Pinneberg
Pinneberger Westumgehung

Für diese Initiative schließt sich der Kreis

Erfolgreiche Initatiatoren: Gerhard Appelbaum (v.l.), Dieter Göllner und Bernd H. Stachowski

Erfolgreiche Initatiatoren: Gerhard Appelbaum (v.l.), Dieter Göllner und Bernd H. Stachowski

Foto: Andreas Daebeler / HA

Vor gut fünf Jahren formierte sich eine Initiative, um für die Westumgehung zu kämpfen. Jetzt haben die Bauarbeiten begonnen.

Pinneberg. Ein kühler Tag im März 2010. Drei Männer stehen in der Nähe des Wupperman-Denkmals an der Hermannstraße. Über den Köpfen von Bernd H. Stachowski, Gerhard Appelbaum und Dieter Göllner donnern 40-Tonner über den Asphalt. Die Hochbrücke ist nur einer von zwei Hauptverkehrswegen über die Bahngleise, die Pinneberg teilen. Es ist der Tag, an dem sich eine Bürgerinitiative formiert. Eine die sich nicht, wie so oft, gegen ein Bauvorhaben wendet. Eine, die sich eine Verkehrsentlastung für die City erhofft. Von einer neuen Straße. Der Name der Initiative ist Programm: Pinneberger Westumgehung jetzt.

Heute, mehr als fünf Jahre später, schließt sich für die Initiatoren der Interessengemeinschaft der Kreis. Stachowski, Appelbaum und Göllner haben sich in den Norden der Kreisstadt aufgemacht. Dort, wo die Quickborner und die Elmshorner Straße aufeinander treffen, lassen sie den Blick schweifen. Eine im Frühjahr geschlagene Schneise kündet vom Baubeginn. Die für den Brückenbau notwendige Absenkung der Bahnleitungen hat vor wenigen Tagen begonnen. Im Herbst kommen die Straßenbauer. In drei Jahren werden die ersten Autos über Pinnebergs Westumgehung rollen. „Endlich“, sagt Appelbaum.

Er erinnert sich noch gut an die Anfänge im Jahr 2010. „Zunehmender Lkw-Verkehr in der Innenstadt und auf der Hochbrücke war einer der Auslöser für die Gründung unserer Interessengemeinschaft“, sagt er. Die Initiative sei seitens der Stadt zunächst mit Zurückhaltung aufgenommen worden. Aus Reihen der Bevölkerung hingegen sei der Zuspruch von Beginn an groß gewesen. „Endlich engagiert sich mal jemand für etwas, nicht nur dagegen“ – diesen Satz haben sie immer wieder gehört, betont Stachowski. Mit großer Dankbarkeit erinnert sich der Mann, der 2008 für das Bürgermeisteramt kandidiert hatte, an den inzwischen verstorbenen SPD-Landtagspolitiker Bernd Schröder. Der habe die Initiative „von Beginn an ernst genommen“. Und mit seinen guten Kontakten nach Kiel geholfen. Auch von Ex-Bürgermeisterin Kristin Alheit, mittlerweile Sozialministerin Schleswig-Holsteins, sei viel Zuspruch gekommen.

Pinneberger Westumgehung war bereits in den Fünfzigerjahren ein Thema

Über eine Pinneberger Westumgehung war erstmals in den Fünfzigerjahren diskutiert worden. Ein erstes, 1,6 Kilometer langes Teilstück hatte ein Investor im Zuge der Entwicklung des Rosenfelds vor zehn Jahren realisiert. Bis 2018 sollen weitere 2,8 Kilometer folgen. Somit erfolgt der Brückenschluss von der Mühlenstraße im Westen der Stadt bis zur Autobahnauffahrt Pinneberg-Nord. Das Projekt, dessen Gesamtkosten derzeit auf 26,9 Millionen Euro geschätzt werden, war zu einer jahrelangen Hängepartie geworden, da Anlieger der Trasse sowie der Bund für Umwelt und Naturschutz gegen das Vorhaben gekämpft hatten. „Wir haben nicht hinnehmen wollen, dass eine Minderheit ein Projekt verhindert, das 80 Prozent der Pinneberger begrüßen“, sagt Appelbaum rückblickend. Der Interessengemeinschaft sei es um das Wohl der ganzen Stadt gegangen. Auch Sicherheitsaspekte hätten stets eine gewichtige Rolle gespielt. Schließlich gefährde zunehmender Schwerlastverkehr im Innenstadtbereich nicht zuletzt Kinder.

Auch Stachowski erinnert sich nur zu gut an das Auf und Ab der vergangenen Jahre. Nachdem im März 2010 der lang ersehnte Planfeststellungsbeschluss vorgelegt worden war, schien der Weg für den Bau der Trasse frei. Doch die Gegner blieben hartnäckig. Sie beklagten den Beschluss. Erst 2013 begrub eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts deren Hoffnungen, das Projekt zu verhindern. Politisch hatte es in den vergangenen Jahren stets eine starke Koalition für den Bau der Straße gegeben. Lediglich die Grünen erteilen der Investition bis heute eine klare Absage und kritisieren Kostensteigerungen. „In der Vergangenheit wurden immer wieder Zahlen an die Öffentlichkeit lanciert, die verunsichern sollten“, sagt Appelbaum. Es sei ein Anspruch der Interessengemeinschaft gewesen, diesbezüglich für Klärung zu sorgen. „Wir haben auch den Kontakt zu Gegnern gesucht, Gespräche mit Naturschutzverbänden geführt, Argumente wurden in konstruktiver Atmosphäre ausgetauscht.“

Um die 50 Mitglieder hatte die Initiative „Pinneberger Westumgehung jetzt“ zu Hochzeiten. Tausende Unterschriften waren gesammelt, Touren zu Gerichtsterminen organisiert worden. Als Sprecher treten die drei Initiatoren nicht mehr auf. Das erledigen mittlerweile andere. Die Interessengemeinschaft bestehe trotz klarer Weichenstellung auf Realisierung des Millionen-Projekts weiterhin. Anhänger der Pinneberger Westumgehung erhoffen sich neben der verkehrlichen Entlastung der Innenstadt auch die Erschließung von neuen Gewerbegebieten. Im Norden der Kreisstadt sollen an der Müßentwiete neue Betriebe angesiedelt werden, nicht zuletzt um das leere Stadtsäckel mittels zusätzlicher Gewerbesteuereinnahmen aufzufüllen.