Pinneberg
Umgang mit dem Tod

Trauerkultur: Gesichter für die Ewigkeit

Der Bestatter Joerg Vieweg aus Rellingen bereichert mit Totenmasken verstorbener Menschen die traditionelle Erinnerungskultur, die seit der Antike besteht.

Rellingen. Totenmasken sind beinahe so alt wie die Menschheit. Von Tutanchamun gibt es eine, von Luther ebenso wie von Schiller. Die Liste ist lang. Was seit der Antike allerdings nur den ganz Großen, manchmal auch nur Kaisern und Königen vorbehalten war, ist jetzt im 21. Jahrhundert für fast alle erschwinglich.

Von den deutschlandweit rund 4000 Bestattern bieten etwa 200 diesen Service an. Im Kreis Pinneberg ist es der Rellinger Bestatter Joerg Vieweg, 45, der im Auftrag von Hinterbliebenen Totenmasken von den Verstorbenen abnimmt. "Die Menschen sehnen sich nach etwas, was sie dauerhaft an ihre Verstorbenen erinnert", sagt Vieweg. Er leitet seit 2004 sein Bestattungsinstitut in Rellingen. 2009 hat er bei dem Spezialisten Körper & Form in Solingen eine zusätzliche Ausbildung abgeschlossen und das Zertifikat zur Abnahme von Toten- und Lebendmasken erworben. Joerg Vieweg: "Lebendmasken kommen beispielsweise in Frage, wenn eine bekannte Persönlichkeit schon zu Lebzeiten ein Bildnis von sich anfertigen lassen und später hinterlassen will."

Die Gesichter für die Ewigkeit entstehen auf unterschiedliche Weise mit speziellem Silikon. Den Abdruck nimmt Vieweg innerhalb einer Woche an dem Verstorbenen vor. Das dauert allenfalls eine Stunde. Danach sendet er die Form nach Solingen. Dort wird dann die Maske gegossen. Bis zur Lieferung können mehrere Wochen vergehen.

"Die Erinnerungskultur wandelt sich", sagt Christine Sollmann, Sprecherin des Verbraucherportals Bestattungen.de in Hamburg: "Totenmasken sind heute ein Teil des zunehmenden Bedarfs an Erinnerungen an den Verstorbenen. Es gibt aber eine Vielzahl an Möglichkeiten, Erinnerungsstücke für die Verwahrung bei sich zu Hause zu bekommen."

Neben Handabformungen gebe es auch sogenannte Fingerprints, die in Metall gegossen zu Schmuckstücken verarbeitet werden können. Eine Totenmaske in Alabastergips ohne Ohren und Halsansatz kostet bei Joerg Vieweg rund 750 Euro. Wer das Stück in Bronze haben möchte, müsste noch einmal 2000 Euro drauflegen.

Vieweg empfiehlt aber meistens Gips: "Eine entsprechende Farbgestaltung schafft dann eine Bronzeanmutung." Dem Erinnerungsstück sind kaum Grenzen gesetzt. So können die Hinterbliebenen auch eine Totenmaske mit Ohren und Halsansatz bekommen, die in Gips allerdings 1200 Euro kostet. Für die Version in Bronze wären dann noch einmal 2700 Euro fällig.

Die Bestatter in Deutschland, die die Abformung vom Gesicht eines Toten vornehmen, sind nach den Worten von Christine Sollmann wie Vieweg allesamt speziell ausgebildet. "So gibt es beispielsweise die Möglichkeit, beim Bundesverband Deutscher Bestatter eine solche Ausbildung zu absolvieren", sagt Christine Sollmann. Es gebe jedoch auch Künstler, die Seminare für Totenmasken anbieten.