Kommentar

Bildungspakt braucht das TV

Die Brille vergessen. Die Hand verstaucht. Es gibt viele Ausreden, die Lese- und Schreibschwache vorbringen, damit ihr Defizit im Alltag nicht auffällt.

7,5 Millionen Bürger in Deutschland können nicht oder nur unzureichend lesen und schreiben. Diese Zahl ist erschreckend. Erschreckend ist auch, dass jährlich nur etwa 20.000 Menschen an Alphabetisierungskursen teilnehmen können. Es gibt nicht genug Geld und somit nicht genügend Plätze in den Kursen. Dass Ernst Dieter Rossmann, Vorsitzender des Deutschen VHS-Verbandes, daher einen Pakt vonseiten der Politik fordert, ist verständlich. Mehr muss getan werden.

Das große Problem ist, wie die Betroffenen erreicht werden sollen. Artikel in Zeitungen zu dem Thema erreichen die Zielgruppe höchstens indirekt. Andere Medien müssen also als Multiplikatoren für die Angebote genutzt werden. In diesem Fall insbesondere das Fernsehen. Es ist das primäre Informationsmedium jener Menschen, die nicht lesen und schreiben können. Das TV muss daher in einen entsprechenden Bildungspakt einbezogen werden. Wenn im Fernsehen für Alphabetisierungskurse geworben wird, etwa in Werbespots oder Dokusoaps, dann wäre viel gewonnen. Damit sich vor allem private Fernsehanstalten an einem solchen Pakt beteiligen, dafür bedarf es vor allem eines: anhaltende Überzeugungsarbeit von Bund und Ländern.