Pinneberg
Abendblatt-Serie

Zum Haareschneiden gehört auch Mathematik

Mehrere Friseursalons im Kreis Pinneberg sind noch auf der Suche nach Azubis

Mehrere Friseursalons im Kreis Pinneberg sind noch auf der Suche nach Azubis

Foto: Sarah Stolten

Viele Unternehmen suchen noch kurz vor Ausbildungsbeginn nach Lehrlingen. Im Friseurhandwerk haben junge Leute gute Chancen.

Pinneberg.  Damit hatte Yasemin Barhan am Anfang ihrer Ausbildung nicht gerechnet: Zum Haareschneiden gehört Mathematik. Während ihrer Schulzeit war Mathe nicht ihr Lieblingsfach, doch an Geometrie kommt die 23-Jährige während ihrer Lehre zur Friseurin nicht vorbei. Schnipp schnapp Haare ab – so einfach ist das nicht. Der Friseurberuf ist anspruchsvoller und facettenreicher als sein Ruf.

„Der Schopf muss in eine A- und B-Achse unterteilt werden“, sagt Sandra Liebenthal, Filialleiterin des Pinneberger Friseurs XL Cut. Die Ausbilderin von Yasemin zeigt am Kopf einer Kundin, dass dazu ein Mittelscheitel bis zum Nacken gezogen und auf der anderen Seite eine weitere Linie von Ohr zu Ohr gelegt wird. „Je nachdem, wie kurz das Haar gewünscht wird, setzen wir anschließend an der hinteren Haarpartie eine Grundlinie.“

Bevorzugt die Kundin einen Stufenschnitt, wird eine Scheitelpartie mit der Grundlinie verbunden. „Dann schneiden wir in einem exakten 90-Grad-Winkel.“ Der Winkel spielt beim Haarekürzen und -stufen eine zentrale Rolle. Hält eine Friseurin die Partien nicht richtig, ist die ganze Frisur ruiniert. „Die Seiten müssen symmetrisch sein“, erklärt Sandra Liebenthal. „Doch später ist es weniger Mathe, man entwickelt ein Gefühl dafür.“

„Das Schönste ist, wenn man alles aus dem Kunden herausholen kann“

Oft wird der Beruf der Friseurin als zu anspruchslos abgestempelt. Doch schon das Halten der Schere ist eine Wissenschaft für sich. „Es wird niemals einen Selbstbedienungs-Friseur geben“, sagt die Meisterin. „Der Beautytrend ist gegeben, noch nie war der Beruf so gefragt wie heute.“ Trotzdem sucht die Filialleiterin noch nach Azubis für das diesjährige Ausbildungsjahr. Besonders Männer hätten Scheu, Kamm und Föhn ihr Handwerkszeug zu nennen. Yasmin, die bereits im zweiten Lehrjahr ist, zeigt, warum es sich lohnt, Nachwuchsstylistin zu werden: „Das Schönste ist, wenn man alles aus dem Kunden herausholen kann und am Ende ein tolles Vorher-Nachher-Ergebnis erzielt.“

Eine weitere Aufgabe ist die Anwendung kosmetischer Maßnahmen. In der Berufsschule lernen die Auszubildenden, Hautveränderungen und Gesichtstypen zu bestimmen, Tages- und festliches Make-Up aufzutragen, Nägel und Hände zu pflegen und zu gestalten. Bei der nächsten Kundin kann die XL Cut-Azubine das Gelernte in der Praxis unter Beweis stellen. Sie soll die Augenbrauen der Kundin zupfen und färben. Yasemin mischt an der Farbtheke des Salons die richtige Augenbrauenfarbe zusammen. Mit einer zweiprozentigen H2O2-Konzentrationen mixt sie die Farben zusammen.

Die Vielseitigkeit der Arbeit gefällt der 23-Jährigen. „Ich möchte später meinen Meister machen.“ Am liebsten bei XL Cut. „Die besten Pferde züchtet man im eigenen Stall“, so die Chefin. „Wir übernehmen gern die Auszubildenden.“ Das Team sei wie eine Familie: „Wir schweben nicht auf einer Haarspray-Wolken. Wir haben alle ein ganz tolles Verhältnis zueinander.“