Pinneberg
Arbeitsmarkt

Der Kreis steht vor dem Pflegenotstand

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Akuter Fachkräftemangel in Heimen. SPD kritisiert Streichung der Umschulungsförderung in der Altenpflege

Tornesch. Angesichts der demografischen Entwicklung und eines eklatanten Mangels an Altenpflegern steht der Kreis Pinneberg vor einem Pflegenotstand ersten Ranges. Bereits jetzt gibt es in einigen Heimen des Kreises Wartelisten für die Aufnahme älterer Menschen. Sollte sich der schon jetzt dramatische Fachkräftemangel nicht verbessern, müssten Pflegeheime aufgrund gesetzlicher Vorgaben einen Belegungsstopp verhängen. Lag die Zahl der über 80-Jährigen im Kreis Pinneberg 2006 noch bei etwa 13 000, wird ihre Zahl 2025 nach Berechnungen der Statistiker auf mehr als 27 000 steigen.

"Ein verheerendes Signal mit dramatischen Folgen"

Diese schon jetzt akute Lage wird noch dadurch verschärft, dass die Bundesregierung die Förderung des dritten Umschulungsjahres der Altenpflegeschüler - bislang aus dem Konjunkturpaket II finanziert - durch die Agentur für Arbeit streicht. "Dies ist für den Kreis Pinneberg ein verheerendes Signal mit dramatischen Folgen", sagte Hans-Peter Stahl, Sozialexperte der SPD-Kreistagsfraktion bei einem Runden Tisch zur Altenpflegeausbildung im Bildungszentrum Elbmarsch in der Awo-Wohnpflege Tornesch.

Im Bildungszentrum Elbmarsch beispielsweise verlassen bislang etwa 20 Umschülerinnen jährlich die Pflegeschule. Schon jetzt ist die Teilnehmerzahl pro Klasse gedeckelt, obwohl in Schleswig-Holstein in den nächsten zehn Jahren nach Expertenmeinung etwa 8500 Fachkräfte benötigt werden. Im Kreis Pinneberg dürfte die benötigte Zahl etwa ein Zehntel davon betragen, also rund 850.

Allein über die normale "Azubi-Schiene" ist dieser Notstand nicht aufzufangen, sodass die Einrichtungen auf die Umschülerinnen angewiesen sind, die meist schon etwas älter sind, allerdings viel Lebenserfahrung in den Beruf einbringen können - beim Umgang mit alten Menschen ein großes Plus. Sollte die Förderung des dritten Ausbildungsjahres durch den Bund wegfallen, dürfte diese wichtige Rekrutierungsquelle der Altenpflege austrocknen, zumal aufstockende Mittel von Agentur und Arge nicht in Aussicht stehen.

Alternativen zur bisherigen Ausbildung im dritten Jahr könnten Teilzeitausbildung, E-Learning oder Lernen in Modulen sein, konkret sei allerdings noch nichts machbar, so Bildungszentrum-Leiterin Ursula Hansen, nicht zuletzt aufgrund des starren Ausbildungssystems in der Altenpflege. Auch die Anwerbung ausländischer Fachkräfte sei problematisch, sagte Hans-Peter Stahl, da immer noch keine im Ausland abgelegten Berufsabschlüsse anerkannt werden und diese teils hoch qualifizierten Kräfte noch einmal auf die Schulbank müssten.

"Es ist einfach nicht nachzuvollziehen", so der Sozialexperte, dass angesichts des eklatanten Fachkräftemangels bei der Altenpflege derartige Steine in den Weg bei der Ausbildung gelegt werden. Zumal die Übernahme in einer Einrichtung garantiert sei. "Wir haben eine 100-Prozent-Arbeitsplatzgarantie", sagte Ursula Hansen, "in einem Beruf mit enormen Aufstiegschancen bis zum Studium - gerade für Frauen".

Das Land Niedersachsen hat laut Stahl auf die Misere beim Fachkräftenachwuchs bereits reagiert und werde das dritte Ausbildungsjahr in der Altenpflege finanzieren.

Das Land soll die Kosten des dritten Ausbildungsjahres übernehmen

SPD-Kreistagsfraktionschef Hannes Birke ist sicher, dass auch die anderen Fraktionen im Kreistag etwas gegen den Pflegenotstand im Kreis unternehmen wollen und will eine Resolution an das Land zwecks Übernahme der Kosten für das dritte Ausbildungsjahr einbringen. Zudem müssten die Landtagsabgeordneten des Kreises gezielt auf das Problem angesetzt werden.