Halstenbek

Anwohner kämpfen gegen Gewerbe

Halstenbek Haselweg-Anlieger und CDU-Kommunalpolitiker protestieren gegen Firmenansiedlungen am Verbindungsweg

Halstenbek. Ein Gewerbegebiet direkt vor dem eigenen Haus: Für Josef Werner, Dieter Paul Grzesik und Ulrich Freitag eine Horrorvorstellung. Aber eine, die für die drei Anwohner des Halstenbeker Haselweges Realität werden könnte. Planungen der Gemeinde sehen vor, das bestehende Gewerbegebiet an der Ecke Verbindungsweg/Am Bahndamm in Richtung Haselweg zu verlängern. Drei Meter hinter den Häusern würde eine Lärmschutzwand für eine Abtrennung zwischen Gewerbe- und Privatgrundstücken sorgen.

"Wir Anwohner leiden bereits seit Jahren durch den Bahnlärm. Jetzt kommt weiterer Krach dazu", sorgt sich Werner. Er befürchtet eine erhebliche Wertminderung der Grundstücke und weist darauf hin, dass viele Kinder im Viertel wohnen, die den Verbindungsweg als Schulweg nutzen. "Die Sicherheit der Kinder ist dann nicht mehr gewährleistet", so Werner weiter. Bereits das 2011 begonnene, kleine Gewerbegebiet mit sechs Flächen sei aufgrund des Lkw-Verkehrs eine Gefahr, sagt Grzesik. "Wenn jetzt deutlich mehr Lastwagen das Gebiet anfahren, wird alles noch viel schlimmer."

Die Anwohner wenden sich strikt dagegen, dass in der Gemeinde, die lange mit dem Beinamen "Wiege des Waldes" für sich warb, erneut eine Baumschulfläche zum Gewerbeareal wird. Sie weisen zudem darauf hin, dass am Haselweg direkt angrenzend an die mögliche Gewerbefläche vor kurzem eine Altenwohnanlage entstanden sei. "Jetzt kriegen die vielleicht eine große Gewerbehalle direkt vor ihre Haustür", sagt Freitag. Zudem liege direkt am Verbindungsweg die DRK-Kindertagesstätte. Die enge Straße, die nicht über einen Radweg verfügt, werde inzwischen häufig von Lkw-Fahrern genutzt.

Das bestätigt auch Halstenbeks Bauamtsleiter Holger Lange. "Wir müssen was dagegen tun", sagt er. Viele Lkw-Fahrer würde dank ihres Navigationsgerätes das neue Gewerbegebiet über Heideweg und Verbindungsweg anfahren, statt die vorgeschriebene Route über die Lübzer Straße zu nehmen. Im Hinblick auf die Gewerbegebietserweiterung verweist Lange darauf, dass es bisher noch nicht einmal einen Aufstellungsbeschluss gibt.

Der soll jedoch in Kürze gefällt werden - zumindest wenn es nach Halstenbeks Wirtschaftsförderin Elke Tramm geht. "Wir haben eine große Nachfrage nach Gewerbeflächen, die wir nicht befriedigen können." Die Gemeinde wolle das jetzige Baumschulareal erwerben und selbst vermarkten. Die Erweiterung stehe ausschließlich kleinen, mittelständischen Betrieben offen, die weder Dreck noch Lärm verursachen.

Erste Pläne sehen acht Areale mit Flächen zwischen 1000 und 6000 Quadratmetern vor, die Anbindung erfolgt über eine neue Stichstraße mit Wendehammer. "Das ist aber nur eine der Möglichkeiten", sagt Tramm. Die Sorgen und Ängste der Anwohner könne sie nachvollziehen. "Es wird aber keine negativen Auswirkungen geben." Sie sieht eher positive Aspekte für die Anlieger. Die neuen Gebäudekörper sowie die Lärmschutzeinrichtung würden eine schallhemmende Wirkung haben, so dass der Bahnlärm fast wegfalle.

Eine Argumentation, der sich Halstenbeks CDU-Fraktion nicht anschließen kann. "Wir werden gegen die Gewerbegebietserweiterung stimmen", kündigt CDU-Fraktionschefin Kirsten Sajitz an. Und ihr Fraktionskollege Hans-Jürgen Rebenther ergänzt: "Halstenbek braucht dringend Gewerbeflächen, aber nicht an dieser Stelle." Das sieht Volker Dannhauer, Fraktionsvorsitzender der FDP, anders. "Grundsätzlich können wir uns Gewerbe an dieser Stelle vorstellen." Die bisherigen Pläne seien jedoch für die Anwohner eine Zumutung, sagt Dannhauer. Er spricht von einer acht Meter hohen Lärmschutzeinrichtung. "In dieser Form können wir nicht zustimmen."

Gudrun Gabriel-Schröder von den Halstenbeker Grünen verweist darauf, dass die Fläche zum Großteil für örtliche Betriebe gedacht sei, die sich erweitern wollen. "Wir können diese Betriebe nicht gehen lassen, wir brauchen die Gewerbesteuereinnahmen." Auch die Bürger würden wollen, dass es der Gemeinde gut geht. "Die wünschen sich, dass wir den Rathausvorplatz neu gestalten, dass wir ausreichend Krippenplätze schaffen, vernünftige Schulen vorhalten und Zuschüsse für Vereine bereitstellen." SPD-Fraktionschef Christoph Bittner betont, dass seine Fraktion grundsätzlich für zusätzliches Gewerbe am Verbindungsweg sei. "Aber wir werden zunächst mit offenen Ohren zuhören, was die Bürgerbeteiligung ergibt."

Am Mittwoch, 14. August, stellt die Gemeinde die Pläne während einer öffentlichen Informationsveranstaltung vor. Sie beginnt um 19 Uhr in der Grundschule Bickbargen.