Pinneberg
Probleme mit Behörden

Schenefelder Nepal-Helfer sitzen auf gepackten Koffern

Die Schenefelder John Tamang, Birgit Peters und Ingrid Pöhland mussten ihre Flüge nach Nepal überraschend stornieren. Dabei wollten sie dort doch die Spenden verteilen

Die Schenefelder John Tamang, Birgit Peters und Ingrid Pöhland mussten ihre Flüge nach Nepal überraschend stornieren. Dabei wollten sie dort doch die Spenden verteilen

Foto: Katy Krause / HA

Hilfscontainer mit benötigten Spenden steckt in Kalkutta fest. Schenefelder Initiatoren stoppen Nepalreise und kämpfen mit Behörden um Lösung.

Schenefeld. Der Container voller Hilfsgüter müsste genau jetzt vom Schiff im indischen Hafen Kalkutta runter und auf seinen Weg mitten durch den Monsun über die teilweise nach Erdrutschen kaum passierbaren Straßen. Rund 1000 Kilometer sind es bis Kathmandu, wo die Spenden auf kleine Transporter oder sogar Esel verteilt und zu den Bedürftigen in der schwer vom Erdbeben erschütterten Bergregion Sindupalchok geschafft werden sollten. Ingrid Pöhland und ihre Mitstreiter hielten das für den schwierigsten Teil der Reise. Sie haben sich geirrt. Als viel schwieriger und als viel größeres Hindernis entpuppen sich ganz andere Dinge: Formalitäten.

Helfer sind auch auf Reisekosten sitzen geblieben

Der Container, den die engagierten Schenefelder in einer mühsamen Aktion mit Hilfsgütern füllten und auf die dank Spendern mögliche teure Schiffsreise schickten, steckt in Kalkutta fest. Und zwar seit dem 17. Juli. Dabei sollte er längst auf der Straße gen Nepal und die Schenefelder im Flugzeug auf dem Weg in die Erdbebenregion sein. „Wir mussten alles stornieren“, erklärt Pöhland. Die Vorsitzende des Vereins „Glücksgriff, der soziale Kreislauf“ wollte genauso wie ihre Vereinskollegin Birgit Peters auf eigene Kosten nach Nepal fliegen, um die Verteilung der Hilfsgüter zu überwachen und für die Spender zu dokumentieren. Am 1. August sollte die Reise starten. Daraus wurde nichts. Die beiden Frauen sitzen auf gepackten Koffern und Reisekosten in Höhe von 1600 Euro. „Weil wir derzeit nicht wissen, wann der Container in Nepal ankommt, konnten wir den Flug nicht umbuchen“, so Pöhland, deshalb sei der Flug verfallen.

Deutsche Botschaft verweigert Empfang der Spende beim Zoll

Die Nachricht, die die Helfer völlig überraschte und vor große Probleme stellt, kam von der deutschen Botschaft in Nepal. In der kurzen E-Mail erklärt diese, dass sie „nicht an der bevorrechtigen Einfuhr von Spenden nach Nepal mitwirken kann.“ In einem beigefügten Infoschreiben heißt es noch: „Die Botschaft hat leider nicht die personellen Kapazitäten, die Zollformalitäten bei Spendengütern der circa 120 hier gemeldeten, vermutlich aber über 300 vor Ort tätigen deutschen Nicht-Regierungsorganisationen zu begleiten.“ Die Mail erreichte die Helfer bereits im Juni. Da die Botschaft nur für den Zoll als Empfänger angegeben wurde, hofften die Initiatoren das Problem mit einer Adressänderung schnell heilen zu können. Sie irrten.

„Die Hilfsorganisation Care and Development Organization Nepal (CDO) war bereit einzuspringen“, berichtet John Tamang. Der Schenefelder, der Mitglied der deutsch-nepalesischen Gemeinschaft ist, hatte die Aktion mitinitiiert, die Kontakte in Nepal geknüpft und wollte ebenfalls mitfliegen. Auch er stornierte den Flug. Nun telefoniert und schreibt er täglich in Sachen Hilfscontainer, ringt mit den Behörden um eine Lösung. Er schaffte es, mit seinen Beziehungen in die Heimat die Hilfsorganisation zu überzeugen, für die zollfreie Einfuhr als Empfänger einzuspringen.

Allerdings zieht diese Adressänderung nun einen riesen Aufwand nach sich. Denn dafür braucht es ein spezielles Schreiben. Das scheint auch eine Hilfsorganisation in Nepal nicht so leicht zu bekommen. „Sie sind von Behörde zu Behörde gelaufen. Bis heute haben sie es nicht“, berichtet Tamang, laut dem sich zusätzlich negativ ein am 26. Juni beschlossener Regierungserlass auswirkt, nach dem Hilfsgüter zentral gesammelt werden und gebrauchte Gegenstände gar nicht mehr ins Land sollen. Dass der Hilfscontainer aus dem Kreis Pinneberg zu diesem Zeitpunkt schon längst auf dem Weg war, zündet laut den Helfern als Argument bislang nicht.

50 Krücken, 300 Regenjacken und vieles mehr warten auf Bedürftige

„Das haben wir uns einfacher vorgestellt. Wir sind wohl auch etwas naiv an die Sache herangegangen. Aber es wurde Hilfe gebraucht und das schnell“, sagt Pöhland. Diese Hilfe aus 50 Krücken, 12 Kartons voller Verbandsmaterial, 300 Regenjacken, Zelten, Decken, fünf Fässern voller Schuhe und vielem mehr schlummert nun im Container in Kalkutta – und kostet jeden Tag Geld. Denn seit dem 1. August wird eine Gebühr für die Lagerung im Hafen fällig. Zudem hat die Reederei bereits mitgeteilt, dass eine Änderung des Empfängers eine Zollstrafe nach sich zieht. Die Höhe ist noch unklar. „Das ist so traurig. Jetzt fließt so viel Geld in die Bürokratie, anstatt den Leuten zugutezukommen“, kritisiert Pöhland. „Dabei brauchten wir nur eine Adresse von der deutschen Botschaft.“

Noch gibt es ein wenig Hoffnung: Seit kurzem hat sich eine weitere Hilfsorganisation eingeschaltet, die auf den Fall medienwirksam in Nepal aufmerksam macht. „Wir sind dabei, alles zu tun, damit der Container Katmandu irgendwie erreicht“, sagt Tamang. Pöhland nickt. „Das sind wir den Spendern schuldig.“