Preisträger Petersen lebt erst seit 2008 in Wedel. Vergabe-Richtlinien sollen geändert werden

Kreis Pinneberg. Sind die Kriterien für die Vergabe des Kreiskulturpreises noch zeitgemäß? Dass am 3. November der mit 5000 Euro dotierte Preis an Reinhard Petersen, 70, aus Wedel und damit erneut an einen Dirigenten vergeben werden soll, der relativ wenig für die regionale Kulturszene getan hat, stößt auf Kritik. Ingeborg Triskatis, Vorsitzende des Fördervereins der Regio Kliniken, sagt: "Ich gönne es Herrn Petersen. Aber es gibt andere Künstler im Kreis, die den Preis viel eher verdient haben, weil sie seit Jahren ihr künstlerisches Wirken auf den Kreis Pinneberg konzentriert haben." Zudem lebe Petersen erst seit fünf Jahren hier. 2009 entzündete sich ähnliche Kritik bei der Preisvergabe an Robert Stehli.

In den Vergabe-Richtlinien steht: "Voraussetzung ist, dass diese im Kreis wohnen oder einen Großteil ihres Lebens im Kreis Pinneberg verbracht oder in ihrem künstlerischen Wirken einen regelmäßigen Bezug zum Kreis haben." Ersteres gilt für Petersen, der als Kappellmeister an mehreren Opernbühnen arbeitet. Doch sind diese Bedingungen alle gleich zu bewerten? Jury-Mitglied Norbert Hoppe, KWGP, kündigt an, dass die Jury sich vorgenommen habe, die Auswahlkriterien anzupassen. Das bestätigt Kerstin Seyfert, CDU, Vorsitzende des Kreis-Kulturausschusses. "Wir sollten die Kriterien mehr auf den Kreis Pinneberg fokussieren. Wir haben so ein großes Potenzial hier."

Die sechs Politiker in der Jury hielten sich in der Regel an die Vorauswahl und Argumente der Fachleute in den einzelnen Sparten Bildende Kunst, Musik und Literatur, denen ehemalige Preisträger und aktive Künstler angehören, sagt Hoppe. Jury-Mitglied Dietrich Anders, SPD, kann an der Preisvergabe nichts Anstößiges finden. "Wenn Herr Petersen hier wohnt, kann der Preis an ihn verliehen werden." Es habe diskutablere Entscheidungen gegeben. So an die Autorin Daniela Castner 1986, die "durch den Kreis gerauscht war und nur ein paar Monate hier gelebt hat".

Gerhard Folkerts, Preisträger von 1984 und Mitglied der Jury-Sparte Musik, betont, dass die Entscheidung auf Petersen einstimmig gefallen sei. Es sei auch keineswegs so, dass bestimmte Sparten sich eher durchsetzten als andere. "Es ist aber leider so, dass im Bereich Literatur und Darstellende Kunst ein Mangel an Künstlern herrscht."

Das gilt wohl nicht für die Bildende Kunst. So hätten nach Ansicht von Ingeborg Triskatis die Maler Mouna Ramcke aus Pinneberg und Jörgen Habedank aus Tornesch oder die Installations-Künstlerin Gisela Meyer-Hahn den Kulturpreis längst verdient. Meyer-Hahn habe unglaublich viel Zeit, Energie und kreatives Schaffen für die Gestaltung der Räume der Stille für Patienten und Angehörige in den Kliniken Pinneberg und Wedel verwendet. "Das ist etwas Großes und Bleibendes für die Menschen im Kreis Pinneberg."