Kreis Pinneberg

Zahlt der Kreis seinen Mitarbeitern zu viel?

Landesrechnungshof: Personalkosten je Stelle zu hoch. Kreissprecher: nicht vergleichbar. Von allen elf Landkreisen Schleswig-Holsteins sind die Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes in Pinneberg am besten bezahlt.

Kreis Pinneberg. Wer für den öffentlichen Dienst arbeiten möchte, sollte sich um eine Stelle in der Kreisverwaltung Pinneberg bewerben. Denn der Kreis Pinneberg bezahlt seine Mitarbeiter am besten von allen elf Landkreisen Schleswig-Holsteins. Das geht aus einer Studie des Landesrechnungshofes hervor, der erstmals einen Vergleich der Personalkosten aller Kreisverwaltungen vorgelegt hat.

Demnach gab der Kreis Pinneberg im Jahr 2008, für das die Daten erhoben wurden, 57.477 Euro für jede der 650 Stellen aus. 3300 Euro mehr als der Durchschnitt aller Landkreise. Im Vergleich zu den beiden anderen großen Landkreisen Rendsburg-Eckernförde und Segeberg wären dies sogar 5400 Euro je Stelle mehr. Einsparpotenzial laut Rechnungshof 1,1 bis 3,0 Millionen Euro je nach Berechnungsgrundlage.

Kreissprecher Marc Trampe kontert, die Zahlen seien nicht vergleichbar und beruhten auf älteren, bereits überholten Erhebungen. So sei die Einstufung des Kreises Pinneberg in die Größenklasse mit Rendsburg-Eckernförde und Segeberg nicht nachzuvollziehen. "Durch die direkte Nachbarschaft zu Hamburg ist der Kreis Pinneberg urban geprägt und hat dadurch eine Sozialstruktur, die nur bedingt mit anderen Kreisen zu vergleichen ist." Rendsburg-Eckernförde sei flächenmäßig dreimal so groß wie der Kreis Pinneberg und so eher ländlich strukturiert. Das Gleiche gelte für den Kreis Segeberg mit seinen doppelt so vielen Gemeinden. "Da stellt sich die Frage, ob hier nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden."

Das sieht der Landesrechnungshof anders. "Zum ersten Mal ist uns gelungen, die Personalkosten aller Kreise vergleichbar zu machen", sagt Sprecher Andreas Krüger. Es seien nur jene Aufgaben der Kernverwaltung berücksichtigt worden, die es genau so in allen anderen Landkreisen gebe. Dabei fiel auf, dass diese Stellen im Kreis Pinneberg zu hoch bewertet sind, erläutert Krüger. So würden andere Kreise bestimmte Aufgaben von niedriger eingruppierten Mitarbeitern erledigen lassen.

Dabei müsste aber die Altersstruktur der Mitarbeiter berücksichtigt werden, die im Kreis Pinneberg mit durchschnittlich 44 Jahren höher liegen dürfte als im Landesdurchschnitt, sagt Kreissprecher Trampe. Ältere Mitarbeiter würden aufgrund ihrer Dienstjahre besser bezahlt als jüngere. Zudem stehe der Kreis Pinneberg in direkter Konkurrenz zu Hamburg, wenn es um Fachkräfte geht. Dies gelte nicht für die nördlichen Landkreise.

Gleichwohl werde die Kreisverwaltung die Studie des Landesrechnungshofes zum Anlass nehmen, die eigene Stellenbewertung auf den Prüfstand zu stellen, so Trampe. Denkbar wäre, diese Aufgabe künftig extern zu vergeben. Allerdings sei der Spielraum gering, weil es sich hierbei um bundeseinheitliche Bewertungskriterien handele. Zudem würde den Beamten von 2014 an keine leistungsorientierte Vergütung mehr ausbezahlt, die Buchhaltung zentralisiert und Stellen würden nur noch zeitverzögert besetzt, nennt Trampe weitere Einsparpotenziale, die umgesetzt werden. Und durch die Umstrukturierung von vier auf drei Fachbereiche sei eine A-16-Stelle (rund 80.000 Euro im Jahr) voriges Jahr weggefallen.

Positiv fällt der Kreis Pinneberg in der Studie auf, wenn es um die Personalkosten je Einwohner geht. Dabei steht der Kreis Pinneberg mit 89 Euro je Einwohner an dritter Stelle hinter Rendsburg Eckernförde (76 Euro) und Segeberg (79 Euro). Am teuersten arbeiten demnach Dithmarschen (119) und Nordfriesland (118 Euro).

Daraus ziehen die Landesprüfer den Schluss: Je größer die Einwohnerzahl, desto geringer die Personalausgaben. "Größere Kreise sparen Geld", sagt Ulrike Klindt vom LRH. Dies wäre eigentlich ein deutliches Argument für eine umfassende Kreisreform, die ja vor einigen Jahren auf Eis gelegt wurde. "Die jetzigen Verwaltungskooperationen haben nicht den Spareffekt gebracht wie erhofft", sagt Ulrike Klindt.

Rückendeckung erhält der Kreis Pinneberg vom LRH beim Thema Finanzausgleich. "Wir fordern die Landesregierung auf, künftig einen Soziallastenausgleich in den Finanzausgleich einzubauen", betont Sprecher Krüger. Bislang würde das Geld nur nach der Einwohnerzahl verteilt. Doch das sei ungerecht, argumentieren seit 20 Jahren Kreispolitik und Verwaltung. Bislang vergeblich. Doch nun soll das FAG geändert werden. Bei der Jugendhilfe, deren Ausgaben sich in zehn Jahren verdoppelt haben und gesetzlich verpflichtend sind, steht der Kreis Pinneberg einsam an der Spitze. Er zahlt mit rund 600 Euro pro Kopf gut 100 Euro mehr als der Landesdurchschnitt und etwa 200 Euro mehr als der Kreis Ostholstein, der am wenigsten belastet ist.