Über Kunst lässt sich trefflich streiten. Oder manchmal eben gerade nicht.

Nicht zum ersten Mal regt sich Kritik aus der Bürgerschaft an der Vergabe des jährlichen Kreiskulturpreises. Das hat hin und wieder auch etwas mit verletzter Eitelkeit zu tun oder damit, dass der eigene Vorschlag nicht berücksichtigt wurde. Doch im aktuellen Fall hat die Kritik Substanz. Erneut ist ein Künstler für den Hauptpreis ausgewählt worden, der bislang im Kreis Pinneberg kaum in Erscheinung getreten ist.

Rein formal ist alles in Ordnung. Reinhard Petersen lebt in Wedel, wenn auch erst seit fünf Jahren, und hat als Erster Kapellmeister und Generalmusikdirektor an sechs Opernbühnen Deutschlands gearbeitet. Nun kann man einwenden, dass die Opernhäuser im Kreis Pinneberg eher rar gesät sind. Aber das trifft nicht den Kern der Kritik. Die kulturinteressierten Bürger wie Ingeborg Triskatis wünschen sich Preisträger, die seit vielen Jahren hier arbeiten und ihr kreatives Schaffen den Bürgern und Institutionen des Kreises Pinneberg widmen.

Das sollte der Politik zu denken geben, die bereits über neue Vergabe-Richtlinien nachdenkt. Ein Ausweg wäre, einfach den Passus in Sachen Wohnsitz zu streichen. Preisträger sollten einen Großteil ihres Lebens oder Schaffens im Kreis Pinneberg verbracht haben. Das wäre einleuchtend und für alle nachvollziehbar. Über die eine oder andere Jury-Entscheidung kann dann trotzdem weiter gestritten werden.