Hasloh

"Jetzt will ich ganz nach oben"

| Lesedauer: 4 Minuten
Beatrice Maaß

Im Hochseilgarten Hasloh kann sich jeder seinen Adrenalin-Kick holen. Inhaber Torsten Hedinger betreibt auch in Heist einen Klettergarten

Hasloh. Ein selbstbewusstes Siegerstrahlen umspielt Henrys Kindermund. In seinem Klettergeschirr läuft er durch den Hasloher Pfingstwald und ruft seinem Patenonkel begeistert zu: "Jetzt will ich ganz nach oben!" Der acht Jahre alte Junge hat im Hasloher Hochseilgarten gerade den Kinder-Parcours mühelos absolviert und platzt fast vor Stolz. Wie viele Glücksgefühle das Klettern in ihm auslöst, ist in seinem kleinen Gesicht zu lesen.

Weil Henry schon größer als 1,20 Meter ist, darf er jetzt gemeinsam mit seinem Onkel auf einer der Erwachsenen-Strecken ganz hoch hinaus.

Einige Meter weiter ist Finn, 12, gerade dabei, eine Strickleiter zur nächsten Plattform in elf Metern Höhe hinaufzusteigen, um anschließend wie eine Seilbahngondel zum nächsten Baum zu rasen. Finn Franke aus Barmstedt ist mit seinem Vater Christian auf der Strecke. Der Sohn ist ein geübter, mutiger Kletterer, das ist offensichtlich. Sein Partner agiert im Gegensatz dazu viel zögerlicher. Aber Finn gibt seinem Vater fachmännische Tipps, spricht ihm Mut zu. Ein Rollentausch, der dem Sohn sichtlich gefällt: "Lass dich einfach hängen, und ab geht die Fahrt."

Im Hasloher Hochseilgarten sind in schwindelnder Höhe derartige positive Interaktionen alle paar Meter zu beobachten. Hier sichert ein Teenager seine jüngere Schwester und gibt ihr Hilfestellung, dort hilft eine Tochter ihrer Mutter, die nächste Plattform zu erreichen. Und einige Meter weiter lacht eine Gruppe laut beim Erreichen der nächsten Station. Immer wieder schallt es durch den Wald: "Das schaffst du", oder: "Das war irre!"

Im vergangenen Jahr eröffnete Torsten Hedinger, 53, das Kletterparadies an der Pinneberger Straße in Hasloh. Acht Jahre zuvor hatte er in Heist bereits sehr erfolgreich einen Klettergarten angelegt, den er ebenfalls betreibt. Hedinger hat eine Ausbildung zum Sicherheitsmanager für Adventure-Parks absolviert und war Fallschirmsprung-Lehrer. Im Hauptberuf Ingenieur, reiste er jahrelang um die Welt, bevor der Pinneberger sich eine neue Herausforderung suchte und sich auf Hochseilgärten spezialisierte. Heute beschäftigt Hedinger in seinen beiden Kletter-Paradiesen 30 Mitarbeiter, davon drei Festangestellte sowie freiberufliche Trainer und Aushilfskräfte.

Die Anlage in Hasloh hat er mit seinem Team auf einem etwa 20.000 Quadratmeter großen Waldgrundstück selbst gebaut. Viel Fantasie und Arbeit wurden investiert, um den Kunden abwechslungsreiche Parcours zu bieten. Einige sind leicht zu bewältigen, andere erfordern mehr Mut und Konzentration, wieder andere machen einfach nur Spaß, so wie die "Flying-Fox-Strecke", auf der die Kletterer als lebende Seilbahnen von Baum zu Baum rasen. Unterteilt sind sie nach Schwierigkeitsgrad und Höhe. Einige Strecken dürfen bereits im Grundschulalter von Kindern wie Henry in Begleitung Erwachsener in Angriff genommen werden.

Am Anfang müssen die Kletterer zunächst eine Strickleiter erklimmen, um von der jeweils ersten Plattform starten zu können. Ihr schließen sich mehrere unterschiedliche Stationen an. Manchmal geht es über eine Hängebrücke in luftiger Höhe zum nächsten Baum, ein anderes Mal muss über Holzpflöcke balanciert oder über eine Holzgondel zur nächsten Plattform gerutscht werden. Sechs Strecken stehen zur Verfügung. An der siebten wird in den Buchen des Pfingstwaldes gebaut.

Ein neues Sicherheitssystem, das im Hasloher Hochseilgarten benutzt wird, mache das Einhängen in die Seile besonders sicher und einfach, sagt Hedinger. "Klettern kann im Prinzip jeder, außer er hat eine künstliche Hüfte. Unsere älteste Kundin hat hier ihren 80. Geburtstag gefeiert." Das Wichtigste sei Körperspannung, nicht unbedingt Kraft, sagt Hedinger. Auf dem Kinderparcours bestätigt sich das. Dort klettert gerade die drei Jahre alte Heleen mit Mutter Dorothea. Schnell hat das Mädchen verstanden, dass es erst klettern darf, nachdem die Rollenkarabiner ihres Geschirrs in den Sicherheitsseilen eingehängt sind. Schon an der dritten Station strahlt sie schon so selbstbewusst und siegessicher wie Henry.

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