Rellingen

Das Amt Pinnau wird teurer für die Gemeinden

Verwaltung jetzt für fünf Kommunen tätig. Einnahmen aus Amtsumlage sinken durch Austritt von Hasloh und Bönningstedt um 1,1 Millionen Euro.

Rellingen. Auf der Homepage des Kreises Pinneberg sind es immer noch sieben Gemeinden, die zum Amt Pinnau gehören. Dabei sind zum Jahreswechsel Hasloh und Bönningstedt mit zusammen 7800 Bürgern aus dem Amt ausgeschieden und werden nun amtsfrei von der Stadt Quickborn verwaltet. Zugleich haben 20 der ehemals 66 Mitarbeiter die Amtsverwaltung verlassen. 13 von ihnen arbeiten jetzt in Quickborn. Die anderen seien zur Gemeindeverwaltung Rellingen gewechselt, hätten sich nach Kiel oder Rendsburg verabschiedet oder ihre befristeten Verträge seien ausgelaufen, sagt Detlev Brüggemann, Leitender Verwaltungsbeamter (LVB) des Amtes Pinnau.

Trotz des enormen personellen Aderlasses sei die Verwaltung gut aufgestellt, sagt Brüggemann. Die 13.200 Bürger in Ellerbek, Tangstedt, Prisdorf, Kummerfeld und Borstel-Hohenraden würden weiterhin gut verwaltet.

Gleichwohl müssten die verbleibenden fünf Gemeinden zumindest für dieses Jahr mit höheren Kosten rechnen. Die Einnahmen aus der Amtsumlage sinken durch den Austritt von Hasloh und Bönningstedt um 1,1 Millionen Euro. Der Personal- und Sachkostenaufwand dagegen sei nur von 3,2 auf 2,4 Millionen Euro zurückgegangen. Im Durchschnitt werde jede der fünf Gemeinden um 60.000 Euro zusätzlich belastet, wobei die finanzkräftigen Gemeinden Ellerbek und Prisdorf den Löwenanteil beisteuern sollten.

Brüggemann will aber auch noch Hasloh und Bönningstedt zur Kasse bitten. "Die Ausamtung war eine harte Nummer für uns."

Mit der Rechtsabteilung der Kreisverwaltung sei abzuklären, welche Leistungen das Amt Pinnau den ausgeschiedenen Gemeinden noch in Rechnung stellen könnte. Dieses Unterfangen dürfte nicht ganz einfach sein, auch wenn Bönningstedts Bürgermeister Peter Liske sich gesprächsbereit zeigt. "Solange ich aber nicht weiß, um welche Forderungen es geht, brauche ich keine Rechtsabteilung."

Zum Jahresende 2012 gab es einen kleinen Vorgeschmack auf diese Auseinandersetzung. Da wollte Brüggemann Hasloh und Bönningstedt mit jeweils 30.000 Euro Umzugskosten belasten, was diese vehement ablehnten. 10.000 Euro befanden sie dagegen für angemessen.

"Da hatte er uns einfach in die Tasche gefasst. Das fanden wir gar nicht witzig", sagt Liske. Aber eine detaillierte Vermögensauseinandersetzung und eine Verrechnung beispielsweise mit Mietkosten müssten nun natürlich noch folgen.

Dafür bedarf es aber einer genauen Aufstellung der Vermögenswerte in den einzelnen Gemeinden. Dies soll jetzt im Zuge der doppischen Haushaltsführung mit Gewinn- und Verlustrechnung geschehen, die das Amt Pinnau möglichst noch in diesem Jahr einführen wolle, wie Brüggemann ankündigt. Allerdings seien vier der sechs Mitarbeiter, die sich damit eingehend beschäftigt hatten, nicht mehr im Amt. Somit müssten diese Aufgaben nun neu verteilt werden, so Brüggemann.

Die Verwaltung sei weiterhin in drei Fachbereiche aufgeteilt. Für Finanzen ist Kerstin Selchow, für strategische Steuerung Ingo Holm und für Bauen und Ordnung neuerdings Heidi Mohr zuständig. Britta Siefken, die diesen Fachbereich geleitet hatte, verlässt das Amt Pinnau in Richtung Rendsburg.

Amtsvorsteher Wilfried Hans ist überzeugt, dass die Amtsverwaltung nun wieder auf eine guten Weg sei. Nach der langen Unsicherheit seien die Mitarbeiter wieder gut motiviert, so sein Eindruck. Das bestätigt Personalratsvorsitzende Anja Bauer. "Die Ausamtung hat viel Zeit, Kraft und Mühe gekostet. Die Kollegen haben gelitten." Nun könnten wieder alle nach vorne sehen. "Wir ziehen alle an einem Strang."

In zwei Jahren steht der nächste Amtswechsel an. Nach wie vor sei angepeilt, zum 1. Januar 2015 mit der Gemeindeverwaltung Rellingen eine Verwaltungsgemeinschaft einzugehen, betont Amtsvorsteher Wilfried Hans. Bis dahin will Brüggemann neben dem gemeinsamen Bürgerbüro, der Telefonzentrale, der Poststelle und des Standesamtes weitere Möglichkeiten ausloten, wo die beiden Verwaltungen schon heute zusammenarbeiten könnten. Dies könnte beispielsweise noch beim Gebäudemanagement der Fall sein. "Wir sollten diese Politik der kleinen Schritte weitergehen."