Pinneberg
Altlast

Giftiger Asphalt wird jetzt entsorgt

Die  Asphaltbrocken liegen direkt an einem Regenrückhaltebecken

Die Asphaltbrocken liegen direkt an einem Regenrückhaltebecken

Foto: Oliver Carstens / Kreis Pinneberg

Nach wie vor ist ungeklärt, woher die giftigen Asphaltbrocken in Seeth-Ekholt stammen. Jetzt muss ein Teil enstsorgt werden.

Burkhard Fuchs. Ortstermin bei brütender Hitze: Bodenschutzbehörde, Umweltpolizei und Gemeindevertreter aller drei Fraktionen trafen sich jetzt am Regenrückhaltebecken im Neubaugebiet am Wald in Seeth-Ekholt. Dort war 2012 bei der Erschließung eine Altlast mit teerhaltigen Asphaltbrocken entdeckt und nach Aussage des Bürgermeisters Michael Rosenthal (CDU) entsorgt worden. Doch Anwohner fanden auch nach der Entsorgungsaktion auf ihrem und dem Nachbargrundstück Asphaltstücke und waren um ihre Gesundheit besorgt, wie das Abendblatt im Februar exklusiv berichtet hatte. Ein Gutachten des Kreises hielt die Sorgen allerdings für unbegründet. Daran hält der Kreis nach wie vor fest, betont Kreissprecher Oliver Carstens.

Daran ändere auch nicht die Asphaltbeprobungen, die der NDR in Auftrag gab und dabei erhöhte Werte von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) feststellte. Allerdings müssten die lose am Rand des Regenrückhaltebeckens liegenden Asphaltstücke fachmännisch entsorgt und die Böschung abgedeckt werden. Darauf verständigten sich jetzt beim Ortstermin Kreis und Gemeindevertreter. „Ich werde nächste Woche eine Fachfirma beauftragen, alles, was sichtbar ist, einzusammeln und zu entsorgen“, kündigt Bürgermeister Rosenthal an. Dabei handele es sich nach seiner Einschätzung um „eine Schubkarre voll“. Die Abdeckung erfolge im Herbst.

Unverständlich sei ihm, dass seit einem Jahr gegen ihn wegen unsachgemäßer Entsorgung von gefährlichen Abfällen ermittelt werde, bislang ohne Ergebnis. „Das geht mir an die Nerven“, sagt Rosenthal. Christian Tamm von der Umweltpolizei Pinneberg bestätigt das laufende Verfahren, das noch nicht abgeschlossen sei. „Wir gehen von einer Altlast aus. Aber es kommt uns spanisch vor, dass immer noch Asphaltstücke an der Oberfläche liegen.“ Weil bei den Erschließungsarbeiten vor zwei bis drei Jahren aber mehrere Firmen beteiligt waren, sei es schwierig, aufzuklären, wer dafür verantwortlich ist. Ursprünglich könnten die Brocken aus dem Jahr 1979 stammen, als die alte Dorfstraße saniert wurde.

Ulf und Tanja Lahl-Schlichting, die das Abendblatt auf die Ablagerungen aufmerksam machten, sind einerseits froh, dass jetzt endlich etwas geschehe. Ob es aber für ihre Sicherheit und Gesundheit ausreicht, die losen Brocken zu entsorgen, bezweifeln sie. Auch SPD-Gemeindevertreter Sven Kruse fordert weitere Untersuchungen. „Das Grundwasser muss beprobt werden und eine Gefahrenabschätzung gemacht werden.“

Dabei beruft er sich auf die neuerlichen Asphaltproben, die gerade bei dem krebserregenden Stoff Benzoapyren eine erhebliche Überschreitung der Grenzwerte ergeben hätten. Ein von ihm beauftragtes Fachlabor komme zu dem Schluss, „dass alle eingetragenen Fremdmaterialien“ wie der asphalthaltige Straßenaushub unbedingt wieder aus dem Boden entfernt werden müssten. „Andernfalls verbleibt die Besorgnis, dass nicht sichtbare, schadstoffhaltige Abfälle im Boden verbleiben, diese ausgewaschen werden, ins Grundwasser gelangen und zu unkalkulierbaren Beeinträchtigungen der Umwelt und der Anwohner führen.“

Doch genau diese Gefahr bestehe nicht, betont Kreissprecher Carstens. Der untersuchte Oberboden des Rückhaltebeckens unterschreite die Grenzwerte von PAK für Kinderspielplätze erheblich. Eine Gefährdung des Grundwassers sei auszuschließen, da es die in 30 bis 150 Zentimeter unter der Oberfläche liegenden Asphaltbrocken nicht umspüle. „Unser Gutachten kommt eindeutig zu dem Ergebnis, dass hier keine Umweltgefährdung und keine Gefahr für Mensch und Tier vorliegt.“

Klaus-Dieter Brügmann, Kreistagsabgeordneter der Linken, warnt davor, Gefahren zu verharmlosen. Acht der gutachterlich in Seeth-Ekholt nachgewiesenen PAKs könnten Krebs erregen und seien giftig für Wasserorganismen. Er hält es für „fahrlässig“, wenn die Aufsichtsbehörde für Boden- und Wasserschutz die „kreisweit 312 alten Müllkippen“ und sonstigen Lagerstätten als „Sünden der Vergangenheit“ betrachte, „mit denen wir leben müssen“.