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Halstenbek muss Platz für Schüler schaffen

Eine der Halstenbeker Baustellen: Die Grund- und Gemeinschaftsschule An der Bek muss mehr Kinder unterbringen als vorgesehen

Eine der Halstenbeker Baustellen: Die Grund- und Gemeinschaftsschule An der Bek muss mehr Kinder unterbringen als vorgesehen

Foto: Arne Kolarczyk

Kinderreichtum bringt örtliche Grundschulen in Schwierigkeiten. Wird sogar Hausmeisterwohnung zum Klassenzimmer?

Halstenbek. Dank der ungebremsten Ausweisung vieler Neubaugebiete sind zahlreiche junge Familien nach Halstenbek gezogen. Die Folge: Die Gemeinde muss zwei Kindergärten bauen, um für eine ausreichende Betreuung zu sorgen. Eine neue Schule wird nicht benötigt – wohl aber zusätzliche Klassenräume. Dank neuer Zahlen wird nämlich klar, dass der Kinder-Boom die Kapazität der beiden Grundschulen der Gemeinde überfordert.

Der Grundschulteil der erst 2011 eingeweihten Grund- und Gemeinschaftsschule an der Bek ist ebenso wie die Grundschule Bickbargen durchgängig dreizügig konzipiert. Nachdem bereits in den vergangenen Jahren vereinzelt vier Klassen in einer Jahrgangsstufe gebildet werden mussten, kommt es ab dem Schuljahr 2015/2016 erstmals zu einer Vierzügigkeit in beiden Grundschulen. „Die Zahlen zeigen, dass wir dauerhaft unsere Infrastruktur anpassen müssen“, sagt die für Schulen zuständige Fachbereichsleiterin Susanne Dietrich. Die Zahl der Neugeborenen sei in Halstenbek in den vergangenen Jahren erheblich angestiegen.

Der vom Land offiziell vorgegebene Klassenteiler liegt bei 29 Kindern

So geht die Gemeinde beispielsweise für 2016 von 175 Kindern aus, die eingeschult werden. 2017 werden es 166 sein, ein Jahr später 156. „Weitere Zuzüge sind in den Zahlen natürlich nicht eingerechnet“, sagt Dietrich. Durchschnittlich würden vermutlich 170 Kinder pro Jahrgang eingeschult. Zwar liege der offiziell vom Land vorgegebene Klassenteiler bei 29 Kindern. Dietrich hält das jedoch nicht für zumutbar und strebt kleinere Klassen in der Gemeinde an. Dies würde bedeuten, dass eine der beiden Grundschulen dauerhaft als vierzügige Einheit geführt werden soll.

Die Grund- und Gemeinschaftsschule an der Bek kommt dafür nicht infrage, weil sie als ÖPP-Projekt (Öffentlich-Private-Partnerschaft) von einer privaten Baufirma unterhalten wird. Bauliche Veränderungen können nur im Einverständnis mit dem privaten Partner erfolgen und setzen eine Änderung des bestehenden Vertragsverhältnisses voraus. Über die Grundschule Bickbargen kann die Gemeinde allein verfügen. Dort lernen die Kinder aktuell in 14 Klassen, für die 13 Klassenzimmer zur Verfügung stehen. Eine Klasse wird in einem Container unterrichtet, was jedoch kein Dauerzustand sein soll. „Wir haben Ideen, wie wir dort eine Vierzügigkeit erreichen können“, sagt Dietrich. Schnellschüsse dürfe es jedoch nicht geben.

SPD fordert, einen Klassensatz Tablets anzuschaffen und die Schule WLAN-tauglich

In der jüngsten Gemeindevertretung hatte Schulleiterin Barbara Burton Alarm geschlagen. „Ich habe auf die schwierige Lage meiner Schule schon im November hingewiesen.“ Für das neue Schuljahr würden ihr bereits Anmeldungen von 99 Kindern vorliegen. „Die Zahlen steigen sprunghaft, es kommen ständig neue Kinder“, so die Schulleiterin. Jedes kleine Stückchen Raum würde helfen. „Nehmen Sie uns nichts weg, sondern tun sie etwas dazu“, appellierte Burton an die Politik.

Hintergrund war ein Antrag der SPD. Die Partei hatte gefordert, einen Klassensatz Tablets anzuschaffen und die Schule WLAN-tauglich zu machen, damit der Computerunterricht in den Klassen stattfinden könne. Der freiwerdende Computerraum könne dann zum Klassenzimmer werden.

Eine weitere Idee der SPD: Die in der Grundschule beheimatete Kita soll 2017 in den Neubau umsiedeln, der auf dem jetzigen Behelfsparkplatz des Borchert-Gymnasiums entstehen könnte. Auf diese Weise könnten weitere Klassenräume generiert werden. Außerdem solle die jetzige Hausmeisterwohnung zum neuen Schuljahr für pädagogische Arbeit genutzt werden, um die beengten räumlichen Verhältnisse kurzfristig zu verbessern.

Dieser Antrag wurde in den Schulausschuss verwiesen. „Wir haben auch die Hausmeisterwohnung im Blick“, betont Gisela Sinz-König, Fachbereichsleiterin Bauen im Rathaus. Allerdings liege bisher noch keine Kündigung seitens des Hausmeisterehepaars vor.

Zudem mache es keinen Sinn, punktuell in den Bestand der Schule einzugreifen. „Wir müssen langfristig und nachhaltig vorgehen“, so Sinz-König weiter. Trotz aller Dringlichkeit sei ein Gesamtkonzept für die Einrichtung erforderlich, das auch den notwendigen Sanierungsbedarf berücksichtige.