Pinneberg
Glänzend im Geschäft

Pinneberger Firma hat die Lizenz zum Straßentest

Das Hansa-Nord-Labor ist in Deutschland führend beim Prüfen von Straßen, Brücken, Tunnel und Flughäfen

Bevor auf einer neuen Straße ein Auto fahren darf, müssen Experten wie die vom Pinneberger Unternehmen HNL, kurz für Hansa-Nord-Labor, ihren Segen geben. Die Ingenieur- und Prüfgesellschaft ist in Deutschland die größte ihrer Art, wenn es um die Verkehrstauglichkeit und Weiterentwicklung von Straßen und Asphalt geht. „Wir sind eine Art TÜV des öffentlichen Bauens“, erklärt Manfred Hase. „Wir prüfen alles, worauf ein Auto fahren kann.“ Straßen, Brücken und auch Tunnel.

Zurzeit arbeiten 60 Menschen für das HNL, 40 davon in Pinneberg. Der Rest verteilt sich auf drei Standorte, die in den vergangenen Jahren entstanden sind. Seit 2012 gibt es ein Büro in der Nähe des Frankfurter Flughafens, 2013 kamen Labore in Wuppertal und Ende 2014 in Aschaffenburg hinzu. Seitdem nutzt die Firma offiziell ihre Initialen HNL als Name. Hase begründet das damit, dass die Gesellschaft von ihren Kunden schon länger abgekürzt wurde. „Außerdem schreckt das ‚Nord‘ süddeutsche Kunden ab“, sagt er. „Sie denken dann, dass wir die Proben ganz nach Pinneberg und nicht in eines der beiden näheren Labore schicken.“

2014 machte die Prüfgesellschaft etwa fünf Millionen Euro Umsatz. „Ich hoffe, dass dieser mit den beiden neuen Laboren weiter wächst. Etwa 3,5Millionen Euro Umsatz pro Jahr traue ich jedem Labor schon zu“, so Hase. Er schätzt, dass es in den Flächenländern bis zu zehn ähnliche Einrichtungen gibt; allerdings keine, die so viele Leistungen anbietet wie das HNL.

Die Kunden sind meist öffentliche Stellen wie Stadt- und Gemeindeverwaltungen, Straßenbauämter sowie Ministerien. Sie greifen auf das HNL zu, damit es die „Gebrauchstauglichkeit“ einer sanierten oder neu gebauten Straße überprüft und ob sie wie vereinbart gebaut wurde. Ist alles ordnungsgemäß, wird ein Prüfungszeugnis ausgestellt. Bei Brücken und Tunneln kontrolliert die Firma zudem die Konstruktion. Fürs Prüfen bedarf es einer Zulassung, für die das HNL unter anderem seine Unabhängigkeit nachweisen muss.

Bei einer Prüfung zerlegen die Baustoffprüfer Kernbohrproben der Straße in ihre Einzelteile. Sie schauen, ob das richtige Gestein oder das Bindemittel Bitumen, ein Abfallprodukt der Erdölraffinerien, benutzt wurde. Dabei achten die Baustoffprüfer besonders auf die richtige Zusammensetzung, die Körnung der Steine und inwieweit der Straßenbelag verformungs- und ermüdungsbeständig, kälteflexibel sowie bei Nässe richtig griffig ist. Betonstraßen untersucht das HNL ebenfalls, genau wie es Böden vor einem Straßenbau auf deren Tauglichkeit kontrolliert.

Bei der Gründung des HNL, 1964 als Nord-Labor, waren die Prüfungen noch das Kerngeschäft. Mit der Zeit kamen weitere Geschäftszweige wie Forschung hinzu. Die Auftraggeber sind meist Industrieunternehmen oder Ministerien, wie das Bundesverkehrsministerium. Das lasse beispielsweise Flüsterasphalt erforschen, um Verkehrslärm zu reduzieren.

„Seit Dezember untersuchen wir, wie die Alterung von Asphalt simuliert werden kann. Dann können wir Prognosen zur Lebensdauer von Straßen erstellen und deren Verlängerung erforschen“, so Hase. In einem anderen Projekt prüft das HNL Baustoffe eines indischen Herstellers, der seine Produkte auf den deutschen Markt bringen will, dafür allerdings eine Zulassung braucht. Die kann das Labor erteilen. Dabei muss es genau auf Tragfähigkeit der Baustoffe achten und ob sie ausreichend witterungsbeständig sind.

Zum Patent angemeldet haben Hase und seine Ingenieure einen Asphalt, der besonders schnell abkühlt und Bauzeiten erheblich reduziert. Üblicher Asphalt könne, so Hase, Tage zum Auskühlen brauchen. Der HAKO-Asphalt teilweise keine zwei Stunden. Bei der jüngsten Sanierung des Autobahnanschlusses Halstenbek/Rellingen setzten die Bauarbeiter diesen ein.

Beratung ist der dritte Geschäftszweig: Die Ingenieure treten zum Beispiel bei den Flughäfen Hamburg und Frankfurt als Gutachter für Start-, Lande- und Rollbahnen auf. Außerdem beraten sie Baufirmen und Straßenbauverwaltungen, wenn unklar ist, ob die Sanierung oder der Neubau einer Straße besser ist. Die Aufträge fielen dabei nicht so einfach auf den Tisch, sagt Hase. Gerade Flughäfen verlangten Fachwissen. Und wichtig sei: „Die Kunden müssen einem vertrauen.“