Pinneberg
Kultur

Uetersener stellt in Miami und Los Angeles aus – und jetzt in Elmshorn

Mit Martin Hoener zeigt ein junger Maler in Elmshorn seine Arbeiten, der sein Handwerk in der exklusiven Franfurter Städelschule gerlernt hat und bereits international unterwegs ist.

Elmshorn/Uetersen. Dunkles Anthrazit. Weiß mit einem leichten Gelbstich. Kitt. Bleigrau. Ebenmäßig wie die Abteilungen eines Regals reiht sich in Martin Hoeners Bild „Großes Fachwerk“ Quadrat an Quadrat. Dutzendfach variiert der 1976 in Wedel geborene und in Uetersen aufgewachsene Maler auf einer Fläche von 1,80 mal 1,40 Metern die Farbe Grau in diesen ebenmäßigen Grundformen.

Graue Quadrate, Rechtecke – und das soll Kunst sein? Typisch für einen Maler, der es nicht nur geschafft hat, in den elitären Zirkel der 140 Studenten der Frankfurter Städelschule überhaupt aufgenommen zu werden, sondern diese kleinste deutsche Kunsthochschule 2007 sogar mit dem Absolventenpreis verließ und seitdem erfolgreich in Berlin, Miami und Los Angeles ausstellt?

Der Pfiff und gleichzeitig die künstlerische Aussage von Arbeiten wie „Großes Fachwerk“ erschließt sich erst bei näherem Hinsehen. Denn auf dieser Leinwand bildet Hoener nicht etwa die Abwesenheit von Farbe ab. Im Gegenteil: Bunter könnte es gar nicht kommen. „Ich wollte die Summe aller Farben finden“, sagt der schlaksige Kreativkopf. So goss er alle Ölfarben, die er gerade zur Hand hatte, in ein Gurkenglas, schüttelte kräftig und pinselte den entstandenen Farbbrei in unterschiedlichen Verdünnungen auf die Leinwand. „Unter dem Mikroskop könnte man vielleicht die einzelnen Farbpigmente wieder sichtbar machen“, sagt Hoener. Und er spinnt den Gedanken weiter: Am Rechner ließen sich aus diesen Vergrößerungen wieder ganz neue, vielfarbige Formen entwickeln.

Seinen speziellen Kunstbegriff hat er mit mitreißender Freude umgesetzt

Das „Große Fachwerk“ ist Teil der Ausstellung „The Brick Trick“ im Elmshorner Torhaus, mit der Martin Hoener sich als Maler vom Sonntag, 15. Juni, an in seiner neuen, alten Heimat, dem Kreis Pinneberg, präsentiert. Es zeigt viele Facetten, die typisch sind für die Bilder, Collagen und Rauminstallationen Martin Hoeners. Da ist das doppelbödige Spiel mit Farben und abstrakten Formen, der Blick auf Rück- und Abseitiges, ein hohes Maß an kunstgeschichtlicher Intellektualität, die sich mit einer mitreißenden Freude am Ausprobieren paart und dabei jede Menge Witz freisetzt. Gleichzeitig illustriert es einen Teil seines persönlichen Kunstbegriffs: „Ich gucke mir Dinge und Zeitphänomene an und drehe sie ein kleines Stück, um zu sehen, wie sie von einem anderen Blickwinkel aussehen und was sich dann mit ihnen anfangen lässt.“

Charakteristisch ist zum anderen auch das Material. Hoener bevorzugt Ölfarbe. „Sie ist die brillanteste Farbe. Es gibt nichts Besseres, und sie hält ewig.“ Er schätze es auch, dass Ölfarbe vergleichsweise langsam trocknet. „Ich finde es gut, wenn Sachen auch mal länger dauern. Das ist wie eine Bremse in der ganzen Schnelllebigkeit.“ Die hat er hautnah kennengelernt auf seinem Weg in die Hot Spots der internationalen Kunstszene. 1996 Abitur am Ludwig-Meyn-Gymnasium im heimatlichen Uetersen, dann das Studium der Freien Kunst an der Kieler Muthesius-Hochschule, parallel der Einstieg zunächst als Gaststudent in Frankfurt, Stipendium der Dresdner Bank, Ausstellungen in Berlin, Miami, Los Angeles. „Da ist so wahnsinnig viel los, man ist dauernd unterwegs, guckt sich vieles an.“

Vor allem mit dem Wechsel aus dem vergleichsweise beschaulichen Kiel an die Frankfurter Städelschule nahm seine Karriere Fahrt auf: „Man hat dort Kontakt zu namhaften Künstlern, kommt stärker in den Apparat rein.“ Schließlich unterrichten an der Städelschule durchweg Professoren wie etwa documenta-Teilnehmer Thomas Bayrle, die sich auf dem internationalen Kunstmarkt etabliert haben. „Es weht ein rauerer, aber auch intensiverer Wind zwischen Studenten und Professoren, man lernt, mit Kritik umzugehen und diese produktiv zu nutzen.“ Hoener, der schon als Kind Maler werden wollte, nahm es sportlich, ließ sich inspirieren und nutzte den Impuls.

Martin Hoener nennt sein Elmshorner Atelier liebevoll „Weltraumkapsel“

Von diesem Markt ist er in seinem 80 Quadratmeter großen Atelier im Lagerraum einer ehemaligen Elmshorner Baumschule, die er angesichts der unter dem Dach gespannten silbrigen Isolierbahnen liebevoll „Weltraumkapsel“ nennt, fast Lichtjahre entfernt. „Es ist auch mal ganz gut, wenn man seine Ruhe hat“, sagt Hoener. Seine Skizzenbücher quellen über von den Notizen der vergangenen Jahre. Jetzt sei die Zeit, das mal umzusetzen, ohne von einer Vernissage zur nächsten zu hetzen. Inspiration und Kontakte holt er sich in der Hamburger Kunstszene. Seine Ausstellung im Elmshorner Torhaus ist auch ein Bekenntnis zu seiner Wahlheimat abseits der großen Kunstbrennpunkte. Mit seiner Familie lebt er mittlerweile in Raa-Besenbek bei Elmshorn.

„Wir sind ja gekommen, um zu bleiben. Da ist es ganz gut, wenn die Leute mich als Künstler wahrnehmen.“ So wird er dort auch eine nagelneue Installation zeigen, die sich direkt auf Elmshorn bezieht und die seiner Schau ihren Namen, „The Brick Trick“ (etwa: Der Ziegeltrick), gibt. Aus alten Ziegelsteinen, die er bei Ebbe vom Grund der Krückau gefischt hat, mauert er ein Objekt, das eigentlich eher ein Bild ist.

Die Ausstellung wird am Sonntag, 15. Juni, um

11 Uhr im Torhaus am Probstendamm eröffnet. Die Kunstwerke werden bis einschließlich 6. Juli dienstags bis freitags von 10 bis 12 und von 16 bis 18 Uhr sowie sonnabends und sonntags jeweils von 11 bis 13 Uhr zu sehen sein. Der Eintritt ist frei.