Pinneberg
Kunst

Geschenkt ist noch zu teuer: Uetersen will Kunstwerke ablehnen

Der Elmshorner Bildhauer Reimer Thode will Uetersen Skulpturen schenken. Die kann den 1500 Euro teuren Aufbau aber nicht finanzieren. Nun sollen die Uetersener Rosenfreunde das Geld auftreiben.

Uetersen. Ein altes Sprichwort besagt: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Man nimmt ihn einfach als Geschenk an und gut ist es. Nicht aber in Uetersen. Dort spielt sich gerade ein Kuriosum ab. Der Elmshorner Bildhauer Reimer Thode will der Stadt Skulpturen schenken. Doch die will die womöglich gar nicht haben.

Thode hat bereits anderen Städten Skulpturen vermacht. In der Stadt Elmshorn stehen beispielsweise im Skulpturengarten Werke des Künstlers. Bei den beiden Skulpturen, die er der Stadt Uetersen vermachen will, handelt es sich um abstrakte Werke aus Granit und Edelstahl. Jede der Skulpturen ist auf Rohren befestigt und jeweils 2,6 Meter hoch. Dem Bildhauer schwebt vor, die Skulpturen am Rosarium aufstellen zu lassen, wo sie als Blickfang und als kulturelle Bereicherung dienen sollen.

Die Stadtverwaltung hat aber Bedenken, das Geschenk anzunehmen. Denn für den Aufbau müsste sie zwei frostsichere Fundamente schaffen. Die Kosten dafür sind überschaubar, jeweils 750 Euro wären fällig, insgesamt also 1500 Euro. Rein theoretisch stellt dies die Stadt nicht vor Herausforderungen. Diesmal aber schon, denn die Stadt hat kein Geld, um die Fundamente zu finanzieren. Die Stadtverwaltung hat daher der Politik, die über die Annahme des Geschenkes entscheiden muss, empfohlen, das Geschenk abzulehnen.

Weil die Stadt nach wie vor unter dem finanziellen Rettungsschirm des Landes steht, muss sie für jede zusätzliche, freiwillige Ausgabe, die sie tätigen will, an anderer Stelle im Haushalt Geld einsparen. Dies, weil das Land lediglich die Pflichtausgaben der Stadt finanziell mit trägt. Das Aufstellen der Skulpturen wäre demnach ein Luxus, den sich die Stadt leiste und der daher auch aus eigenen Kräften finanziert werden müsste. Dass Geld an anderer Stelle eingespart werden könnte, sieht die Stadtverwaltung nicht. Grundsätzlich bestünden keine Bedenken gegen die Schenkung, sie sei angesichts der komplizierten Lage der Stadt aus Kostengründen abzulehnen.

Das wollen Uetersens Politiker aber nun erst einmal verhindern, denn für einige Ratsmitglieder wäre recht peinlich, wenn die Stadt ein Geschenk zurückweisen müsste. SPD-Ratsherr Dieter Schipler hat daher im Sozialausschuss angeregt, vorerst noch nichts zu entscheiden und eine alternative Finanzierung zu prüfen. „Wir sollten die Rosenfreunde mit einbinden“, meint Schipler. Die würden sich ohnehin um das Rosarium mit kümmern und könnten eventuell weiterhelfen, wenn nicht gar den Sockelbau finanzieren. „Eine Entscheidung zu fällen, wäre zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht. Ich sehe uns derzeit ehrlich gesagt nicht in der Lage, für oder gegen die Annahme des Geschenkes zu stimmen“, so Schipler im Sozialausschuss.

Auch Bernd Möbius von den Grünen würde eine Finanzierung durch Spender begrüßen. „Wir wollen die Skulpturen durchaus haben, aber wenn, dann muss es über Spenden finanziert werden. Anders geht es wegen der städtischen Finanzen einfach nicht“, urteilt Möbius.

Gewisse Bedenken haben noch die CDU und die BfB. Für CDU-Ratsherr Björn Schreiber ist nicht klar ersichtlich, welchen Zusammenhang es zwischen den abstrakten Skulpturen und dem Rosarium gibt. „Das müsste man mir erstmal erklären“, so der Christdemokrat. Sabine Görs von der BfB sieht die Gefahr, dass Neidgefühle entstehen könnten, wenn Uetersen die Schenkung annimmt. „Wenn das so weitergeht, dann könnten einige eventuell Fragen, warum wird gerade diese Skulptur angenommen, mein Kunstwerk aber nicht?“, glaubt Görs, die befürchtet, dass Uetersen einen Künstler-Ansturm bei einer Spenden-Annahme erleben könnte.

SPD-Fraktionschef Ingo Struve teilt diese Befürchtungen nicht. „Wenn ich mich recht entsinne, haben wir erst eine einzige Skulptur beim Rosarium stehen, die wir auch geschenkt bekommen haben. Ich glaube daher nicht, dass wir bei einer Annahme des Geschenks künftig von Künstlern überrannt werden“, urteilt Struve. Vielmehr solle geschaut werden, ob es einen Spender und einen sinnvollen Platz für die Skulptur gebe, denn die Skulptur könne durchaus eine Bereicherung für die Stadt sein.

Die Politik hat das Thema an die Verwaltung zurückverwiesen, die soll nun mit den Rosenfreunden Kontakt aufnehmen und schauen, ob die Skulpturenaufstellung nicht doch finanziert werden könnte. Die Ergebnisse sollen auf der kommenden Sitzung des Sozialausschusses beraten werden.