Uetersen

Filmreifer Kino-Boom in Quickborn

Mit 92.000 Besuchern verdreifachte das Beluga seit 2004 die Zahl der Ticketkäufer. Auch in Uetersen wächst das Publikum.

Quickborn/Uetersen. Die Begeisterung fürs Kino muss in Quickborn besonders ausgeprägt sein. Während jeder Bundesbürger im Durchschnitt 1,6-mal im Jahr ins Kino geht, strömten die Quickborner im vergangenen Jahr fast fünfmal in ihr Beluga-Kino. Es zählte 92.000 Besucher, 13 Prozent mehr als im Vorjahr. "Seit wir das Kino im April 2004 übernommen haben, hat sich die Zahl der Zuschauer fast verdreifacht", freut sich Inhaber Kai Bartels, 35, der mit seinem Geschäftspartner Bernd Keichel, 52, seit 2006 auch das Burg-Kino in Uetersen und seit 2009 das City-Kino in Buxtehude betreibt. Seitdem hat sich die Besucherzahl in Uetersen verdoppelt, in Buxtehude ist sie um die Hälfte gestiegen. Alle drei Häuser zählten auf ihren 911 Plätzen in neun Sälen 198.000 Besucher.

Diese positive Entwicklung kommt nicht von ungefähr. "Wir lieben und wir leben Kino", sagt Bartels und meint dies im doppelten Sinne. Er lockt die Besucher mit speziellen Programmen für alle möglichen Zielgruppen. Und er wählt seine Mitarbeiter gezielt danach aus. "Unsere Angestellten müssen die Begeisterung fürs Kino mitbringen", betont er. Krawattenzwang oder andere Dresscodes spielen keine Rolle. Vielmehr sind Feeling und Wissen um die Bilderflut und Geschichten aus den Traumfabriken gefragt. Das zeigt sich bereits im Vorstellungsgespräch, das "nicht 08/15 abläuft", betont Bartels. So frage er die Bewerber gerne, ob sie vom Flux-Kompensator oder dem Protonenpack gehört haben. Wer da sofort auf die Zeitmaschine aus "Zurück in die Zukunft" und "Ghostbusters" kommt, hat die Stelle so gut wie sicher.

Die 50 Mitarbeiter in den drei Häusern seien eine eingeschworene Truppe, berichtet Bartels. Da werde nachts mit 16 Mann das neue Foyer gestrichen, gemeinsam gefeiert und in den Urlaub gefahren. Sogar der eigene Nachwuchs werde herangebildet, sagt Bartels. "Es hat sich innerhalb der Belegschaft schon die eine oder andere Partnerschaft entwickelt. Andere Unternehmen mögen das ablehnen. Wir fördern das." Denn die gute Stimmung unter dem Personal wirke sich direkt fördernd aufs Publikum aus. "Die spiegelt sich bei unseren Kunden wider."

Und die freuen sich, wenn das Programm direkt auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. "Einfach nur Kino kann jeder", sagt Bartels. "Aber die Leute wollen auch ein Event erleben. Das ist wie früher im alten Rom mit Brot und Spielen. Die Menschen brauchen zu essen und wollen unterhalten werden."

Das nimmt das Beluga-Team zum Teil wörtlich. So gibt es fast für jede Zielgruppe ein besonderes Event. Die neuesten Kinderfilme werden im Rahmen einer Pyjama-Party vorgestellt, bei denen alle Kinder und auch deren Eltern im Nachthemd kommen und mit Popcorn und Limonade versorgt werden. "Das ist immer eine Riesengaudi", sagt Bartels. Herz-Schmerz-Filme für die weibliche Kundschaft werden als Lady's-Night präsentiert mit Prosecco und genügend Taschentüchern, manchmal sogar mit Männerstrip-Show vor Beginn des Films.

Die neueste Marke im Beluga-Kino sind Gala-Abende, an denen die Filme oder Opern-Shows mit einem Drei-Gänge-Menü garniert werden, wofür Bartels sich sogar selbst an den Herd stellt. "Ich wollte früher Kinobetreiber oder Koch werden. So kann ich beides unter einen Hut bringen." Ostermontag können sich Opernfans Mozarts "Zauberflöte" in einer Live-Überragung aus der Oper Baden-Baden anschauen, kündigt Bartels an. Demnächst folge "Schwanensee" mit dem John-Neumeier-Ballett aus der Oper Paris. "Dichter dran als im Kino geht nicht", sagt Bartels. "Der Zuschauer glaubt, er sitzt direkt neben den Tänzern auf der Bühne."

All das gelingt natürlich nur mit der neuesten Ton- und Bildtechnik. 600.000 Euro haben Bartels und Keichel in die neueste Digital- und Acht-Kanal-Ton-Technik investiert. Deshalb können sie jetzt auch kleinere Filme sofort mit dem Kinostart zeigen, ohne auf die Verleihfirmen warten zu müssen. Das geht so weit, dass das Quickborner Beluga-Kino als einziges kleineres Kino in Schleswig-Holstein den "Kleinen Hobbit" zeitgleich mit den 200 Großkinos in Deutschland zeigen konnte. Weil der mit 48 statt mit 24 Bildern pro Sekunde lief, brauchte jedes Kino dafür eine Sondergenehmigung vom Mega-Studio Warner Brothers in Kalifornien. "Das war ein Riesenaufwand. Aber ich wollte unbedingt dabei sein und habe es geschafft", sagt Bartels. So nah dran an der Traumfabrik von Hollywood war wohl noch kein Kino aus der Region.