrichtet. 1000 nagelneue Laptops seien angeschafft. Es fehlten nur noch drahtlose Internet-Verbindungen, was jüngere Soldaten kaum noch akzeptierten.

Als Bürger in Uniform mit einem humanitären Menschenbild hat Oberst Kurczyk auch eine Botschaft, die er nach außen tragen möchte. Und die soll sich gegen alle Formen von Gewalt aussprechen, auch wenn er selbst in einer „Firma“ arbeite, die Gewalt ausübt und diese auch manchmal notwendig sei. So will er 2016 ein Jahr lang Ausstellungen, Vorträge und Seminare veranstalten, die sich mit allen Fragen von Gewalt auseinandersetzen. Auch externe Experten möchte er einladen und zudem zivile Formen der Gewalt, zum Beispiel in der Familie, thematisieren.

Oberst Kurczyk stellte klar, dass es den traditionellen Salvatorabend weiter geben wird. Die Gäste wird er allerdings nicht wie sein Amtsvorgänger Oberst Klaus Kuhle mit den Sprüchen eines bayerischen Mönchs unterhalten. „Der Bruder Barnabas ist tot.“