Pinneberg

Seit 700 Jahren ist Wedels Kirche im Dorf

Mit Mitmachaktionen, Infobroschüren und einer Festwoche zelebrieren die Kirchengemeinden das runde Jubiläum

In diesem Fall ist die Stadt der Kirche zwei Jahre voraus. 2012 feierte Wedel bereits groß den 700.Geburtstag der Stadt. Jetzt folgen die Kirchengemeinden. Denn von deren Existenz ist erst in Urkunden im April 1314 die Rede. Danach schweigen die geschichtlichen Quellen sehr lange über das geistliche Leben in Wedel.

Schweigsam soll das Jubiläumsjahr allerdings nicht verstreichen. Deshalb haben sich alle Wedeler Kirchengemeinden – ob katholisch, evangelisch und freikirchlich – zusammengetan und ein aufwendiges Programm auf die Beine gestellt. Im Mittelpunkt steht die Festwoche zum 700-jährigen Bestehen des Wedeler Kirchspiels zu Pfingsten.

Von Sonnabend, 31. Mai, bis Montag, 9. Juni, sollen verschiedene Veranstaltungen alte und neue Kirchgänger in die Häuser der fünf beteiligten christlichen Gemeinden locken. Dafür haben sich die Organisatoren einiges einfallen lassen. Unter anderem ist für Sonntag, 1. Juni, ein Umzug der besonderen Art geplant. Um die Verbindungen zwischen Holm, Schulau und Altwedel zu verdeutlichen, begeben sich die Teilnehmer auf alte Pfade. Wer mitmachen möchte, sollte sich in den jeweiligen Kirchengemeinden anmelden.

Der Sternmarsch führt über den alten Kirchweg, an den heute noch der Straßenname Kirchstieg in Wedel erinnert. Die Pilger stärken sich jeweils um 8.30 Uhr in den Gemeindezentren in Holm und Schulau. Von dort aus wandern sie dann die Strecke entlang, die früher die Gläubigen auf sich nehmen mussten, um dem Gottesdienst in der damals einzigen Kirche am Roland beizuwohnen. Heute gibt es sowohl in Holm als auch in Schulau eigene Gemeindezentren, und die Kirche am Roland heißt jetzt offiziell Immanuelkirche. In der wird am 1. Juni anlässlich der Feierlichkeiten die Bischöfin Kirsten Fehrs von 11 Uhr an den Gottesdienst leiten. „Wir wollten durch den Sternenmarsch die alten Verbindungen wieder sichtbar machen“, erklärt Susanne Huchzermeier-Bock, Pastorin der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Wedel die Idee.

Sie gehört zusammen mit Pastor Udo Zingelmann, Kirchenvorsteherin Carmen Kohn aus Schulau, Pastorin Susanne Schmidtpott aus Holm und Kirchenvorsteherin Antje Garleff aus Wedel zum Organisations-Team. Das hat außer den zahlreichen Ausstellungen, Konzerten, historischen Vorträgen, dem Pilger-Marsch sowie einem Tauffest an der Au auch Mitmachaktionen ins Leben gerufen sowie eine Informationsbroschüre auf den Weg gebracht.

Das druckfrische Werk umfasst 52 Seiten und beschreibt die turbulente Geschichte der Kirche. Unter anderem geht es um Alkohol, Ochsen und einen Angriff auf das Pastorat. Zudem widmet sich die Broschüre einer prägenden Wedeler Persönlichkeit, dem Pastor Johann Rist und seiner vermutlich letzten Ruhestätte. Zudem gruben die Autoren auch etwas aus, das Pastorin Huchzermeier-Bock noch ganz neu war: Von 1733 bis 1768 existierte direkt an der Elbe auf dem Schanzensand eine Kirche. Ein Modell der Garnisonskirche auf der Hetlinger Schanze hat der Heimatforscher Jonny Wrage eigens nachbebaut. Es wird während der Festwoche in der Ausstellung „700 Jahre Kirchspiel“ in der Risthütte an der Küsterstraße zu sehen sein.

2000 Exemplare der Infobroschüre soll es geben, die an Interessierte in den Gemeinden ausgeben werden. Außer den geschichtlichen Exkursionen über die Rolle der Kirche während der NS-Zeit oder die Bedeutung der kirchlichen Musik wird auch versucht, während der Festwoche und in der Festschrift den Blick auf das trotz sinkender Mitgliederzahlen sehr vielfältige Gemeindeleben zu lenken.

Weil jeder die Kirche anders sieht, bitten die Gemeinden ihnen davon Bilder zu schicken. Unter dem Motto „Setzen Sie ihr Kirchspiel in Szene“ sollen die besten in einem Kalender 2015 gezeigt werden. Zudem werden derzeit Wimpel unter die Leute gebracht, die bemalt werden können und die Stadt während der Festwoche zieren sollen.