Pinneberg
Kreis Pinneberg

Neues Rettungskonzept für die Dauerbaustelle A 7

Motorräder und Einsatzfahrzeuge des Rettungsdienstes

Motorräder und Einsatzfahrzeuge des Rettungsdienstes

Foto: Wolfgang Klietz

Während der Dauerbaustelle auf der Autobahn 7 rücken die Einsatzkräfte aus beiden Richtungen zur Unglücksstelle vor – auf dem Motorrad.

Kreis Pinneberg.  Die Dauerbaustelle auf der A 7 in Folge des sechsspurigen Ausbaus stellt Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei vor besondere Herausforderungen. So ist es angesichts der verengten Fahrstreifen im Ernstfall kaum möglich, eine Rettungsgasse für die Einsatzfahrzeuge zu bilden. Ein neues Konzept sieht vor, dass bei größeren Schadenslagen die Einsatzkräfte aus beiden Richtungen zur Unglücksstelle vorrücken sollen. Auch sollen verstärkt Motorräder zum Einsatz kommen.

Beteiligt an dem neuen Konzept ist die Quickborner Feuerwehr, die zusammen mit den Norderstedter Kollegen den Autobahnabschnitt zwischen Hamburg-Schnelsen und Henstedt-Ulzburg betreut. Dass die Unfallstellen künftig von zwei Seiten aus angefahren werden, bedeutet einen erheblichen Mehraufwand für die 13 Feuerwehren, die entlang der von Hamburg bis zum Bordesholmer Dreieck reichenden Baustelle zuständig sind. Dadurch wird allerdings auch sichergestellt, dass zumindest von einer Seite aus die Gefahrenstelle schnell erreicht werden kann.

Die Einsatzkräfte werden mit Motorrädern ausgestattet

Dazu dient auch die Ausstattung der Einsatzkräfte mit Motorrädern. Der Kreisfeuerwehrverband Segeberg hat zwei Maschinen aus dem Katastrophenschutz abgezogen und den Feuerwehren Kaltenkirchen und Bad Bramstedt zur Verfügung gestellt. Sie sind rund um die Uhr verfügbar. Derzeit stehen acht Fahrer bereit, demnächst sollen sich 20 regelmäßig ablösen. Hinzu kommt mit zwei Maschinen die Motorradstaffel der Norderstedter Hilfsorganisation KBA. Die ehrenamtlichen Rettungsassistenten Klaus Schöppach und Franco Scaturro fahren jedes Wochenende auf der Autobahn 7 Streife und werden bei Notfällen von den Rettungsleitstellen oder der Autobahnpolizei alarmiert.

Wie eng es in den Baustellen werden kann, hat Schöppach vor kurzem erlebt, als nördlich von Neumünster ein Motorradfahrer im sogenannten
4-0-Bereich gestürzt war. In diesen Abschnitten wird auf vier Fahrstreifen der gesamte Verkehr über eine Richtungsfahrbahn geleitet; Standstreifen fehlen. Schöppach konnte an den stehenden Autos vorbeifahren. Ein Rettungswagen hing im Stau fest, ein zweiter traf erst 30 Minuten nach dem KBA-Motorrad ein. „Die Autofahrer hatten keine Chance, eine Rettungsgasse in diesem Abschnitt zu bilden“, so der 56-jährige Quickborner, der seit Jahrzehnten ehrenamtlich im Rettungsdienst arbeitet.

Staus durch Einsatzkräfte sollen vermieden werden

Wird die Feuerwehr auf die Autobahn gerufen, fährt ein Löschzug künftig über die reguläre Fahrbahn in Richtung Unfall. Ein zweiter Zug versucht, über die Gegenfahrbahn an die Unfallstelle zu gelangen. Dabei fahren die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst künftig nicht mehr einzeln, sondern im Verbund von der zugewiesenen Anschlussstelle aus auf die Autobahn. Auf diese Weise soll vermieden werden, dass zuerst ankommende Blaulichtfahrzeuge einen Stau verursachen und nachrückende Kräfte den Einsatzort nicht mehr erreichen können. Im Falle einer Sperrung ist es auch möglich, dass sich die Einsatzkräfte als „Geisterfahrer“ der Unglücksstelle nähern. Als weitere Neuerung werden alle eingesetzten Kräfte künftig von einer Einsatzleitstelle aus über einen gemeinsamen Funkkanal für Feuerwehr und Rettungsdienst geführt. Dabei wird die Regionalleitstelle West in Elmshorn den Bereich zwischen Quickborn und Hamburg-Schnelsen übernehmen.

Eine wichtige Rolle in der Informationsbeschaffung sollen die Motorradbesatzungen spielen, die schnell vor Ort sein werden und damit den nachrückenden Fahrzeugbesatzungen wichtige Informationen über den Unfall und die Anzahl der Verletzten liefern können. Außerdem sollen sie mitteilen, wie die großen Fahrzeuge – notfalls durch die abgesperrte Baustelle hindurch – zur Einsatzstelle kommen. Die Motorradbesatzungen stammen ausschließlich aus dem Segeberger Bereich. „Im Kreis Pinneberg stehen uns solche Einsatzmittel nicht zur Verfügung“, sagt Thorsten Wiehe, Sprecher der Feuerwehr Quickborn.

Feuerwehr wird häufiger als sonst im Einsatz sein

Er rechnet damit, dass während der Bauphase seine Feuerwehr häufiger als sonst auf der A 7 im Einsatz sein wird. Bisher war dies durchschnittlich 15 bis 20 Mal pro Jahr der Fall. Die häufigere Einsatzzahl liege auch daran, dass die Kräfte künftig bei medizinischen Notfällen mitalarmiert werden – etwa wenn ein Autofahrer einen Schwächeanfall oder Herzinfarkt erleidet. „Unsere Aufgabe ist es, den Rettungsdienst abzusichern“, erläutert Wiehe. Das große Einsatzfahrzeug der Feuerwehr parke dann mit Blaulicht hinter dem Rettungswagen und blockiere die Fahrbahn, damit die Rettungssanitäter gefahrlos arbeiten können. Allein sieben bis acht Mal sei es 2015 zu Einsätzen dieser Art gekommen, die es vorher nicht gegeben habe.

Um im Ernstfall gewappnet zu sein, hat die A-7-Baufirma der Quickborner Feuerwehr zwei Gleitschutzwände zur Verfügung gestellt. Diese trennen in der Baustelle die entgegengesetzten Fahrspuren voneinander ab. „Wir haben geübt, wie man die Verschraubungen löst, um schnell einen Durchgang zu schaffen“, berichtet Wiehe. Auch sei versucht worden, die Schutzwände per Trennschleifer und Rettungsschere zu zerschneiden.