Pinneberg
Asphaltbrocken

Wie gefährlich sind diese Klumpen?

Tanja Lahl-Schlichting nimmt Asphaltbrocken auf ihrem Grundstück in Seeth-Ekholt auf die Schaufel

Tanja Lahl-Schlichting nimmt Asphaltbrocken auf ihrem Grundstück in Seeth-Ekholt auf die Schaufel

Foto: Burkhard Fuchs bf / Burkhard Fuchs

Verwaltung im Kreis Pinneberg prüft nach Fund von neuen Altlasten in Seeth-Ekholt weiteres Gutachten. Staatsanwaltschaft ermittelt.

Seeth-Ekholt.  Der Streit um Altlasten im Boden eines Baugebiets in Seeth-Ekholt geht in die nächste Runde. Nachdem das Hamburger Abendblatt Anfang Februar erstmals über den Fall berichtet hatte, nahm sich der NDR noch einmal des Themas an.

Ein Reporter besuchte Familie Lahl-Schlichting, die im Herbst 2012 am Wald neben dem Regenrückhaltebecken ein 716 Quadratmeter großes Grundstück von einer Erbengemeinschaft aus dem Dorf gekauft und bei Erschließungsarbeiten große Mengen illegal entsorgten Asphalts zu Tage gefördert hatte. Die Herkunft des Materials und die Suche nach dem Verursacher ist Gegenstand von polizeilichen Ermittlungen.

TV-Sender nimmt eigene Bodenproben

Der Fernsehsender entnahm eigene Bodenproben und ließ diese in einem Labor untersuchen. Das erschreckende Ergebnis: Die Abfälle sind mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) belastet, die krebserregend sein können. So lag der PAK-Grenzwert einer Probe bei einem Spitzenwert von 2680 Milligramm pro Kilogramm, wie der Sender berichtete. Straßenabbruch gelte aber schon bei einem Wert von 25 Milligramm pro Kilogramm als belastet.

Dabei hatte ein Gutachter im Auftrag des Kreises zuvor noch festgestellt, dass keine gesundheitliche Gefährdung von diesem Boden ausgeht. „An dem Ergebnis und der Fachlichkeit des uns bisher vorliegenden Gutachtens eines anerkannten Gutachters hat der Kreis jedenfalls keine Zweifel“, sagt Oliver Carstens, Sprecher der Verwaltung des Kreises Pinneberg. Er verweist darauf, dass er wegen des laufenden polizeilichen Ermittlungsverfahrens nicht auf alle Fakten eingehen könne.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft Itzehoe wegen unsachgemäßer Entsorgung von asphalthaltigem Erdaushub auch gegen den Bürgermeister Michael Rosenthal, der für die Erschließung des Baugebietes verantwortlich ist. Carstens versichert: „Der Kreis nimmt die Sorgen der Anwohner sehr ernst und möchte mit dem Thema sehr offen umgehen.“ Es habe diverse Ortstermine durch Kreismitarbeiter gegeben. „Dem Kreis Pinneberg liegt ein von der Gemeinde beauftragtes Gutachten vor, über den vorgefundenen Asphalt und das umgebende Bodenmaterial“, sagt Carstens. Demnach seien lediglich an einer Probenentnahmestelle erhöhte PAK-Werte im Asphalt vorgefunden worden. „Im umgebenden Bodenmaterial wurden lediglich PAK-Gehalte im Bereich der Bestimmungsgrenze festgestellt.“

Dass PAK aus dem Asphalt durch Sickerwasser in tieferliegende wasserführende Bodenschichten gelangen könne, sei demnach nahezu ausgeschlossen. Ob nach den Funden weiterer Verunreinigungen durch den NDR vor Ort noch weitere Untersuchungen oder Maßnahmen durch den Kreis oder die Gemeinde vorgenommen werden müssten, werde zurzeit geprüft, so Carstens.

Betroffene fühlen sich allein gelassen

Tanja Lahl-Schlichting fühlte sich von den Gemeindevertretern mit ihrem Problem allein gelassen. Die vierfache Mutter fürchtet um die Gesundheit ihrer Familie. Aus diesem Grund hatte sie sich auch an die Öffentlichkeit gewandt und informiert auf einer Internetseite unter www.pak-am-wald.de über die Vorgänge. In Seeth-Ekholt wollen auch viele andere Bürger die Verunreinigungen nicht stillschweigend hinnehmen. Sie fordern Informationen und Aufklärung und haben deshalb einen Einwohnerantrag mit dem Titel „Umgang mit Altlasten und krebserregendem Abfall in unserem Dorf“ eingereicht. Am Mittwoch, 22. Juli, entscheiden im Gemeindezentrum „Ole School“, Schulstraße 10 in Seeth-Ekholt, die Mitglieder des Gemeinderates von 19 Uhr an über die Zulässigkeit des Antrages.