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Kreis Pinneberg

Kaum Gewerbeflächen – Wirtschaft im Kreis Pinneberg droht Gefahr

Während andere Landkreise um Hamburg herum noch eine Fülle von Gewerbeflächen zu vermarkten haben, gehen diese im Kreis Pinneberg stark zurück. Dabei ist er zurzeit der wirtschaftlich stärkste in Schleswig-Holstein.

Kreis Pinneberg. Wenn seinem Team eine erfolgreiche Firmenansiedlung oder -umsiedlung gelungen ist, gibt es ein kleines Gastgeschenk. Meist ist es ein Apfelbaum, den Harald G. Schroers als Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft WEP dem Firmenchef überreicht. So wie jüngst dem Handwerksmeister Thomas Klose, der mit seinem aufstrebenden Zehn-Mann-Betrieb von Pinneberg nach Quickborn umgezogen ist.

In der Kreisstadt waren dem Unternehmen die Räumlichkeiten auf dem alten Ilo-Gelände zu klein geworden. Im Gewerbepark Halenberg an der A7 konnte die WEP dem Metalldrücker-Meister noch ein 3000 Quadratmeter großes Gelände vermitteln. Doch langsam gehen dem Kreis Pinneberg die Gewerbegrundstücke aus.

Eine Vergleichsstudie bescheinigt dem bevölkerungsreichsten Landkreis die schlechteste Ausgangslage von allen Hamburger Randkreisen. Mit 75 Hektar bebaubarer Fläche steht der Kreis Pinneberg – mit Lüneburg – an letzter Stelle. In Cuxhaven dagegen sind es 1087 Hektar. Und auch die Nachbarkreise Steinburg und Segeberg haben mit 189 und 120 Hektar noch etwa doppelt soviel Land zur Verfügung.

„Die Frage für die Zukunft wird lauten: Wie schützt der Kreis Pinneberg seine herausragende Position, was seine Wirtschaftskraft angeht“, sagt WEP-Chef Schroers. So hatte jüngst eine Vergleichsuntersuchung aller 402 Landkreise in Deutschland den Kreis Pinneberg auf Rang eins in Schleswig-Holstein gesetzt. Weit vor Segeberg und Stormarn, was Finanzkraft, Bruttowertschöpfung und Investitionen betrifft. Das Wirtschaftsmagazin „Focus-Money“ hatte diese Rangliste erstellt.

„Das bedarfsgerechte Angebot von Gewerbeflächen hat zu diesem Ansiedlungsboom im Kreis Pinneberg geführt“, sagt Schroers. Wobei dies die relativ niedrigen Steuersätze und eine Vielzahl an gut ausgebildeten Arbeitskräften als gute Standortfaktoren begünstigt hätten. Auch die weichen Standortfaktoren wie Bildungsmöglichkeiten und Wohnqualität stimmten hier. „Ob der Kreis Pinneberg seinen Platz bei der Wirtschaftskraft künftig verteidigen kann, ist allerdings fraglich“, sagt Schroers. „Die Gewerbeflächen sind knapp. Und die Lage hat sich in jüngster Zeit noch verschärft.“

In Tornesch, wo die WEP ihren Sitz hat und über 41 Hektar Gewerbeflächen verfügte, ist kaum noch Platz. Fast alle Flächen sind verkauft. „Es sind nur Kleinstflächen übrig.“ Etwa 30 Betriebe konnten in diesem Bereich, zu dem Schroers auch Ellerhoop zählt, angesiedelt werden. Medac, das Gartenbauzentrum der Landwirtschaftskammer und Witte Pumps zählen dazu. Etwa 1000 Arbeitsplätze seien so geschaffen oder erhalten worden.

Es gibt nur noch wenige Hektar freies Land für die Ansiedelung von Betrieben

Im Bereich der Pascalstraße in Quickborn, wo jetzt Metalldrücker Klose eine Million Euro in seine 900 Quadratmeter große Fertigungshalle investierte, ist der dritte und letzte Bauabschnitt so gut wie beendet. Ein letztes etwa 2000 Quadratmeter großes Grundstück sei in diesem ehemals neun Hektar großen Bereich noch frei. Elf Firmen mit etwa 300 Mitarbeitern arbeiten jetzt wie MAN oder Klose hier.

Auch andernorts ist es ähnlich knapp. Am Grauen Esel in Elmshorn an der A23, wo Kibek, Media-Markt und Obi angesiedelt wurden, sind es noch vier Hektar Land. In Klein-Offenseth-Sparrieshoop, das neun Handwerksbetriebe anlockte, werde sich bald ein Möbelrestaurateur ansiedeln, so Schroers. Dann seien dort noch zwei Hektar frei. Und in Heede, das an der Ortsgrenze zu Barmstedt acht Betriebe mit 50 Arbeitsplätzen sichern konnte, gebe es auch nur noch zwei Hektar freies Land.

Schroers: „Der Erfolg begräbt seine Kinder.“ Die Kommunen müssten in die Zukunft investieren, indem sie neues Bauland für Gewerbe zur Verfügung stellten. Wobei die Nachfrage angesichts der immer weniger zur Verfügung stehenden Flächen auch mit der Wohnraumnachfrage konkurriert.

„Der Kreis Pinneberg ist sehr verstädtert. Das ist keine Bauernwirtschaft. Hier wohnen die Menschen sehr verdichtet in Stadtnähe.“ Anderseits mache es das knappe Angebot an freien Flächen notwendig, dass es nicht zu einer „Überversiegelung“ freier Flächen komme. „Aber irgendwo wollen die Menschen wohnen und arbeiten. Wir müssen uns Gedanken machen, das zu garantieren.“

Darum setzt der WEP-Chef große Hoffnung auf den Bau der A20, die im Norden des Kreises für zusätzlichen Schwung und Gewerbeansiedlungen sorgen würde. Gemeinsam mit den Nachbarkreisen Steinburg, Dithmarschen und Nordfriesland wird dazu gerade eine Potenzialanalyse erarbeitet.