Pinneberg
Cablesport Arena

Der Pinneberger Citystrand zieht mehr Menschen an

Das richtige Board für Fränze Lüttig: Sean Carstensen weiß, worauf es beim Extremsport auf dem Pinneberger See ankommt

Das richtige Board für Fränze Lüttig: Sean Carstensen weiß, worauf es beim Extremsport auf dem Pinneberger See ankommt

Foto: Andreas Daebeler / HA

1000 Besucher feiern den Sommer. Betreiber ist mit Bilanz ein Jahr nach Neueröffnung der Cablesport Arena zufrieden.

Pinneberg. „Bizeps ist wichtig“, sagt Sean Carstensen. Und spannt kurz die Muskeln an. Von Fränze Lüttig erntet der 21-Jährige einen anerkennenden Blick, als er der 29-Jährigen ein Wakeboard über den Tresen reicht. Sean Carstensen lässt sich in Pinnebergs Cablesport Arena am Fahlt zum Veranstaltungskaufmann ausbilden. Sein Büro ist Pinnebergs Citystrand. Den Job erledigt er bei Traumwetter gern oben ohne. Wie am Sonnabend, als Hunderte die Anlage bevölkerten – um ausgelassen die ersehnte Rückkehr des Sommers zu feiern.

Sebastian Eppinger ist der Boss von Sean Carstensen. Und wie sein Azubi ein ziemlich lässiger Typ. Jeans. T-Shirt. Turnschuhe. Klar, der 28-Jährige ist Geschäftsmann. Aber einer, der auf Anzug und Krawatte weitgehend verzichten kann. Neben seinem Schreibtisch stehen Wakeboards. Vor dem Fenster rasen Extremsportler über den Ex-Badesee. Seit 2014 betreibt Eppinger die Cablesport Arena am Pinneberger Fahlt. Das vergangene Wochenende – für den Jungunternehmer eine gute Gelegenheit, zurückzublicken. Ziemlich genau ein Jahr nach der Eröffnung des Strandclubs feiern Fans, Freunde und Sportler mit ihm.

„Vieles läuft gut“, sagt Eppinger. Vieles, nicht alles. Denn trotz Investitionen von mehr als 500.000 Euro kann der 28-Jährige eines nicht beeinflussen: das Wetter. „Das nervte in den vergangenen Wochen schon sehr“, sagt er. Zumal angesichts ausbleibender Einnahmen Investitionspläne zurückgestellt werden müssten. „Aber die Motivation ist immer noch groß.“ Rückblick: Etwas mehr als zwei Jahre ist her, dass die Wasserskiarena am Fahlt vor dem Aus stand. Im März 2013 waren auf der 2007 eröffneten Anlage an der Burmeisterallee die Lichter ausgegangen. Sechs Jahre hatte Betreiber Peter Schattenfroh durchgehalten, dann waren ihm die Verbindlichkeiten über den Kopf gewachsen. Aus dem Insolvenzverfahren mit anschließender Investorensuche war der Rellinger Kaufmann Andreas Eppinger als neuer Besitzer hervorgegangen. Seinen Sohn Sebastian präsentierte er im Dezember 2013 als künftigen Arena-Chef.

Und der setzt nicht allein auf Stamm- und Tagesgäste, sondern erschließt sich weitere Einnahmequellen. So bietet Eppinger Firmen aus der Region Gelegenheit, Betriebsfeiern auf dem Gelände am Fahlt auszurichten. Das Catering schultert die Crew des Strandclubs. Die Nachfrage sei groß. Derzeit seien etwa einmal pro Woche Unternehmen zu Gast. Sowohl aus der Region Pinneberg als auch aus dem benachbarten Hamburg. Für den Sommer hat Eppinger personell aufgestockt. Zusätzlich zu den fünf festen Mitarbeitern hat er 20 Aushilfen eingestellt. Geöffnet wird die Arena auch, wenn die Sonne fernbleibt und nur wenige Sportler vor dem Tor stehen: „Das mag zwar betriebswirtschaftlich nicht immer sinnvoll erscheinen“, sagt der 28-Jährige. „Aber es gibt nichts Schlimmeres, als Gäste, die enttäuscht nach Hause fahren müssen.“

Sebastian Eppinger wuselt übers Gelände. Sein Techniker Steffen Elmers hat den Lift im Blick. Was auffällt, ist der herzliche Umgang der Mitarbeiter untereinander, echte „Buddy-Begrüßung“ inklusive. Hier arbeiten Freunde zusammen. Die haben am Sonnabend alle Hände voll zu tun. Auch weil der so genannte Blob die Massen anlockt. Das mitten auf dem See platzierte Luftkissen – bei 24 Grad Celsius offenkundig ein Riesenspaß. Die Mutigen legen sich vorn drauf, zwei Helfer springen aus fünf Metern Höhe auf das Kissen. Katapultartig geht es für den Frontmann in Schwindel erregende Höhen – und anschließend ins kühle Nass.

Sandra Schmerberg und Sophia Schalk verzichten auf den waghalsigen Sprung. Sie lassen es sich in den Liegestühlen des Pinneberger Beach-Clubs gut gehen. „Sobald die Sonne heraus kommt, bin ich hier“, sagt Antonia Drews. Die 21-jährige Studentin jobbt ab und zu an der Bar des Strandclubs. „Die Atmosphäre ist herrlich entspannt.“ Das sieht Maik Göttsche genauso. Der 24-Jährige ist für die DLRG vor Ort. „Wir sichern derartige Veranstaltungen ab.“ Die Kommunikation mit Arena-Chef Eppinger laufe prima. Der Draht sei eng. Eingreifen mussten Göttsche und seine Kollegen auf dem Wasser noch nicht.

Traumwetter, Live-Musik und ein Feuerwerk am Abend – für Sebastian Eppinger ein gelungener erster Geburtstag des Citystrands. 1000 Besucher seien über den Tag gezählt worden. Zwischenfälle habe es nicht gegeben. „Wir planen weiter Events dieser Art, unter anderem ein Open-Air-Kino“, erklärt er. Wenn der Sommer so weitermacht, sind 2016 vielleicht doch noch Investitionen möglich. Eppinger träumt zum Beispiel von einem Sonnensteg am Wasser.