Pinneberg
Kommentar

Zustimmen, wer es ernst meint

Es ist schon ein Armutszeugnis für den bevölkerungsreichsten Kreis des Landes, bei der Wahrnehmung der Interessen behinderter Menschen landesweit Schlusslicht zu sein.

Da haben die Vertreter betroffener Einrichtungen vollkommen recht, die gestern dem Kreispräsidenten 800 Unterschriften übergaben, die allesamt die Schaffung eines Behindertenbeauftragten auf Kreisebene fordern.

Da reicht es nicht aus, behinderte Menschen in den eigenen Reihen zu haben, wie CDU-Fraktionschefin Heike Beukelmann sagte. Das sensibilisiert sicherlich andere, die kein körperliches oder geistiges Handicap haben, für ein Mitfühlen der Probleme behinderter Mitmenschen. Doch es ersetzt keinesfalls eine unabhängige Stelle, die auf die Einhaltung der Rechte, Interessen und Schutzfunktionen dieser Menschen gegenüber der Kreisverwaltung und Kreispolitik pochen kann. Zumal es vielen Betroffenen wegen ihrer Behinderung schwerfällt, auf sich und ihre Probleme aufmerksam zu machen.

Der Einwand der CDU, sie hätte noch Beratungsbedarf, ist nicht nachzuvollziehen. Wenn sie es denn ernst meint, dass ihr die Belange von Behinderten wichtig sind, müsste sie dem Antrag von SPD und Grünen im Kreistag ohne weiteres zustimmen können. Denn der besagt nur, dass eine solche Stelle zum Jahr 2015 geschaffen werden soll, deren Aufgaben vom Kreistag im Herbst nach detaillierter Aussprache festgelegt werden.