Pinneberg

Staatssekretär will beim Bahnhof Dampf machen

Frank Nägele vom Verkehrsministerium erfährt Mängel in Pinneberg am eigenen Leib. Die Stadt will die Umgestaltung so bald wie möglich.

Pinneberg. "Einladend sieht anders aus." Der erste Eindruck, den Staatssekretär Frank Nägele nach dem Aussteigen aus seinem Dienstwagen vom Pinneberger Bahnhof gewonnen hatte, sollte ihn nicht täuschen. "Geht gar nicht", sagte das Mitglied der schleswig-holsteinischen Landesregierung, nachdem Nägele, SPD, die gesamte Anlage in Augenschein genommen hatte. Seit Langem schon wird der Pinneberger Bahnhof von vielen Bürgern als Schandfleck betrachtet. Dazu passte, dass zu allem Überfluss ausgerechnet an dem Tag ein Berg Sperrmüll auf dem Bahnhofsvorplatz prangte, als der Kieler Staatssekretär für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie den Ort besuchte, der seiner Meinung nach für eine Stadt ein "Ort des Willkommens" sein sollte.

Nägeles Parteifreund, der Pinneberger SPD-Landtagsabgeordnete Kai Vogel, hatte den Staatssekretär eingeladen, sich selbst ein Bild von den von Bahnnutzern teilweise als untragbar empfundenen Zuständen am Bahnhof der Kreisstadt zu machen. Ein Manko erfuhr Nägele buchstäblich am eigenen Leib: Wegen eines Sportunfalls an Krücken gehend, war für ihn am Niedergang zum Fußgängertunnel zwischen den Bahnsteigen Schluss. Die Rolltreppe funktioniert nur von unten nach oben, ein Fahrstuhl fehlt völlig. Wer gehbehindert ist oder im Rollstuhl sitzt und auf die andere Seite des Bahnhofs möchte, muss den ebenerdigen Fußgängertunnel am Fahlt benutzen - ein Umweg von mehreren Hundert Metern.

"Die Bahn muss zum Handeln getrieben werden", sagte der Pinneberger Landespolitiker Vogel, verkehrspolitischer Sprecher seiner Fraktion. Denn während die Stadt Pinneberg möglichst noch in diesem Jahr das Bahnhofsumfeld auf der Nordseite der Gleise aufwendig umgestalten will, fallen das historische Bahnhofsgebäude mit der seit Langem geschlossenen Bahnhofskneipe und die Bahnsteige in den Verantwortungsbereich der Deutschen Bahn AG.

In den Bau eines neues Busbahnhofs auf dem Areal des jetzigen P & R-Parkplatzes an der Rockvillestraße und die Errichtung neuer Autostellplätze am Rand des Stadtwaldes Fahlt will die Stadt bis zu 3,6 Millionen Euro investieren. Bis zu 80 Prozent davon sollen laut Bauamtschef Klaus Stieghorst aus Fördertöpfen von Land und Bund kommen. Ein Förderantrag der Stadt liegt bereits bei der Landesverkehrsservicegesellschaft (LVS) in Kiel. Der Staatssekretär will jetzt Druck im Sinne der Pinneberger machen. "Wir werden uns in Kiel mit der Deutschen Bahn und der LVS zusammensetzen. Hier besteht ganz dringender Handlungsbedarf", sagte Nägele im Gespräch mit Kai Vogel und Bürgermeisterin Urte Steinberg. Der Staatssekretär nannte sogar eine Frist von vier Wochen: "Wir setzen uns kurzfristig zusammen, um zu helfen."

Für die neue Verwaltungschefin steht das Thema Bahnhof weit oben auf der Prioritätenliste. Der Bahnhof sei schließlich die Visitenkarte der Stadt, so die Bürgermeisterin. Sie führte den Staatssekretär auch in die antiquiert wirkende Schalterhalle des Bahnhofsgebäudes, das aus dem Jahr 1848 stammt. Es ist das älteste Bahnhofsgebäude solcher Art in Schleswig-Holstein. "Das Gebäude soll auch nach dem Willen der Bahn unbedingt erhalten bleiben", so Klaus Stieghorst. Die Bahn aber wisse noch nicht, wie dies zu bewerkstelligen sei. Ende des Jahres hatte sich eine Gruppe engagierter Bürger und Bahnfahrer aus Pinneberg zusammengefunden, um mit von örtlichen Firmen gespendeter Farbe eigenhändig das Bahnhofsinnere zu streichen.

Seit 2006 plane man, auch mit der Bahn, in Sachen Bahnhof, sagte Klaus Stieghorst. Angedacht seien auf dem eigentlichen Bahngelände der Bau einer Brücke über die Bahnsteige und bis zur Südseite sowie von Fahrstühlen.

Die Deutsche Bahn selbst machte auf Abendblatt-Anfrage zunächst keine Angaben über in Pinneberg geplante Maßnahmen beziehungsweise den Zeitrahmen.

"Wir müssen die Möglichkeiten schaffen, mehr Menschen auf die Schiene zu bekommen", sagt Landes- und Stadtpolitiker Vogel. Dies sei vor allem mit Blick auf den geplanten Ausbau der Autobahn 7 und damit verbundenen Einschränkungen auf der Fernstraße wichtig. Die Stadt will die Attraktivität des Haltepunktes unter anderem erhöhen, indem sie einen Busbahnhof mit überdachten Wartebereichen schafft. Entstehen soll zudem eine Fahrradstation für Pendler, die mit dem Rad kommen. Eng bleibt es voraussichtlich für diejenigen, die vom Auto in den Zug umsteigen. Die Zahl der P & R-Plätze wird sich im Zuge des Bahnhofsumbaus nicht erhöhen. "Wir kommen mit Ach und Krach auf die bisherige Zahl der Stellplätze", sagte der Bauamtsleiter.