Pinneberg
Neues Konzept

Schenefelder Spielbank tauft sich um und setzt aufs Pokern

Jessica Barke leitet die Spielbank in Schenefeld, die nach der Modernisierung wieder Casino heißt

Jessica Barke leitet die Spielbank in Schenefeld, die nach der Modernisierung wieder Casino heißt

Foto: Katy Krause / HA

Neuer Boden, neue Beleuchtung, neue Technik, neue Möbel. Vier Millionen Euro fließen in die Modernisierung des Hauses.

Schenefeld. Der Muff der vergangenen Jahr ist weg. Wer die Schenefelder Spielbank – eine von fünf Einrichtungen im Besitz des Landes Schleswig-Holstein – aus alten Zeiten kennt, wird sie kaum wieder erkennen. Neuer Boden, neue Beleuchtung, neue Technik, neue Möbel: In den vergangenen Monaten hat sich enorm viel getan. Kaum etwas ist nach der aufwendigen Modernisierung, in die inklusive neuer Klimaanlage insgesamt vier Millionen Euro flossen, an seinem ursprünglichen Platz geblieben. Die Spieleautomaten sind vom Eingangsbereich nach hinten gewandert, die Kasse dafür nach vor. Die Bar hat ihren zentralen Platz in der Mitte der Fläche im Obergeschoss des Schenefelder Stadtzentrums eingebüßt. Sie wich an den Rand, schaffte so den nötigen Raum für einen Bereich, auf den das Unternehmen in den kommenden Jahren setzt: das Pokerspiel.

Nach dem Umbau ist Platz für 250 Pokerspieler

Das treibt zusehends mehr Besucher in die Spielbank, die sich seit der Modernisierung wieder Casino nennt. „Wir sind die Pokerhochburg in Norddeutschland“, erklärt Jessica Barke, Direktorin des Schenefelder Casinos. Vor allem unter jungen Leuten habe sich das Pokern als Trendkartenspiel etabliert. So sehr, dass es den alteingesessenen Glücksspielen langsam den Rang abläuft. Laut Barke machen vor allem das Roulette-Spiel und das Automatenspiel einen Großteil des Casino-Ertrages aus, der 2014 vor Steuern bei rund 7,7 Mio Euro lag. Am Ertrag des Großen Spiels würde das Pokerspiel nach dem Roulette einen maßgeblichen Anteil haben, so Barke. Damit der auch weiter wächst, wurde mit dem aufwendigen Umbau der Spielbank dem Trend gleich Rechnung getragen.

War zuvor Platz für etwa acht Tische, an denen jeweils bis zu zehn Spieler sitzen können, hat die „Hochburg“ nun Kapazität für 250 Pokerspieler. Dass dieser Platz gebraucht wird, zeigte sich zuletzt im Mai deutlich. Da war das Schenefelder Casino ein Austragungsort der Eureka-Poker-Tour. Zehn Tage lang spielten Teilnehmer um ein Preisgeld von insgesamt 1,1 Millionen Euro. Die Spieler kamen dabei nicht nur aus Deutschland, sondern reisten unter anderem aus Isreal, den Niederlanden, Russland, Polen, Schweden und Italien an. Um überhaupt genügend Dealer, wie man die Kartenverteiler an den jeweiligen Tischen nennt, vorhalten zu können, flog Barke sogar Personal aus Österreich ein.

75.000 Besucher zählte die Spielbank im Jahr 2014

Um ein Gefühl für die Dimension der Veranstaltung zu bekommen: Zählte die Spielbank im Jahr 2014 insgesamt 75.000 Besucher, waren es laut Barke allein im Eureka-Monat Mai 2015 knapp 10.000 Gäste. Das nächste große Turnier steht bereits fest. Im November macht die Monster Poker Tour halt in Schenefeld. Bis dahin können Teilnehmer theoretisch täglich üben, denn das Casino bieten jeden Abend kleine Pokerturniere an. Zudem investiert das Unternehmen in die Schulung weiterer Dealer, um der Nachfrage gerecht zu werden.

97 Mitarbeiter zählt das Schenefelder Casino, davon sind etwa ein Drittel Teilzeitkräfte. „Wir haben einen akuten Dealer-Mangel“, berichtet Chefin Barke. Etwa 20 dieser Pokerexperten könnte sie derzeit noch gebrauchen. Ende September beginnt die nächste zehntägige Ausbildung, die für die Teilnehmer kostenlos ist.

Doch in Schenefeld setzt die Spielbank SH GmbH, die zudem Spielstätten in Lübeck, Kiel, Flensburg und auf Sylt unterhält, mit dem Umbau auch gleich ein neues Konzept um. Dabei wird nicht mehr auf das Glücksspiel allein gesetzt, sondern versucht, den Besuchern mehr zu bieten. Die Idee: Das Casino soll Treffpunkt, Veranstaltungsort und Freizeitaktivität sein. Dafür investiert das Unternehmen im Besitz des Landes kräftig in einen ganz neuen Bereich. So verfügt die Schenefelder Spielstätte, die seit 1997 vor den Toren der Hansestadt im Center ihren Platz hat, nun über einen Eventbereich samt nötiger Technik und Bühne. Wenn der Umbau endgültig abgeschlossen und auch die letzten Elektroarbeiten vollendet sind, dann plant Barke einmal pro Monat eine Veranstaltung.

Moderne Technik verwandelt Glaskuppel in Filmleinwand

Fest steht bereits, dass es eine Silvesterfeier geben soll. Auch Barkes Vorgänger Lutz Schenkel hatte einmal Ähnliches vor, scheiterte aber mit dem Versuch einer Schenefelder Silvesterparty in der Spielbank am mangelnden Interesse. Um fehlende Resonanz macht sich Direktorin Barke keine Sorgen. „Wir werden früh anfangen die Veranstaltung zu bewerben.“ Zudem soll der Eintritt als Startangebot bei moderaten 25 Euro liegen. Klar ist, dass sich Besucher dann einen Eindruck von einer weiteren Neuerung machen können. So verfügt das Casino dank moderner Technik über eine Videowand der besondern Art. Mithilfe von Beamern, Stoffbahnen und EDV kann sich die gläserne Kuppel in eine Filmleinwand, eine Kunstbühne oder eben einen Himmel samt Feuerwerk verwandeln.