Pinneberg
Brande-Hörnerkirchen

Polizist Klaus Dibbern reitet in den Ruhestand

Der Dorfsheriff von Brande-Hörnerkirchen geht – und freut sich über seinen Nachfolger

Brande-Hörnerkirchen. Seinen letzten Arbeitstag nach 43 Dienstjahren verbrachte Klaus Dibbern hoch zu Ross. Und beinahe hätte der letzte Arbeitstag des Dorfpolizisten von Brande-Hörnerkirchen auch das Ende für die Ein-Mann-Station bedeutet. Doch eine Schließung des nördlichsten Polizeiaußenpostens des Kreises Pinneberg ist inzwischen vom Tisch – und so konnte Dibbern am Freitag seine Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger Thork Jewan, 47, übergeben.

Dass der Kommissar sich bei einem Ausritt durch Brande-Hörnerkirchen verabschieden durfte, hat natürlich seine Gründe: Klaus Dibbern verbrachte fast die Hälfte seiner Dienstjahre auf dem Pferderücken. Von 1978 bis zur Auflösung der Einheit 1995 war er Ausbilder für Mensch und Tier bei der Reiterstaffel Lübeck. „Jeden Tag bin ich 75 Kilometer von Elmshorn nach Lübeck gefahren und abends wieder zurück“, erinnert sich der 60-Jährige. Diese Aufgabe sei ihm als Pferdenarr quasi auf den Leib geschneidert gewesen. Bei seinem Ausritt als letzte Amtshandlung wurde Dibbern nun von Jörg Wischnewski begleitet, mit dem er viele Jahre bei der Reiterstaffel zusammengearbeitet hatte.

Nach dem Aus für die Reiterstaffel ließ sich der Pferdenarr, der Mitbesitzer des Reiterhofes Dose-Dibbern ist, in seine Heimatstadt Elmshorn versetzen. Zum dortigen Revier gehört die Station in Barmstedt und eben auch der Außenposten in Brande-Hörnerkirchen. Nach dem Dibbern diverse Male die Urlaubsvertretung für Brande-Hörnerkirchens „Dorfsheriff“ Reinhard Mohrdieck machte, ging der 2010 in Pension. „Damals war nicht klar, ob die Station dauerhaft erhalten bleibt. Deswegen bin ich kurz vor meiner Pensionierung dort hingekommen.“

Dibbern betont, sich als Ein-Mann-Posten immer wohl gefühlt zu haben. „Hier fallen die Ermittlungen einfacher als in der Stadt, weil sich eigentlich immer etwas unter den Leuten herumspricht.“ Auf dem Land sei der Schutzmann immer noch eine Respektsperson und eine bekannte Persönlichkeit, nicht ein anonymer Polizist unter vielen. „Und zu tun gibt es hier immer eine Menge, über Langeweile konnte ich mich nie beklagen.“ Und Dibbern sagt weiter: „Ich freue mich sehr, dass es einen Nachfolger gibt, dass die Arbeit hier vor Ort weiter geht.“

In seiner Freizeit wird sich der 60-Jährige nun in die Arbeit auf seinem Reiterhof stürzen und auch sonst seiner Leidenschaft treu bleiben. „Ich engagiere mich weiterhin ehrenamtlich, bin weiterhin Vorsitzender vom Kreisreiterbund Pinneberg.“

Offiziell ab dem 1. Mai wird Thork Jewan den Job als Dorfpolizist übernehmen. „Ich bin ein Dorfkind und freue mich auf die neue Aufgabe“, sagt der 47-Jährige, der in einem kleinen Ort in der Nähe von Itzehoe wohnt und verheiratet ist. Seit 25 Jahren ist er im Elmshorner Revier tätig und wird künftig neben Brande-Hörnerkirchen auch für Bokel, Westerhorn und Osterhorn zuständig sein. „Von der Fläche her bin ich für ein Viertel des Revierbereichs verantwortlich“, so Jewan. Ihn reizt an dem Job das Einzelkämpfer-Dasein. „In Elmshorn haben wir für alles Spezialisten, dort bin ich nur zu einem kleinen Teil an den Fällen beteiligt. Hier bleibt der Fall von A bis Z in meiner Hand.“

Eine glückliche Hand für seine neue Aufgabe wünschten Jewan Elmshorns Revierleiter Carsten Rapp und dessen Stellvertreter Hartwig Ridder. „Dass die Station in Brande-Hörnerkirchen erhalten bleibt, ist gegen den Landestrend“, betont Rapp. Die steigenden Einwohnerzahlen in der Region und die große Entfernung nach Elmshorn beziehungsweise Barmstedt seien Argumente für den Weiterbetrieb des Außenpostens gewesen. Rapp: „Wir erlauben uns den Luxus, das hier weiterzuführen und werden das auch verteidigen.“ Mittelfristig könne die Station sogar personell verstärkt werden. „Es gibt dazu mehrere denkbare Modelle.“

Bis es soweit ist, bleibt Jewan Einzelkämpfer. Er ist in der Regel werktags zwischen 8 und 16 Uhr in der Station erreichbar, die an der Rosenstraße im Gebäude der Amtsverwaltung Hörnerkirchen zu finden ist. Wenn Jewan Streife fährt, werden die Anrufe auf sein Diensthandy weitergeleitet. „Bei Festen oder anderen größeren Lagen bin ich auch nachts im Dienst.“

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Klaus Dibbern, der während der vergangenen vier Jahre mehrfach hoch zu Ross Streife ging, bevorzugt Jewan ein schnelleres Verkehrsmittel: „Vielleicht nutze ich mal mein Motorrad für Dienstfahrten.“