Pinneberg
Wedel

Buntes Dinner: Zeichen der Verständigung

Der Tisch steht schon: Bürgermeister Niels Schmidt (2.v.l.) übernimmt die Schirmherrschaft für das Bunte Dinner

Der Tisch steht schon: Bürgermeister Niels Schmidt (2.v.l.) übernimmt die Schirmherrschaft für das Bunte Dinner

Foto: Katy Krause / HA

Initiative will mit der Aktion die Vielfältigkeit feiern. Organisatoren bitten für den 11. September in Wedel alle an einen Tisch.

Wedel. Ganz in Weiß unter freiem Himmel speisen: Was in Paris vor 27 Jahren seinen Anfang nahm, hat sich europaweit verbreitet. Tausende zieht die Veranstaltung mittlerweile in Hamburg oder Berlin an. Auch in Pinneberg trafen sich schon Picknickfans vor der Drostei zum Weißen Dinner. Die Idee wird nun auch in Wedel aufgriffen, allerdings etwas anders. Denn die Wedeler mögen’s bunter. Sie setzen bewusst auf Farbe. Statt eintönigem Weiß soll bei ihrem Freiluft-Dinner die Vielfältigkeit gefeiert werden – und zwar im Bezug auf die Farbe, aber vor allem im Bezug auf den kulturellen Hintergrund der Besucher und das, was auf den Teller kommt.

Der Tag für das Bunte Dinner in Wedel ist ganz bewusst gewählt. Am 11. September – 14 Jahre nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center in New York und ein Jahr nachdem der Engel der Kulturen in der Rolandstadt Einzug hielt – soll die große Freiluftparty steigen. Treffpunkt ist der Rathausvorplatz. Um 17 Uhr beginnt das Bunte Dinner. Das Wetter spielt keine Rolle, es wird auf jeden Fall diniert. Das macht Susanne Huchzermeier-Bock deutlich. „Bei Regen stellen wir notfalls ein paar Zelte auf“, sagt die Pastorin der evangelischen Kirchengemeinde in Wedel.

Die Pastorin gehört zum Organisationsteam und unterstützt die Aktion. Mit von der Partie sind auch die katholische Kirchengemeinde, der Arbeitskreis gegen Rechtsradikalismus, das Freiwilligen Forum und die Initiatoren, die das Projekt Engel der Kulturen nach Wedel holten sowie die Aksa Moschee. Deren Mitglieder freuen sich besonders, Teil der Veranstaltung sein zu dürfen. „Wir sind froh über die Chance, zeigen zu können, dass wir friedvoll sind. Besonders an diesem Tag. Denn der 11. September ist für uns Moslems ein Tag der Schande“, erklärt Hülya Kurt, Mitglied der Aksa Moschee.

Niels Schmidt übernimmt die Schirmherrschaft

Auch der Wedeler Bürgermeister war von der Aktion so angetan, dass er die Schirmherrschaft übernommen hat. Gerade angesichts der derzeitigen Herausforderungen rund um die Unterbringung von Flüchtlingen in Deutschland sei diese Idee sehr charmant. „Die hohe Zahl der Flüchtlinge und die Unklarheit, wann dieser Strom endet, verursacht Ängste“, erklärt Rathauschef Niels Schmidt. „Umso wichtiger ist es, zu zeigen, dass wir das zusammen bewältigen können.“ Zudem befürworte er sehr, dass weitergeführt werde, was mit dem Engel der Kulturen vor einem Jahr begonnen wurde.

Der Engel der Kulturen ist ein Symbol, das das Künstlerpaar Gregor Merten und Carmen Dietrich erdacht hat. Es vereint die Zeichen der drei großen Weltreligionen so, dass sie einen Engel ergeben. Das Symbol findet sich seit dem vergangenen Jahr als Relief eingelassen im Boden des Rathausplatzes. Anlässlich des Bunten Dinners bekommt das Kunstwerk nun auch eine Infotafel, die am 11. September eingeweiht wird. Zudem soll die Friedenrose gepflanzt werden, die der Stadt angesichts des Jubiläums 25 Jahre weltoffene Gemeinde gestiftet wurde. Auf dem Programm steht zudem Musik, für die unter anderem der neue internationale Chor sorgt.

Die Organisatoren rechnen mit mehr als 100 Teilnehmern. Und so funktioniert’s: Wer mitmachen möchte, packt einen Picknickkorb, nimmt sich Teller, Besteck, Servietten und Kerzen fürs Ambiente mit. Wer kann, schnappt sich noch einen Klappstuhl und einen Tisch und bringt all das zum Wedeler Rathaus mit. Für alle, die so viel nicht tragen können oder keinen Klappstuhl parat haben, stellen die Organisatoren einige Sitzgelegenheiten zur Verfügung. Auf der Biergarnitur der Feuerwehr können etwa 100 Leute Platz nehmen.