Pinneberg
Trecker-Treck

In Lutzhorn fahren Frauen auf Trecker ab

Ayleen Pingel, 19, machte beim Treckerschleppen mit. In ihrer Frauenklasse, der ersten ihrer Art, gewann sie

Ayleen Pingel, 19, machte beim Treckerschleppen mit. In ihrer Frauenklasse, der ersten ihrer Art, gewann sie

Foto: Katy Krause / HA

Erstmals eigene Klasse für die Damen bei der 22. Auflage des Trecker-Trecks. 2000 Besucher besuchten das Spektakel.

Lutzhorn. Die Motoren knattern, dunkle Abgaswolken wehen über das Feld in Lutzhorn, das sich am Wochenende in ein Eldorado für Trecker-Freunde verwandelt hat. Es ist Trecker-Treck. Einmal im Jahr steigt die Veranstaltung, die bis zu 2000 Besucher anlockt und aus dem beschaulichen Dorf am Rand des Kreises Pinneberg eine Anlaufstation für Schaulustige, Oldtimer-Fans und PS-Freunde macht. Dann wird aus der eingezäunten Wiese eine Kampfbahn, auf der sich Maschinen im Gewichtestemmen messen. Beim Traktorschleppen, das in den 40er-Jahren in den USA seinen Anfang nahm, testen die PS-Freunde, wie stark ihre Trecker nun wirklich sind. Klingt nach einer männlichen Domäne? Nicht ganz.

Beim Trecker-Treck in Lutzhorn halten die Frauen Einzug. Bei der 22. Auflage waren es so viele, die mitmachten wollten, dass sie ihre eigene Kampfklasse bekamen. Zum ersten Mal. „Ich fahre einen Eicher 3098 Turbo“, erklärt Ayleen Pingel. 19 Jahre alt, blondes Haar: So, wie man sich eine Teilnehmerin beim Traktorpulling auf Anhieb überhaupt nicht vorstellen würde, so steht die Auszubildende vor der hellblauen bayrischen Landmaschine, mit der sie gleich ins Rennen um den Sieg in der Sechs-Tonnen-Frauenklasse gehen will.

Das Treckerschleppen ist ein Highlight

Noch sind die Männer auf der Bahn, versuchen aus den Treckern alles rauszuholen und den Gewichtswagen möglichst bis zum Ende der Kampfbahn zu schleppen. Wer das schafft, also die kompletten 80 Meter überwindet, kann einen „Full Pull“ für sich verbuchen. Eine schwere Aufgabe. Denn auf dem bis zu 18 Tonnen schweren Bremswagen, der hinter den Trecker gehängt wird, befindet sich eine Art Rampe. Auf der wird das Gewicht während des Schleppens verschoben, weiter gen Trecker. Der Bremswagen rammt sich tiefer ins Erdreich, der Trecker bekommt es so mit einem noch höheren Widerstand zu tun.

Die, die es unter den 200 Teilnehmern so richtig wissen wollen, haben ihre Traktoren eigens für den Wettbewerb umgebaut. Sie versuchen, mit dem Reifenluftdruck, dem richtigen Füßchen fürs Gaspedal, der Verlagerung von Gewichten am Trecker und einem Blick für die Löcher auf der Bahn, das Möglichste aus ihrer Maschine herauszuholen. Pingel sieht das etwas gelassener. „Ich schau mir die Bahn vorher nicht an. Ich fahr einfach, und dann schaue ich mal“, erklärt die 19-Jährige aus Barmstedt. Auf den Traktor und das Pulling ist sie durch ihren Vater gekommen. Der ist Mitglied im Trecker-Treck-Team Lutzhorn, das das Spektakel organisiert. „Mir liegt das wohl im Blut“, sagt Pingel, die bereits bevor sie laufen konnte mit Papa auf dem Trecker mitfuhr.

Die Veranstaltung ist sowieso Familiensache. Die 19-Jährige hilft, wenn sie nicht mitfährt, auf dem Bierwagen mit. Ihre Mutter ist auch ehrenamtlich beim Brötchenschmieren im Einsatz. Pingels Freund teilt selbstverständlich die Treckerleidenschaft. Auch er fährt an diesem Sonnabend mit. Ihr Vater Holger Pingel, der sechs Traktoren auf dem Hof zum Spaß stehen hat, war einer der ersten, der sich in den frühen Gewichtsklassen maß und mit einem zweiten Platz an diesem Tag sehr zufrieden ist.

Zehn Frauen haben sich angemeldet

„Das Highlight ist heute eindeutig die Frauenklasse“, sagt Lars Hau­schildt, Vizechef des Lutzhorner Treckervereins. Die Neugier sei groß, wie sich die Damen schlagen werden. Zehn Frauen im Alter von 16 bis 25 Jahren haben sich für die Klasse angemeldet. „Das ist fürs erste Mal schon richtig viel“, so der Mitorganisator. Der neuen Weiblichkeit in ihrem PS-Sport begegnen die Treckerfreunde mit Respekt, aber auch ein wenig Humor.

So wurden die Anmeldezettel und Startnummern für die Damen in Rosa gestaltet. Auch bei den Preisen haben sich die Organisatoren auf die Frauen eingestellt. Für sie gibt es rosa Pokale statt wie üblich die schwarzgoldenen. Der Trostpreis für den Viertplatzierten, ein Sack Kartoffeln, wurde für die Damen umgestaltet. Sie bekommen eine Schale Erdbeeren. Zu gewinnen gibt’s zudem rosafarbende Tupperdosen und Becher. Ayleen Pingel verdreht wegen der farblichen Gestaltung der Startnummern zwar etwas die Augen, der rosa Pokal dagegen kommt bei ihr richtig gut an.

62,80 Meter legt ihr Eicher am Ende auf der Kampfbahn zurück. Eine mehr als ansehnliche Leistung, die der 19-Jährigen nicht nur den ersten Platz auf dem Siegertreppchen, sondern auch den so geschätzten großen rosa Pokal einbringt. Später sollte noch bis tief in die Nacht auf der Aftershow-Party in der Halle auf dem angrenzenden Hof gefeiert werden.