Moorrege

In meinem Verein ... sind wirklich alle jeck

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1980 gründeten die Moorreger Karnevalisten einen eigenen Club. Alles begann damals mit Tanzeinlagen in Papierkostümen.

Düsseldorf? Helau! Kölle? Alaaf! Moorrege? "Ahoi!", sagt Julian Kabel, 28, fröhlich. Der stellvertretende Vorsitzende der 1980 gegründeten Moorreger Karnevalisten ist in Hochstimmung. Am heutigen Rosenmontag steht der Besuch bei Bürgermeister Karl-Heinz Weinberg an. Die Rathaustür wird symbolisch mit Konfetti-Kanonen aufgebrochen, das Moorreger Lied gesungen, der Sitzungsraum gestürmt und die Amtskasse übernommen. Danach reise man nach Marne, um am Rosenmontagsumzug teilzunehmen. Kabels Wangen leuchten vor Freude.

Die Ursprünge der Moorreger Karnevalisten liegen im Moorreger Sportverein (MSV). Der MSV richtete in den 50er-Jahren Maskeraden aus. 1959 kamen einige Sportler auf die Idee, die Maskerade durch Tanzeinlagen in Papierkostümen zu bereichern. 1980 trennten sich die Karnevalisten vom MSV und gründeten ihren eigenen Verein. Seitdem werden die Sitzungen immer prunkvoller und das Programm immer professioneller. Heute zählt der Verein 200 Jecken.

Die Menschen im hohen Norden blicken meist kopfschüttelnd auf das Spektakel Karneval. Julian Kabel kennt das. "In meinem Freundeskreis werde ich öfter schief angeguckt." Das sei ihm allerdings egal. "Wir haben einfach Spaß am Leben", sagt er. "Und wir teilen ihn gern mit anderen", ergänzt Pressesprecher Hermann Wilkens, 74.

Richtig los geht es mit dem Spaß im Leben eines Moorreger Karnevalisten in jeder Session am 11.11. um 11.11 Uhr mit der Proklamation des Prinzenpaares. Hier haben die Moorreger außergewöhnliche Regenten zu bieten. Kai Uwe Egger und Bianca Egger wurden vor drei Monaten zum zweiten Mal in Folge als Herrscher ausgerufen. Bereits 2011 hatte Bianca ihren Uwe überredet, sich gemeinsam als Prinzenpaar proklamieren zu lassen. Dieser stimmte zu und konterte kurz darauf mit einem charmanten Heiratsantrag. Geheiratet wurde natürlich am 11.11.2011. Das Prinzenpaar gefiel den Mitgliedern so gut, dass ihre Regentschaft verlängert wurde.

Ab Januar nimmt der Verein stets seinen selbst gewählten Auftrag wahr, Spaß und Freude in die Umgebung zu tragen. "Wir besuchen Altenheime, waren dieses Jahr auch im Seniorenwohnpark Bauernmühle in Pinneberg", sagt Wilkens. Tanzmariechen und Garden spielen bei den Senioren in voller Tracht auf, Orden werden an die Bewohner verteilt. "Es gefällt ihnen, mit uns zu feiern", sagt Kabel.

Die Tanzsportgruppen der Moorreger Jecken trainieren das ganze Jahr, nehmen an Turnieren teil. 2010 schaffte die Blaue Garde bei der Meisterschaft des aus 37 Vereinen bestehenden Norddeutschen Karnevalsverbandes den ersten Platz. Im Februar folgen stets "Die drei tollen Tage" in der Halle An`n Himmelsbarg. 500 Gäste erfreuen sich an der närrischen Prunksitzung. Eineinhalb Tage wird die Halle geschmückt und vorbereitet für gemeinsames Tanzen, Singen und Schunkeln. Den besonders beliebten Orden "Wider den Ärger" erhielt in diesem Jahr für seine Verdienste um die Gemeindearbeit der Oberst der Unteroffizierschule der Luftwaffe in Appen, Klaus-Christian Kuhle.

Auch nach Aschermittwoch ist bei den Moorregern weiterhin viel los

Ebenso begeisterten tags darauf die "Kikakofe" (Kinderkarnevals-Kostümfete) und der abschließende Seniorenkarneval. Besonderen Beifall unter den vielen Entertainern der drei tollen Tage erntete Tobias Hecht, 12. Als einer der jüngsten Büttenredner der Republik riss er die Gäste von den Sitzen, bedauerte unter anderem das Nichterscheinen von Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit. "Er hatte leider Probleme beim Abflug", so Hecht schelmisch.

Den Aschermittwoch begehen die Karnevalisten mit einem Gottesdienst in der Moorreger Kirche. Alles vorbei ist dann nicht. "Bei uns ist weiterhin was los", sagt Kabel. Im März steht eine Abschlussfeier auf dem Programm, zu Pfingsten gibt es eine Jugendausfahrt, im Juni wird auf der Hauptversammlung der Karnevalist des Jahres geehrt. Ein Sommerfest mit dem befreundeten Karnevalsverein aus Premberg in der Lausitz darf selbstverständlich nicht fehlen. Spätestens dann fiebern sie der nächsten Session entgegen. Ahoi!