Kommentar

Ein Grund zur Trauer

Bei der angespannten finanziellen Lage der öffentlichen Haushalte hat niemand etwas zu verschenken.

Das gilt auch für die Nachbarkreise Steinburg und Dithmarschen, die nun aus dem gemeinsamen Abfallbündnis mit Pinneberg aussteigen. Wenn sie künftig in Glückstadt ihren Hausmüll erheblich günstiger entsorgen können, ist das ein schlagendes Argument. Insider sprechen von bis zu einem Drittel weniger Verbrennungskosten, als sie zurzeit für die Befeuerung der Tornescher Anlage entrichten müssen.

Das gibt zurzeit der Müllmarkt her. Durch die systematische Mülltrennung und die durch das zunehmende Umweltbewusstsein ausgelöste Müllvermeidung sind die Müllmengen in Deutschland seit den 90er-Jahren eher rückläufig. Sie steigen jedenfalls nicht mehr an. Dafür wurde kräftig in Verbrennungsanlagen investiert, deren Betreiber nun überall nach Müllfutter suchen. Das hat die Entsorgungspreise auf einen Tiefststand fallen lassen.

Für die Umwelt ist diese Entwicklung nur bedingt gut. Wenn bald die Mülllaster nicht nur die paar Kilometer aus dem Norden Dithmarschens nach Tornesch fahren, sondern aus Niedersachsen oder noch weiter herkommen, forciert das den Mülltourismus auf der Straße, den wir eigentlich nicht mehr wollten. Außerdem war es ein wegweisendes Zeichen in die Zukunft, dass die drei Kreise über den eigenen Tellerrand schauen und gemeinsame Sache bei der Abfallentsorgung machen ließ. Insofern ist das Ende der Abfallkooperation AUE auch ein Grund zur Trauer.