Pinneberg
Kreis Pinneberg

Regio-Kliniken in tiefroten Zahlen

Krankenhausbetrieb machte im vergangenen Geschäftsjahr 9,2 Millionen Euro Minus. Grund sind auch Personalkosten

Kreis Pinneberg. Die Regio-Kliniken sind im vierten Jahr nach der Privatisierung dort gelandet, wo das kreiseigene Unternehmen 2009 aufhörte: in tiefroten Zahlen. Mit einem Verlust von 9,2 Millionen Euro hat der Klinikbetrieb, den der Kreis 2009 zu 75 Prozent an die Sana AG veräußerte, beinahe die Größenordnung von 2008 erreicht, als das Unternehmen 9,6 Millionen Euro Minus machte.

Im sechsten Geschäftsjahr hintereinander konnten die Einnahmen die Ausgaben nicht decken. Seit 2008 sind so Verluste in Höhe von rund 35 Millionen Euro aufgelaufen. „Das ist eine unschöne Situation“, sagte Geschäftsführerin Angela Bartels am Donnerstag und kündigte an: „Wir werden das Defizit in diesem Jahr maßgeblich reduzieren.“ Um schwarze Zahlen zu schreiben, werde es aber noch zwei Jahre dauern.

Die Gründe für die hohen Verluste seien vielfältig. Die Regio-Chefin verwies unter anderem auf die schlechte Erlösstruktur im Vergleich zu Hamburger Kliniken. So könnten Krankenhäuser in Schleswig-Holstein rund 100Euro weniger pro Krankheitsfall abrechnen als Kliniken in der Hansestadt. Der Basisfallwert betrage hier 3012 Euro, während nur wenige Kilometer entfernt von den Krankenhäusern in Elmshorn, Pinneberg und Wedel im Hamburger Stadtgebiet 3109 Euro je Fallwert gelten würden. Das allein benachteilige die Regio-Kliniken um 3,25 Millionen Euro, stellte Bartels dar.

Unternehmen hat 30 Stellen abgebaut, sucht aber zurzeit Pflegekräfte

Hinzu käme der hohe Aufwand an Personal- und Sachkosten, der nicht durch die Einnahmen gedeckt sei. So hätten allein 3,1 Millionen Euro an Leistungen nicht abgerechnet werden können, zum Beispiel in den inzwischen aufgegebenen Bereichen manuelle Medizin und Orthopädie in Wedel. Das sei aber ein bundesweites Problem.

Die gerade beschlossene Tariferhöhung im öffentlichen Dienst um drei Prozentpunkte würde diese Situation nicht verbessern. Ende des Jahres läuft die Bindung an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes bei den Regio-Kliniken aus, zu der sich Sana bei der Übernahme verpflichtet hatte. Es gebe keine Pläne, tarifvertragliche Änderungen vorzunehmen, betonte Bartels.

Im vergangenen Jahr seien jedoch 30 Stellen in allen Bereichen abgebaut worden. "Wir hatten wesentlich mehr Personal an Bord als wir brauchten", sagte die Klinikchefin. "Da mussten wir die Notbremse ziehen." Auch die Führungsstruktur sei standortübergreifend umgebaut worden. Die kaufmännische Geschäftsführerin Martina Saurin und der ärztliche Direktor Thorsten Wygold verließen zudem das Unternehmen auf eigenen Wunsch. Die Stelle in der Geschäftsführung wurde monatelang nicht nachbesetzt, die des ärztlichen Direktors bis heute nicht. Zurzeit sind bei den Regio-Kliniken rund 2300 Mitarbeiter auf 1441 Stellen beschäftigt. Aktuell würden wieder zusätzliche Pflegekräfte in Pinneberg und Wedel gesucht, sagte Pflegedienstleiter Georg Opgenoorth.

Zudem waren 3,1 Millionen Euro der Verluste auf Einmaleffekte zurückzuführen, so Bartels. 1,5 Millionen Euro davon ergaben sich durch Korrekturen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen, die im Nachhinein bestimmte Fälle nicht akzeptiert hätten.

Die Zahl der behandelten Patienten ist 2013 nur um 200 auf 34.322 gestiegen. Der Jahresumsatz betrug mit 153Millione Euro vier Millionen Euro mehr als 2012. Und aus der Übernahme der Kreiskliniken verbleibe noch die „Altlast“, die 102 Millionen Euro aus dem Sale-and-lease-back-Geschäft abzutragen, was noch mit jährlich einer Million Euro ins Kontor schlage, sagte Kliniksprecher Sebastian Kimstädt.

Trotz dieser angespannte Lage wollten die Regio-Kliniken weiter wachsen, ihr medizinische Angebot auf bestimmte Standorte konzentrieren und auch ausweiten, kündigte Angela Bartels an. So werde das Unternehmen im laufenden Jahr acht Millionen Euro investieren, doppelt so viel wie im vorigen Jahr.

Regio will in diesem Jahr acht Millionen Euro in die drei Standorte investieren

Das Geld werde vor allem in den Aufbau der Pneumologie (Lungenheilkunde) im Krankenhaus Wedel investiert, dem neben der Geriatrie (Altersheilkunde) zweiten medizinischen Schwerpunkt in der Elbstadt. Aber auch die Neurologie im Klinikum Pinneberg sowie das Zentrum für Gefäßchirurgie und die Psychiatrie in Elmshorn sollen weiter ausgebaut werden.

Zudem arbeite der Krankenhausbetrieb daran, die Kooperation mit niedergelassenen Ärzten zu intensivieren, kündigte Bartels an. Sie nannte jedoch noch keine konkreten Netzwerke, die bereits vereinbart oder geplant seien.