Pinneberg
Kommentar

Ausmaß größer als angenommen

Die Vorwürfe gegen Alexander Schlick und andere ehemalige Mitarbeiter der Regio-Kliniken wiegen schwer.

Allerdings sind sie lange bekannt. Bereits April 2009 wusste der damalige Landrat Grimme, dass es in der Abteilung Bau und Technik zu schwerwiegenden Unregelmäßigkeiten gekommen war. Statt die Ermittlungsbehörden einzuschalten, wurde er selbst tätig und beauftragte zunächst Wirtschaftsprüfer mit der Sichtung der Unterlagen. Im Juni 2009 wurde dann Schlick gefeuert - und Grimme kündigte an, alle Unterlagen an die Staatsanwaltschaft zu übergeben. Dass die Staatsanwälte und das Landeskriminalamt jetzt, fast 18 Monate nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe, kartonweise Akten in der Klinik-Zentrale und der Kreisverwaltung beschlagnahmt hat, zeigt eines deutlich: Der Skandal um die Regio-Kliniken hat weit größere Ausmaße, als damals angenommen. Landrat Grimme war als Privatermittler und als Aufsichtsratschef der Kliniken völlig überfordert. Er hätte besser daran getan, sofort Strafanzeige zu stellen. Sein Verhalten hat der ehemalige Landrat teuer bezahlt: Seine eigene Partei ließ ihn fallen, seine Wiederwahl scheiterte - und nun wird gegen ihn als Beschuldigter ermittelt.