Pinneberg
Wedel

Katholiken drehen im Kreis Pinneberg den Geldhahn zu

Pfarrer Stefan Langer ist von 2016

Pfarrer Stefan Langer ist von 2016

Foto: Burkhard Fuchs

Der geplante Kita-Anbau in Wedel wird auf Eis gelegt. Verwaltung und Politiker sind von der Entscheidung überrascht.

Kreis Pinneberg. Keine Investitionsentscheidungen in den kommenden zwei Jahren, keine Baupläne und vor allem kein Kita-Anbau mehr: Diese Nachricht überraschte Stadtverwaltung und Kommunalpolitiker in Wedel und stellt sie plötzlich vor neue und unerwartete Herausforderungen. Denn Anfang des Jahres sah das noch ganz anders aus. Mitte Januar präsentierten Vertreter der katholischen Kirchengemeinde St. Marien noch ambitionierte Baupläne für ein neues Familienzentrum samt 20 Krippenplätzen, 20 Elementarplätzen sowie Platz für Elternberatung. Plätze, die Wedel auch dringend braucht.

Laut dem damals vorgestellten Konzept hätte die Kirchengemeinde 150.000 Euro und das 2500 Quadratmeter große gemeindeeigene Grundstück neben dem Gemeindehaus an der Feldstraße beigesteuert. Wedel sollte sich mit 1,5 Millionen Euro an den Baukosten beteiligen – so die Idee der Vertreter der Kirchengemeinde, die auch bei den Politikern zumindest teilweise auf Wohlwollen stieß.

Einige Gespräche und einen Vor-Ort-Besuch später ist der Plan plötzlich vom Tisch. „Die Kirchengemeinde hat das Projekt abgesagt“, so der Wedeler Fachdienstleiter Burkhard Springer, der kürzlich die Politiker über die geplatzte Zusammenarbeit informierte. Grund sei ein von der katholischen Kirchengemeinde erklärtes zweijähriges Moratorium für Investitionen.

Dass die Katholiken nun zurückrudern müssen, liegt nicht in Wedel, sondern in Hamburg begründet. Dort hat das Erzbistum seinen Sitz, zu dem auch die katholischen Kirchengemeinden in Schleswig-Holstein und in Mecklenburg gehören. Manfred Nielen, Pressesprecher des Hamburger Erzbistums, bestätigt auf Anfrage den verhängten Finanzstopp. Er verweist auf das aktuelle kirchliche Amtsblatt, in dem der Erlass veröffentlicht wurde, der rückwirkend zum 1. April gilt und die Bereiche Personal und Bau umfasst. Damit dürfen katholische Kirchengemeinden, die von der Umstrukturierung der pastoralen Räume betroffen sind, nicht über Investitionsentscheidungen von mehr als 15.000 Euro beschließen oder Mitarbeiter mit unbefristeten Arbeitsverträgen ausstatten.

In naher Zukunft sollen alle sechs katholischen Gemeinden im Kreis Pinneberg zu einer Pfarrei Südholstein vereint werden, die nur noch über einen Pfarrer und einem Kirchenvorstand verfügt. Grund für die jetzt verhängte Sperre ist die Furcht, dass von der Umstrukturierung betroffene Pfarreien finanzielle Mittel durch intensive Personal- und Baumaßnahmen zugunsten ihres Standortes vor der Fusion binden könnten, wie es in dem veröffentlichten Hinweis heißt. Deshalb gilt der Investitions- und Einstellungsstopp für dauerhafte Arbeitsverhältnisse, bis der Umstrukturierungsprozess abgeschlossen ist.

Rückzieher der katholischen Gemeinde stellt Wedel vor Probleme

„Wir sind jetzt etwa in der Mitte. Mit der Ist-Stand-Erhebung sind wir fertig und werden uns jetzt inhaltlich neu aufstellen. Aber wir werden nicht vor 2017 fertig sein“, erklärt Stefan Langer. Der katholische Pfarrer wird ab Ende 2016 mit dem Ausscheiden von seinem Amtskollegen Wolfgang Guttmann das Oberhaupt des neuen pastoralen Raumes Südholstein sein. Sprich: Bis dahin gibt es kein Geld für Investitionen wie einen Kita-Bau in Wedel. „Das Projekt interessiert uns weiterhin. Wir können es aber derzeit nicht umsetzen“, so Langer, der sich keine Sorgen macht, dass in den kommenden zwei Jahren das Geld für nötige Investitionen auch in die Gebäude fehlen könnte. „Im Großen und Ganzen sind die Bauwerke in einem guten Zustand und alle Pfarreien im Kreis Pinneberg gut aufgestellt.“

In Wedel ist man derzeit relativ ratlos. Der unerwartete Korb der katholischen Kirchengemeinde stellt die Stadt vor Probleme. Laut Rathausmitarbeiter Springer sei der Bedarf für 30 bis 40 weitere Betreuungsplätze vor allem im Krippenbereich da. Allerdings gebe es derzeit keine Ausbaukapazitäten mehr an den vorhandenen Kita-Standorten.