Pinneberg

Sie lernen auf einer Dauerbaustelle

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Andreas Daebeler

Sanierung des Pinneberger Heuss-Gymnasiums gerät immer wieder ins Stocken. Schüler und Eltern planen Proteste

Pinneberg. Seit 2007 ist Matthias Beimel Direktor der Theodor-Heuss-Schule in Pinneberg. Seit 2007 hat er Bauarbeiter im Haus. Lärm und Staub sind für Schüler und Lehrer zu ständigen Begleitern geworden. Immer wieder kommt die Sanierung des Gymnasiums ins Stocken.

Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Leidenszeit erfahren derzeit einmal wieder einen Dämpfer – das Haushalts-Dilemma sorgt für Verunsicherung. Weil der Etat 2015 wegen zu hoch prognostizierter Einnahmen hinfällig ist, wird das Zahlenwerk im März erneut beraten. Ob in vollem Umfang an geplanten Investitionen festgehalten wird, ist zumindest fraglich. Ob und wann das Innenministerium dem Haushalt zustimmt, ebenfalls. „Ich weiß nicht, wie es weitergeht und keiner kann es mir derzeit sagen“, sagt Beimel. Die Situation an der Schule beschreibt er als „trostlos“. Der Frust sitze tief.

Die Geschichte der Modernisierung des Gymnasiums ist eine Pannen-Story. Aus bislang ungeklärter Ursache war die Sanierung der Fassade an der Datumer Chaussee 2012 unterbrochen worden. Zudem war die offene Außenhaut nicht ausreichend gegen Wettereinflüsse geschützt worden. Folge: Teile der Fassade müssen demontiert werden. Wie hoch der entstandene Schaden ist und wer die Verantwortung für den mutmaßlichen Baupfusch trägt, sollen Experten herausfinden. Bürgermeisterin Urte Steinberg hat Gutachter beauftragt. Sie will noch im Frühjahr Klarheit und hat angekündigt, vor internen Konsequenzen nicht zurückzuschrecken.

Eine Aufklärung, zu der Beimel durchaus etwas beizutragen hätte: „Ich habe Gesprächsprotokolle aus den vergangenen Jahren in der Schublade“, sagt er. Allerdings hätten sich die Gutachter bei ihm noch gar nicht gemeldet.

Der Rektor hat streitbare Eltern im Rücken. Ulrike Graefen und Frauke Runden koordinieren den Protest. Sie haben eine Allianz der Pinneberger Schulen initiiert, verlangen eine konsequente Umsetzung des Sanierungskonzepts von 2014, das Investitionen von rund 35 Millionen Euro vorsieht. Die Situation an der Theodor-Heuss-Schule ist für Graefen absolut inakzeptabel. Schließlich sorgten die immer wieder verschleppten Sanierungsarbeiten für erhebliche Belastungen. Beimel hat sogar Angst um seine Kollegen: „Ich erkenne Gefahren für die Gesundheit der Lehrer.“

Die seelische Belastung sei immens. „Der Schulträger geht pflichtwidrig mit seiner Verantwortung um“, so der Pädagoge. Zudem sei ein Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Gymnasien offensichtlich. „Eltern lassen sich von den baulichen Mängeln abschrecken.“ Zahlen scheinen das zu belegen: Besuchten 2007 noch 1060 Jungen und Mädchen die Schule, zählt die Einrichtung aktuell nur noch 850 Schüler. Die kommen fast alle aus der Kreisstadt, kaum aus dem Umland: „Das wird oft vergessen, bei uns geht Pinneberg zur Schule“, betont Beimel.

Eigentlich hatte sich die Stimmung an der Datumer Chaussee Ende 2014 verbessert, da mit der lange aufgeschobenen Sanierung des Innenhofs begonnen worden war. „Doch dieser Elan ist komplett verflogen“, sagt Beimel angesichts der erneuten Hängepartie. Für zusätzliche Aufregung sorgten am Gymnasium derzeit Überlegungen, aus Kostengründen die Zahl der Fenster zu reduzieren. Laut Graefen wurden bei Sanierungsmaßnahmen im Bereich der Außenfassade geltende Brandschutzbestimmungen nicht berücksichtigt.

Beimel bestätigt das Versagen der Planer: „Es muss teuer nachgebessert werden.“ Die Idee, aus Kostengründen Fenster zuzumauern statt feuerfestes Glas einzusetzen, lässt Graefen nur den Kopf schütteln. Schon jetzt sei die Dunkelheit in den Fluren ein Problem.

Das Thema Brandschutz ist an der Heuss-Schule ohnehin ein ganz heißes Eisen. Beimel beziffert den Sanierungsstau allein in diesem Bereich auf 1,8Millionen Euro. 600.000 Euro seien in den bisherigen Etat für 2015 eingeplant gewesen. „Es gibt kaum eine Tür im Haus, die den gesetzlichen Bestimmungen entspricht“, sagt der Schulleiter. Zudem belege ein Gutachten, dass viele elektrische Leitungen dringend ausgetauscht werden müssten.

Für Mittwoch, 18. Februar, plant die Schulallianz eine Protestkundgebung. Von 17 Uhr an werden Schüler, Eltern und Lehrer vor der Drostei erwartet. Für Pinnebergs Politiker bedeutet das ein Déjà-vu. Bereits im Februar 2014 hatten hunderte Protestler für eine konsequente Sanierung der Pinneberger Schulen demonstriert. „Die Empörung ist mittlerweile eindeutig größer“, sagt Elternvertreterin Runden.

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