Pinneberg

Ein Dorf ist im Karnevalsfieber

Moorrege ist eine norddeutsche Hochburg der Narren. Karneval wird in der kleinen Gemeinde an der Pinnau seit nunmehr 50 Jahren groß gefeiert.

Die Hochburg der Narren liegt in Moorrege, zumindest wenn es um den Karneval im Kreis Pinneberg geht. Denn in der kleinen Gemeinde mit knapp 4000 Einwohnern steigt im Februar die größte Karnevalssitzung Schleswig-Holsteins. Vom 22. Februar an feiern die nordischen Jecken drei Tage lang in der Festhalle „An’n Himmelsbarg“, was vor 50 Jahren seinen Anfang nahm. Mehr als 1500 Besucher werden zu den Veranstaltungen erwartet. Die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren. Damit der närrische Abend, die Seniorenprunksitzung und Kinderkarnevalskostümfete auch reibungslos über die Bühne gehen, werden derzeit Kostüme geflickt, Auftritte geprobt und an den Abläufen gefeilt.

Warum ausgerechnet Moorrege in Norddeutschland den Ton in Sachen Karneval angibt? Claudia Batschauer denkt darüber kurz nach. „Das ist über die Jahre und die Generationen irgendwie gewachsen. Es begann mit einer Idee der Turnabteilung vor 50 Jahren, die dann immer mehr begeistert hat“, sagt die Geschäftsführerin. Die Schenefelderin, die zu diesen auswärtigen Zuwächsen gehört, wurde von einer Freundin angeworben. Bei einer Party stellte diese fest: „Du bist so eine verrückte Nudel, du wärst bei uns genau richtig.“ Die Freundin sollte Recht behalten. Mit 22Jahren tanzte Batschauer erstmals bei einer der Tanzgarden mit. Das ist 24Jahre her.

Der Virus hat sie seitdem nicht mehr losgelassen. „Was mich begeistert, ist das Familiäre. Jeder tritt hier für den anderen ein. Ohne Vertrauen und Spaß an der Sache könnten wir aber auch solch eine Veranstaltung nicht stemmen“, sagt Batschauer. Dabei ist der familiäre Verein mittlerweile 200 Mitglieder stark und mit einem Jahresbudget von 35.000 Euro so groß wie ein Kleinunternehmen.

Trotzdem haben die Moorreger Karnevalisten mit den Vorurteilen der norddeutschen Seele zu kämpfen. „Karneval ist in Schleswig-Holstein unpopulär. Dabei machen wir ganz was anderes als den starren Sitzungskarneval aus dem Ruhrpott“, erklärt Batschauer. Julian Kabel ergänzt: „Wir machen das seit 50 Jahren, aber wenn man einen Uetersener fragt, wo das nächste Karnevalsfest steigt, sagt der trotzdem Köln.“ Der neu gewählte Präsident ist da Realist. Doch das heißt nicht, dass die Moorreger Narren den Kopf in den Sand stecken. Kabel gibt das ehrgeizige Ziel vor: „In spätestens zehn Jahren kennt uns hier jeder.“

85 Prozent ihres dreitägigen Bühnenprogramms wuppen die Moorreger selbst. Nur wenige Künstler werden eingekauft. Ihrem großen Auftritt fiebern sowohl die Tänzer der Garden, des Männerballetts als auch die vereinseigenen Comedians und Büttenredner entgegen. Während vor allem die Vereinsmitglieder dafür sorgen, dass es auf der Bühne rund geht, ist fast das ganze Dorf mit eingespannt, wenn es um die Vorbereitungen geht. Denn es wird alles selbst gemacht. Sogar die 120 Werbeplakate werden eigenhändig entworfen, im Carport des Vorsitzenden geleimt und dann im Kreisgebiet verteilt. Jedes Jahr aufs Neue.

Damit die Großveranstaltung auch läuft, setzen die Karnevalisten auf Struktur. Für jeden Aufgabe gibt es einen eigens gebildeten Ausschuss, dessen Mitglieder sich beispielsweise um die Werbung, die Technik, den Aufbau der Bühne und das Programm kümmern müssen. Allein für den Aufbau benötigen die bis zu 20 Helfer etwa 15 Stunden. Es folgen Umbauten und der Abbau. Wer denkt, dass sich die Moorreger anschließend eine Pause gönnen, irrt. „Am Tag danach geht’s schon weiter. Dann überlegen wir, was können wir das nächste Mal besser machen“, berichtet Batschauer.

Wer auf den Geschmack gekommen ist und sich die Februarsitzung zum 50. Geburtstag nicht entgehen lassen will: Die Hauptveranstaltung beginnt am Sonnabend, 22. Februar, um 20 Uhr. Der Eintritt in die Moorreger Festhalle „An’n Himmelsbarg“ kostet dann zwischen 16 und 18 Euro, ermäßigt zehn Euro. Die Veranstaltung für Kinder beginnt am Sonntag, 23. Februar, um 15 Uhr. Der Eintritt kostet drei Euro, Eltern zahlen vier Euro pro Person. Am 24. Februar treten die Karnevalisten speziell für Senioren von 16 Uhr an auf. Tickets kosten sechs Euro. Karten sind im Friseurgeschäft Unikat in Uetersen, Großer Sand 108, von dienstags bis freitags von 8 bis 18 Uhr sowie sonnabends von 8 bis 14 Uhr zu bekommen und an der Abendkasse.

Weitere Informationen zu den Karten gibt es auch unter der Telefon 04122/9275500 und im Internet auf www.moorreger-karnevalisten.de