Kreis Pinneberg

Firmen wollen den Nachwuchs locken

Bei der "Langen Nacht der Industrie" am Mittwochabend machen auch vier Betriebe aus dem Kreis Pinneberg mit. Die Firmen hoffen auf neue Azubis.

Kreis Pinneberg. Der Fachkräftemangel macht die Wirtschaft erfinderisch. Wenn der Nachwuchs nicht mehr automatisch in die Betriebe kommt, muss er mit besonderen Aktionen gelockt werden. So entstand vor fünf Jahren in Hamburg die Idee, dass sich Industriefirmen außerhalb der Betriebszeit einem interessierten Publikum präsentieren, zu dem auch mögliche künftige Mitarbeiter gehören. Zu dieser "Langen Nacht der Industrie" wird inzwischen bundesweit eingeladen. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kiel veranstaltet sie am morgigen Mittwochabend zum zweiten Mal. Vier der 14 Betriebe, die von 17 bis 22 Uhr ihre Produktionshallen öffnen, kommen aus dem Kreis Pinneberg.

"Wir versprechen uns davon, mögliche Auszubildende für dieses oder nächstes Jahr zu gewinnen", sagt Patrizia Sztanka von der Schraubenfabrik Dreh-Norm, die bereits zum zweiten Mal bei diesem Tag der offenen Tür mitmacht. "Wir wollen dem Fachkräftemangel begegnen und uns regional bekannter machen", sagt die Juniorchefin des Herstellers von Spezialschrauben für den Schiffbau und die Kraftwerksindustrie, der 40 Mitarbeiter, davon acht Auszubildende, beschäftigt.

Ein ähnliches Motiv hat die SMB International GmbH aus Quickborn, die auch zum zweiten Mal dabei ist. "Für uns geht es ganz klar darum, Mitarbeiter zu finden, die auch hier aus der Region kommen", sagt Beate Pieper, die Marketingfrau des Produzenten von Abfüllanlagen und Hochregallagern. Immer mehr Bewerber kämen aus Süddeutschland, sagt Pieper. Der 90-Mitarbeiter-Betrieb SMB sucht jährlich zwei neue Auszubildende für die Werkstatt.

Erstmals dabei ist Loll-Feinmechanik aus Tornesch. "Wir erwarten, junge interessierte Menschen zu finden, die anschließend bei uns eine Ausbildung beginnen möchten", sagt Christina Bichel aus der Personalabteilung. 26 der 220 Mitarbeiter des Herstellers von Präzisions-Bauteilen für den Maschinenbau sind Auszubildende. Vierter im Bunde ist die Elmshorner Filiale des Nahrungsmittelkonzerns Kraft Foods, die mit 100 Mitarbeitern und 14 Auszubildenden löslichen Kaffee herstellt. "Wir sind sehr daran interessiert, unser Unternehmen der Öffentlichkeit zu präsentieren und junge Leute für unsere Ausbildungsplätze zu begeistern", sagt Werkleiter Norbert Verhaagh.

Für die vier Firmen haben sich bisher jeweils 60 bis 80 Besucher angemeldet

Von Kiel bis Wedel hatte die IHK im vorigen Jahr 600 Besucher in die jeweiligen Betriebe gebracht. Auch für morgen Abend haben sich allein für die vier Firmen im Kreis Pinneberg jeweils 60 bis 80 Leute angemeldet. Die Besucher werden mit Bussen aus Elmshorn jeweils zu zwei Firmen ihrer Wahl gefahren. Laut IHK, werde es eine lange, aber kurzweilige Nacht, in der interessierte Privatpersonen, Schüler, Studenten und Arbeitnehmer einige der spannendsten Industriebetriebe im Norden hautnah erleben könnten. Das Mindestalter der Teilnehmer beträgt 14 Jahre. Auch erfahrene und ältere Leute nutzten diese Gelegenheit, um sich mal über moderne Industriebetriebe zu informieren, sagen Beate Pieper von SMB und Patrizia Sztanka von Dreh-Norm. Dies hätten die Firmen bei der Premiere im vorigen Jahr bemerkt.

Die Auswahl unter den Bewerbern nimmt rapide ab. Nur drei Bewerbungen für die drei Ausbildungsplätze hat Sztanka für die angehenden Zerspannungsmechaniker, Anlagenführer sowie und Groß- und Außenhandelskaufleute vorliegen. "Das ist für uns nicht optimal." Dabei spielten die Zeugnisnoten keine so große Rolle. "Das Interesse muss da sein, es muss einfach passen", sagt sie zu den Auswahlkriterien. Wer in der Produktion arbeiten wolle, müsse handwerkliches Geschick mitbringen. Das gilt auch für Loll Feinmechanik in Tornesch. Sie habe festgestellt, dass die Motivation und Qualifikation der Bewerber nachlasse, sagt Christina Biel. Für SMB hat sich voriges Jahr der Einsatz gelohnt. "Wir konnten hinterher jemanden einstellen und Praktikumsplätze vergeben", sagt Beate Pieper. Das soll sich dieses Jahr wiederholen.

www.lange-nacht-der-industrie.de