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Elmshorn

Diakonie startet Winternotprogramm

In Elmshorn finden Menschen ohne feste Bleibe in den kommenden Monaten Schutz vor dem Frost. Dafür sind neun Ehrenamtliche im Einsatz

Elmshorn. Mit Beginn der kalten Jahreszeit hat die Diakonie in Schleswig-Holstein das Winternotprogramm für Menschen ohne Wohnung gestartet. Auch die Diakonie Rantzau-Münsterdorf in Elmshorn öffnet vom kommenden Montag an Wohnungslosen täglich ihr Winternotquartier an der Gärtnerstraße. Durchreisende Menschen, die auf der Straße leben, finden hier einen warmen Schlafplatz und Hilfe bei der Suche nach einer dauerhaften Bleibe.

Die vergangenen Jahre haben ihre Spuren hinterlassen. „Die Leute gehen nicht immer sorgfältig mit dem Inventar um“, sagt Anja Naroska, Leiterin der Sozialberatung. Hinzu kommt, dass nach dem Großbrand in einem Hochhaus an der Beethovenstraße die Notunterkunft auch über den Sommer belegt war. „Die humanitäre Hilfe in einer Notsituation war selbstverständlich“, sagt Naroska. Nun mangelt es an der Ausstattung. „Wir brauchen zum Beispiel noch Pfannenwender, Bratpfannen, Kochtöpfe und Wasserkocher. Instantbrühe, Tee und Putzmittel sind eine gute Hilfe.“ Auch der Bedarf an Bettgestellen, Matratzen und waschbaren Decken sei groß. Letztere müssten regelmäßig ausgetauscht werden.

Fünf Betten stehen bereit, zwei davon im Frauenzimmer, zu dem ein separates Badezimmer gehört. Das Herrenzimmer gegenüber ist mit drei Schlafplätzen ausgestattet. Die kleine Küche, in der auch eine Waschmaschine steht, wird gemeinsam genutzt. Ehrenamtliches Engagement ist willkommen. „Wir freuen uns jederzeit über neue Gesichter und Unterstützung“, sagt Anja Naroska.

Derzeit sorgen neun Ehrenamtliche dafür, dass die Notunterkunft jeden Abend um 18 Uhr aufgeschlossen und morgens um 9 Uhr wieder abgeschlossen wird. Die Dienste sind bereits eingeteilt. Jeweils zwei Ehrenamtliche übernehmen eine Wochenschicht. „Zu zweit, weil das sicherer ist“, sagt die Leiterin. Manchmal gerieten die Helfer dennoch an ihre Grenzen. Ein Beispiel dafür sei das Verhalten eines schizophrenen Bewohners, der in einem Moment ruhig, in einem anderen aggressiv war. Aber das sei eine Ausnahme gewesen, meint Naroska. Die meisten seien dankbar für die Hilfe.

Im vergangenen Winter fanden sieben Durchreisende in der kirchlichen Einrichtung in Elmshorn Schutz vor der Kälte. Insgesamt gab es 193 Übernachtungen. „Es geht darum, ihnen einen warmen Schlafplatz zu bieten. Tagsüber sollen sie ihre Angelegenheiten bei den Ämtern erledigen und sich um eine feste Bleibe bemühen“, sagt Anja Naroska. Im Diakoniecafé an der Sankt-Nikolai-Kirche am Alten Markt können sie sich tagsüber bei einer Tasse Kaffee aufwärmen. Während sich die Diakonie um Durchreisende kümmert, werden Wohnungslose von ihren Kommunen betreut.

Landesweit gibt es rund 100 Obdachlose, die täglich draußen übernachten, und einige Hundert Menschen, die in festen Notunterkünften betreut werden. Doch die verdeckte und öffentlich nicht sichtbare Wohnungslosigkeit ist laut Diakonie alarmierend hoch. Sie schätzt die Zahl der Menschen ohne Mietvertrag und Wohnung in Schleswig-Holstein auf über 10.000. Sie schlagen sich mit wechselnden Übernachtungen bei Bekannten und Verwandten durch oder suchen zeitweise die Notunterkünfte auf. Hinzu kommen sozial schwache Menschen, die akut von Räumungsklagen bedroht sind.