Pinneberg
Abendblatt-Serie

Azubi gesucht: Schrauben ist Tibors Leidenschaft

Tibor Wollmann macht beim Autohaus C. Thomsen eine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker. Hier inspiziert er den Unterboden eines Fahrzeuges

Tibor Wollmann macht beim Autohaus C. Thomsen eine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker. Hier inspiziert er den Unterboden eines Fahrzeuges

Foto: Sarah Stolten

Kfz-Mechatroniker ist ein typischer Männerberuf – und trotzdem sucht das Autohaus C. Thomsen in Halstenbek dringend Auszubildende.

Halstenbek.  Qualm dringt aus der Motorhaube. Der Motor springt nicht mehr an, der Wagen bewegt sich keinen Zentimeter vom Fleck. Dem Fahrer laufen die Schweißperlen über die Stirn. Mit dem Fahrzeug auf der Straße liegen bleiben – ein Schreckenszenario für alle Autobesitzer. Doch für Tibor Wollmann ist das ein Glücksfall: Er kann wieder schrauben.

Der 20-Jährige freut sich immer über neue Kundschaft in der Halstenbeker Werkstatt des Autohauses C. Thomsen, auch wenn die meisten Leute einen Besuch beim Kraftfahrzeugmechatroniker lieber vermeiden würden. Beim Zerlegen von Autoteilen ist Tibor Wollmann in seinem Element. „Dieses Gefühl, wenn du den Motor nach einer Reparatur zum ersten Mal startest und er anspringt“, sagt Tibor Wollmann, „ist einfach unglaublich.“

Das ist wahre Leidenschaft. Der 20-Jährige liebt in der Werkstatt zu basteln, zu Hause zieht er gerne die Schrauben an seinem eigenen Motorroller. „Es ist praktisch, wenn du dein Fahrzeug selber wieder in Gang setzen kannst.“ Der junge Mann hat kein Problem damit, sich die Finger mit Motoröl schmutzig zu machen. Deshalb hat sich der ehemalige Hauptschüler aus Hamburg auch dazu entschlossen, KFZ-Mechatroniker zu werden.

Auszubildende müssen gewissenhaft arbeiten

Beim Halstenbeker Autohaus C. Thomsen schließt Tibor Wollmann gerade sein zweites Lehrjahr ab. Während der Arbeit überprüft und repariert der Azubi die Autos, die täglich in der Werkstatt einlaufen. „Am liebsten erneuere ich Verschleißteile am Auto“, so Wollmann. „Die Arbeit an Bremsbeläge und -scheiben ist enorm wichtig und gleichzeitig eine Aufgabe, die zeitlich gut zu bewältigen ist.“ Die Azubis in der Werkstatt lernen schnell, sauber und gewissenhaft zu arbeiten. „Als Auszubildender trägt man viel Verantwortung, wenn man an den Bremsen arbeitet“, sagt Ausbilder und KFZ-Mechatroniker-Meister Bernd Schwan. „Doch die Azubis haben immer einen erfahrenen Gesellen an ihrer Seite und Serviceberater, die sie unterstützen.“

Die Anforderungen an den Beruf des Kraftfahrzeugmechatronikers sind in den letzten Jahren gestiegen. Früher konnte im Fahrzeug bloß ein Radio an und ausgeschaltet werden, heutzutage haben die Autos Navigationssysteme, Geschwindigkeitsregelanlagen, Abstandswarner, Sensoren und Einparkhilfen.

Branche bietet Zukunftssicherheit

„Heute steckt in den Fahrzeugen so viel Technik, wie man früher gebraucht hat, um eine Rakete zum Mond zu schicken“, sagt Bernd Schwan. „Der Fokus bei der Ausbildung liegt mittlerweile bei der Diagnose, es ist das Schwierigste.“ Während der Ausbildung beim Autohaus C. Thomsen durchlaufen die Auszubildenden verschiedenste Stationen, von der Mechanikabteilung bis hin zum Lager. „Es ist uns wichtig, den Azubis alles zu zeigen, damit sie selber ihren eigenen Schwerpunkt erkennen“, so der 33-Jährige Ausbilder.

Das Halstenbeker Unternehmen, das unter anderem Fahrzeuge von Fiat, Ford und Jeep vertreibt, sucht dringend junge Leute, die eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker anfangen wollen. Laut Schwan sei ihre Zukunft mit einer solchen Lehre gesichert. „Ein Auto muss zwangsläufig gewartet und repariert werden“, so der Ausbilder. „Das Fahrzeug stellt die individuelle Mobilität sicher.“ Autos werde es immer geben, so ist auch die Meinung von Schwans Ausbilderkollege Bernd Hermanski. „Vielleicht gibt es irgendwann keine Benzin- oder Dieselmotoren mehr, aber dafür dann das Elektro-, und Hybridauto“, so Hermanski. „Die Technik entwickelt sich immer weiter, es bleibt spannend.“

An der Wand in der Halstenbeker Werkstatt hängt ein Kalender mit leicht bekleideten Frauen, die Kollegen untereinander reißen gerne Sprüche - Azubi Tibor Wollmann fühlt sich wohl- die Arbeit ist eben noch immer ein richtiger Männerberuf.