Pinneberg
Elmshorn

Weichensteller, Wegweiser und Seelentröster

Wiebke Turkat, Leiterin der Bahnhofsmission Elmshorn, und Freiwilligendienstler Denis Baraka

Wiebke Turkat, Leiterin der Bahnhofsmission Elmshorn, und Freiwilligendienstler Denis Baraka

Foto: Anne Dewitz

Damit niemand auf der Strecke bleibt, greifen die Ehrenamtlichen der Bahnhofsmission Elmshorn Reisenden und Gestrandeten unter die Arme.

Elmshorn.  In vielen Bahnhöfen weisen Schilder zu einem besonderen Ort – der Bahnhofsmission. Seit mehr als 120 Jahren hilft die gemeinnützige Organisation, die sich ausschließlich aus Spenden finanziert, Reisenden bei der Orientierung. Zwei Millionen Menschen in Deutschland nehmen jedes Jahr die Angebote an den rund 100 Stationen der gemeinnützigen Einrichtung wahr. Dennoch bleiben die ehrenamtlichen Helfer mit den blauen Westen häufig im Verborgenen. Viele Reisende assoziieren Bahnhöfe vor allem mit Mobilität, Einzelhandel und Gas­tronomie. Doch auf den zweiten Blick wird deutlich, dass Bahnhöfe ein Spiegel der Gesellschaft mit allen Höhen und Tiefen sind. Denn Bahnhofsmissionen sind auch Anlaufstelle für psychisch auffällige, suchtmittelabhängige und wohnungslose Menschen.

Die Bahnhofsmission in Elmshorn befindet sich auf zehn Quadratmetern

Zum Tag der offenen Tür an diesem Sonnabend, 18. April, wollen die Bahnhofsmissionen diese eher unbekannte Seite der Bahnhöfe zeigen, nach dem Motto „Blickwechsel – Perspektiven auf den Bahnhof“. Auch in Elmshorn beteiligen sich die Mitarbeiter der Bahnhofsmission an der bundesweiten Aktion und laden dazu ein, in den kommenden Tagen einfach mal vorbeizuschauen und ins Gespräch zu kommen. Zudem zeigt eine kleine Fotoaus­stellung im Schaukasten neben dem Büro einen anderen Blick auf den Bahnhof. Ulrich Gunkel hat die Fotos gemacht. „Das war schon eine Herausforderung für mich, weil ich sonst eher Pflanzen und Insekten fotografiere“, sagt er.

Doch Wiebke Turkats Wunsch wollte er nicht abschlagen. Sie leitet das Team aus elf Ehrenamtlichen. Auch in Elmshorn sticht die Bahnhofsmission nicht sofort ins Auge. Ihr Raum ist lediglich rund zehn Quadratmeter groß und liegt im Erdgeschoss des Bahnhofs, gleich neben der Serviceschaltern der Deutschen Bahn und des Hamburger Verkehrsverbundes.

Lange Zeit waren die Helfer allerdings nur über eine Treppe erreichbar. Schon im Sinne der Inklusion war der Umzug in den neuen Raum im April 2013 ein wichtiger Schritt. So können auch Rollstuhlfahrer als Freiwillige beschäftigt werden.

Jüngster Zuwachs im Team der Bahnhofsmission: Seit dem 3. Februar gehört Denis Elias Baraka aus Tansania zum Team. Er absolviert sein Freiwilliges Soziales Jahr in Elmshorn, arbeitet vormittags in der Bahnhofsmission und nachmittags im Diakoniecafé Am Markt. „Er bringt mit seiner fröhlichen Art neues Leben in unsere Arbeit und natürlich auch Herausforderungen“, sagt Wiebke Turkat. „Zurzeit sind zum Beispiel noch unsere Englisch-Kenntnisse gefragt, aber sein Deutsch wird täglich besser.“

Monatlich nutzen rund 1000 Menschen das kostenlose Hilfsangebot

Der 24-Jährige lernt an der Volkshochschule die Sprache. Der Betriebswirt führt in seiner Heimat – er lebt am Fuße des Kilimandscharo – Touristen auf das höchste Bergmassiv Afrikas und organisiert Safaris. Während seines Freiwilligenjahres lebt er bei einer Gastfamilie in Klein Nordende und genießt das deutsche Essen, wie er sagt. Besonders die vielen verschiedenen Brotsorten hätten es ihm angetan.

Mit den anderem Ehrenamtlichen erteilt er nun Auskünfte und unterstützt bei Verständigungsschwierigkeiten, zum Beispiel wenn der Reisende gehörlos, blind, seh- oder sprachbehindert ist. Die Mitarbeiter begleiten Kranke oder Gehbehinderte beim Ein-, Aus- und Umsteigen. Die Bahnhofs­mission in Elmshorn verfügt über Rollstuhl und Hebebühne. Wenn das Fahren mit der Bahn allein gar nicht geht, begleiten die Mitarbeiter die Reisenden sogar im Zug – auch Kinder, die zum Beispiel aufgrund der Trennung ihrer Eltern häufig hin und her reisen.

Rund 1000 Menschen nehmen jeden Monat die kostenlosen Hilfsangebote der Elmshorner Bahnhofsmission in Anspruch. Dabei geht es auch um Auskünfte und kleine Hilfen, wie zum Beispiel Hilfestellung am Fahrkartenautomaten, das Tragen von Kinderwagen, Informationen zum Fahrplan oder Suchen von Übernachtungsmöglichkeiten, aber auch um helfende und seelsorgerische Gespräche.