Barmstedt

Schule gerettet, Ellerhoop jubelt

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Burkhard Fuchs

Barmstedter Grund- und Gemeinschaftsschule übernimmt die Dorfschule als Außenstelle. Schulbetrieb damit gesichert

Ellerhoop/Barmstedt. Ein ganzes Dorf jubelt. Die Grundschule Ellerhoop, die im vorigen Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feierte, ist gerettet. Die Grund- und Gemeinschaftsschule (GGS) Barmstedt übernimmt vom nächsten Schuljahr an die Trägerschaft der Grundschule in der acht Kilometer entfernten Gemeinde. Ansonsten hätte sie mit den Sommerferien 2014 geschlossen werden und die zurzeit 30 Schüler auf andere Schulen ausweichen müssen. „Das ist die ideale Lösung“, freut sich Schulrat Michael Doppke über diese positive Entwicklung. „Ich fühlte mich wie Außenminister Genscher auf dem Balkon beim Mauerfall 1989“, beschreibt Doppke die unbändige Freude im 1430 Einwohner zählenden Dorf, als er diese neue Schulkooperation in Ellerhoop verkündete.

Vor wenigen Wochen sah es dagegen noch düster um die Zukunft der Grundschule aus. Die Partnergemeinden im Amt Rantzau, Hemdingen, Heede, Langeln und Bilsen, die die Grundschule Hemdingen betreiben, hatten im Juli den Kooperationsvertrag mit Ellerhoop gekündigt, deren Grundschule als Außenstelle für Hemdingen fungierte. Ohne einen Ersatz wäre ein Weiterbetrieb nicht möglich, da die Landesregierung mindestens 80 Schüler fordert. Daraufhin bildete sich spontan in Ellerhoop eine Elterninitiative, die alle Hebel in Bewegung setzte, um den Fortbestand zu sichern. Info-Veranstaltungen wurden organisiert, Plakatwände gestaltet und an der Bundesstraße nach Elmshorn aufgehängt, ein förmliches Interessensbekundungsverfahren eingeleitet und die Medien eingeschaltet. „Dieser Einsatz und die Angst vor der Schließung hat das ganze Dorf zusammengeschweißt“, sagt Initiativen-Sprecher Sven Müller-Sönnewald. „Da ist so viel kreative Energie entstanden, die wir jetzt weiter für den Erhalt der Schule nutzen wollen, damit wir nicht in ein, zwei Jahren wieder vor dieser Situation stehen.“

Doch damit ist nicht zu rechnen. Schulrat Doppke ist fest davon überzeugt, „dass die Schullandschaft im Kreis Pinneberg damit stabilisiert ist.“ Formal müssten nun die Stadt Barmstedt und die Gemeinde Ellerhoop einen öffentlich-rechtlichen Kooperationsvertrag abschließen, der die Dorfschule zur Außenstelle der GGS Barmstedt erklärt. Deren Schulleiter Bernd Poepping ist ebenfalls begeistert von dem Engagement der Eltern in Ellerhoop. Angesichts der wichtigen Funktion der Schule für das Dorf, den Investitionen, die umsonst ausgegeben wären, und der Aussicht, dass wieder viele kleine Kinder mit dem Bus zur Schule hätten fahren müssen, sei ihm sofort klar gewesen: „Wenn es irgendwie geht, müssen wir die Schule erhalten. Und nun haben wir alle glücklich gemacht.“

Doch diese Zusammenarbeit sei kein Selbstgänger gewesen. Poepping, der mit 70 Kollegen die mit 1000 Schülern größte Gemeinschaftsschule ohne Oberstufe im Kreis Pinneberg leitet, drängte es nicht zu weiteren Kooperationen. So arbeitet seine Schule schon heute eng mit dem Gymnasium Barmstedt und der Schule in Brande-Hörnerkirchen zusammen, wo die Flex-Klasse untergebracht ist, bei der die Jugendlichen ein Jahr länger Zeit haben, den Hauptschulabschluss zu machen. Somit wollte Poepping keine zusätzlichen Lehrer nach Ellerhoop abbeordern und er brauchte eine Führungskraft, die diese Kooperation koordiniert. Diese Aufgabe übernimmt Torsten Biermann, der schon Führungserfahrung habe. „Der hat sich sofort bereit erklärt“, freut sich Poepping über seinen nun siebten Koordinator im Schulleitungsgremium.

Vor Ort in Ellerhoop wird sich nichts ändern. Die Schüler werden dort weiterhin in zwei Klassen mit Schülern jeweils aller vier Altersstufen von den Lehrerinnen Anja Svensson und Renate Lorenzen-Kirsch unterrrichtet. „Dieses pädagogische Konzept hat den Vorteil, dass die Kleinen von den Großen lernen können“, ist auch Schulleiter Poepping davon angetan. Der Elternverein stellt wie bisher eine verlässliche Grundschulbetreuung der Kinder täglich von 7 bis 15 Uhr sicher. Langfristig hat diese neue Schul-Partnerschaft auch Vorteile für die Stadt Barmstedt. „Wir haben schon jetzt viele Schüler aus Ellerhoop bei uns in Barmstedt“, erklärt Poepping. Wenn nun die Ellerhooper Grundschüler, deren Zahl sich in den nächsten Jahren wegen der neuen Baugebiete auf 60 verdoppeln werde, sich nach Barmstedt orientierten, sichere dies auch die weiterführenden Schulen in Barmstedt und bringe der Stadt zusätzliche Schulkostenbeiträge ein.

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