Pinneberg
Quickborn

Azubi Sedat boxt sich durch die Baustelle

Azubi Sedat Kusak (links) zusammen mit Fliesenlegermeister René Markquardt

Azubi Sedat Kusak (links) zusammen mit Fliesenlegermeister René Markquardt

Foto: Sarah Stolten

Diese Woche in der Abendblatt-Serie „Azubi dringend gesucht“: Beim Fliesenlegen ist vor allem Fingerfertigkeit gefragt.

Quickborn.  Der Kampf im Boxring geht nicht immer über zwölf Runden. Ein Faustschlag, ein gezielter Treffer an die Schläfe, und der Gegner ist außer Gefecht gesetzt. Knockout. Um den Kampf zu gewinnen ist Willensstärke gefragt – genauso wie bei der Arbeit auf der Baustelle. „Der Kampfgeist, der Wille etwas durchzuziehen und zu vollenden, das verbindet das Boxen mit dem Beruf des Fliesenlegers“, sagt Sedat Kusak aus Uetersen, Auszubildender zum Fliesen-, Platten-, und Mosaikleger.

Der 18-Jährige steht in seiner Freizeit als Boxer im Ring, unter der Woche steht er mit seinen Arbeitskollegen des Betriebes Peter Ulka Fliesenfachgeschäft auf der Baustelle. „Ohne den Willen scheiterst du.“ Straffe Zeitpläne gehören zum Alltag eines Fliesenlegers dazu. „Die Zielverfolgung ist harte Arbeit“, sagt Fliesenlegermeister René Marquardt. „Da muss man sich durchbeißen.“

Ohne Organisation funktioniert die Arbeit auf der Baustelle nicht

Bei jedem Projekt sei die Organisation und die Vorbereitung der erste Schritt. Klappt das nicht, sei ein Auftrag zum Scheitern verurteilt. „Es ist wie eine Fertigungsstraße“, so Marquardt. Erst nach gründlicher Planung werden die Fliesen verlegt, verfugt und versiegelt. Die eigentliche handwerkliche Arbeit ist nur ein Puzzlestück auf einer Großbaustelle. Für den aktuellen Auftraggeber verlegt das Team vom Fliesenfachgeschäft 3000 Quadratmeter Kacheln. 500 Quadratmeter sind noch offen. Bis zur Übergabe bleiben den Männern sechs Wochen. „Das nennt man Großprojekt“, so René Marquardt. Sedat Kusak ist im zweiten Lehrjahr und packt bereits ordentlich mit an. „Bevor ich das erste Mal auf der Baustelle war, wusste ich nicht viel vom Handwerk“, sagt der 18-Jährige. Doch seine Wissenslücken konnte der ehemalige Realschüler im ersten Lehrjahr schließen. Denn die ersten zwölf Monate verbringen die Azubis ausschließlich im Ausbildungszentrum: „In einer Halle mauern wir uns was hin“, sagt Sedat Kusak. „Dann fliesen wir eine zehn Meter hohe Wand oder eine Badewanne.“ Der Unterschied zu einer echten Baustelle: „Abends wird wieder alles abgerissen.“ Die Techniken eines Fliesenlegers können sich die Jugendliche während der Lehre aneignen, Fingerfertigkeit müssen die jungen Erwachsenen laut René Markquardt allerdings mitbringen. „Das handwerklich Geschick ist das A und O“, so der 38-jährige Ausbilder. „Hat man keine Fingerfertigkeit, ist es schwer, qualitativ hochwertig zu arbeiten.“

René Marquardt sucht dringend einen Azubi mit Talent und Durchhaltevermögen. „Gesellschaftlich sind Handwerker nicht gut angesehen“, sagt der Fliesenlegermeister, „das ist für junge Menschen ein Problem.“ Marquardt findet es nicht gerecht, dass viele Leute abwertend über Handwerker sprechen. „Wir schaffen Werte“, so der Ausbilder. „Auch für Generationen nach uns.“

Azubi Sedat Kusak findet es toll, etwas mit seinen eigenen Händen zu schaffen, wofür sich die Leute auch noch in 20 Jahren begeistern. „Man erfreut sich an seiner eigenen Leistung, für mich wäre es nichts im Büro eingeschlossen zu sein. Die aktive Arbeit auf dem Bau ist voll mein Ding.“ Sobald ein Projekt fertig und der Bauherr zufrieden ist, „fühlt man sich wie ein King“, so der 18-Jährige.