Pinneberg
Glänzend im Geschäft

Im Steilflug nach oben

Das international agierende Unternehmen Horizon Hobby hat seine Europa-Zentrale samt Vertriebszentrum in Elmshorn

Elmshorn. Alles begann in einer Garage in Klein Nordende. Jörg Schamuhn und seine Frau Birgit hatten für 5000 Euro Akkus aus China importiert und verkauften sie weiter. „Es lief erstaunlich gut“, sagt Jörg Schamuhn, Vizepräsident der Europazentrale des weltweit operierenden Modellbau-Konzerns Horizon Hobby. So gut, dass das Ehepaar im Jahr 2000 eine Firma in Tschechien aufkaufte, die Modellflugzeuge baute. „Über Nacht wurden wir damit zum größten Hersteller von ferngesteuerten Flugzeugen.“ Ihre Firma, die unter dem Namen JSB gegründet wurde, vergrößerte sich ständig. Den Handel mit Akkus gaben sie auf.

2004 folgte der Umzug von Klein Nordende nach Elmshorn an die Hamburger Straße. „Es wurde irgendwann peinlich, wenn die Lkw durchs Dorf rauschten und vor unserer Garage hielten“, sagt der 55-Jährige. Nicht nur die Nachbarn schauten verwundert, sondern auch die Fahrer, die Waren nach Spanien, in die Schweiz oder sonst wohin bringen sollten. Im gleichen Jahr sicherte sich das Ehepaar die Vertriebsrechte für Horizon Hobby, die damals schon zu den zwei führenden US-Großhändlern im Modellsport zählten.

„Die ersten Jahre hatten wir zu kämpfen“, sagt der Unternehmer. Dann kam der Durchbruch: Von 2007 an explodierten die Geschäfte. „Von Januar 2007 bis Oktober 2013 konnten wir jeden Monat unseren Umsatz verdoppelt“, sagt Schamuhn. „Es herrschte Goldgräberstimmung.“ Bald wurden auch die Räume an der Hamburger Straße zu klein. Vom Unternehmen Semmelhaack ließen sich Schamuhns ein neues Vertriebs- und Logistikzentrum bauen. 2011 bezogen sie das Gebäude an der Christian-Junge-Straße mit der 8000 Quadratmeter großen Nutzfläche.

Auf der anderen Seite des Atlantiks blickte die amerikanische Horizon-Gruppe mit großem Interesse auf den europäischen Markt. Die Verantwortlichen sahen das Potential in Europa und beschlossen zu expandieren. „Unser Distributionsvertrag mit Horizon Hobby stand kurz vor dem Aus. Wir machten zu dem Zeitpunkt 90 Prozent unseres Umsatzes mit ihnen“, sagt der vierfache Vater. Schnell war klar, die Amerikaner würden das Geschäft mit oder ohne die Schamuhns machen. Dann lieber mit, dachten die sich und unterschrieben im September 2008 den Übernahmevertrag.

Das Ehepaar Schamuhn hatte sich in Europa beim Vertrieb diverser Marken und in der Produktion eigener Modelle eine starke Stellung erkämpft. Und auch bei den Verhandlungen mit dem US-Unternehmen bewiesen sie Geschick. Horizon Hobby übernahm alle Mitarbeiter in Elmshorn und platzierte deren Gründer auf Schlüssel-Positionen. Während Jörg Schamuhn für das weltweite Marketing des Gesamtunternehmens zuständig wurde, leitete seine Frau Birgit zunächst die neue Europazentrale in Elmshorn. „Dreieinhalb Jahre lang pendelte ich zwischen den USA und Elmshorn“, sagt er. 52 Atlantiküberquerungen im Jahr. Dann wollte Horizon Hobby das Marketing in Europa ausbauen. Schamuhn übernimmt die strategische Marketingleitung.

Heute werden pro Tag zwischen 500 und 1500 Sendungen für Händler aus Europa in Elmshorn auf die Reise geschickt. Horrizon Hobby ist damit in Europa der größte Händler für ferngesteuerte Modellbau-Artikel und Ersatzteile. 50 Mitarbeiter arbeiten hier. Im Marketing- und Vertriebsbüro in Paris gibt es neun weitere Mitarbeiter, im Lagerbetrieb in England noch einmal 21. Geleitet wird alles von Elmshorn aus. Die Europazentrale hat zudem einen Showroom, in dem die Produkte auch zum Verkauf stehen und ein Servicezentrum. Darüber hinaus hat Horizon Hobby Standorte in China und Taiwan. Insgesamt 670 Mitarbeiter gehören zur weltweit agierenden Horizon-Gruppe, die über Umsatzhöhen nicht spricht. Nur so viel: Es geht um mehrere Hundert Millionen US-Dollar jährlich. Möchte man den Erfolg der Schamuhns benennen, könnte man es wohl so ausdrücken: In elf Jahren von der Garagenfirma zum europäischen Marktführer.

„Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der konsequenten Entwicklung von Eigenmarken und eigenen Produkten“, sagt Schamuhn. 110 Angestellte arbeiten im Bereich der Produktentwicklung. Die Palette reicht von ferngesteuerten Artikeln aller Arten – Booten, Autos, Flugzeugen und Hubschraubern – bis hin zum umfangreichen Ersatzteilsortiment. Die 11.500 verschiedenen Artikel werden über ein großes Händlernetz europaweit vertrieben.

Jüngster Coup: Die Übernahme des deutschen Marktführers des Modellbau-Facheinzelhandels Gustav Staufenbiel aus Barsbüttel. „Durch den direkten Kontakt zum Endkunden können wir noch schneller auf Kundenwünsche eingehen und schneller auf den Markt reagieren“, sagt Schamuhn. Der Standort in Barsbüttel soll erhalten bleiben und weiterhin unabhängig arbeiten. Alle Mitarbeiter werden übernommen. „Unser Ziel ist es, unter der Marke Staufenbiel in Europa Frontlinestores zu eröffnen“, sagt Schamuhn. Der erste Laden entsteht 2017 in Polen.