Pinneberg
Wedel

Sie mögen lieber Graugans statt Gameboy

Foto: Jörg Frenzel

20 Nachwuchs-Ornithologen ließen sich die Vogelwelt erklären

Wedel. Kulturpessimisten können etwas aufatmen. Es gibt doch noch Kinder, die mögen lieber Graugans statt Gameboy und Kiebitz statt Kabelfernsehen. Der Naturschutzbund Nabu hatte speziell Jugendliche zur Vogel-Führung geladen - mit großem Erfolg. Rund 20 Jungen und Mädchen interessierten sich für die wilden Flieger und brachten damit Stationsleiter Marco Sommerfeld zum Strahlen.

Nach der Theorie mit dem Fernglas auf die Pirsch

Er sorgte für viel Spaß bei den Nachwuchs-Ornithologen - und machte sie quasi nebenbei ein ganzes Stück schlauer. Da erfuhren die Steppkes beispielsweise, was die Unterschiede zwischen Watvogel, Ente und Gans ausmacht und welche Vertreter es gibt. Sie lernten die ganze Grausamkeit von Mutter Natur kennen ("Auch Hechte schnappen sich schon mal ein Entenküken, wenn sie die Gelegenheit haben"), bekamen Fehl-Informationen korrigiert ("Nein, Papageientauchen leben viel weiter im Norden"), durften von eigenen Erfahrungen berichten ("Bei uns im Garten hat mal ne Stockente gebrütet") und über ihre Lieblingstiere informieren ("Katze", "Hunde", "Meerschwein", "Krokodil").

Mächtig stolz waren die Kinder, als sie eigene Ferngläser bekamen (leihweise), bevor sie auf die Pirsch gingen. An den Teichen der ehemaligen Kleieentnahmestelle für den Deichbau konnten die Jungen und Mädchen dann so manches Detail aus dem Einführungsvortrag von Sommerfeld am lebenden Objekt überprüfen: Sind die Vogel-Männchen denn wirklich immer hübscher als die Weibchen?

Aber beim Beobachten blieb es nicht. Beim Bindfaden-Suchspiel lernten sie einiges über Farben in der Natur und ihre Vor- und Nachteile: Ein roter (Bindfaden-)Wurm sendet einem hungrigen Vogel zwar ein Alarm-Farbensignal, dass er unbekömmlich sein könnte - doch ein brauner Fadenwurm wird oft gar nicht erst entdeckt. Und bei "Star und Habicht" wurden turbulente Jagd-Taktiken nachgespielt.

Wer auf den Geschmack gekommen ist, geht in die Naturschutzjugend

Bei derartigen Attraktionen wandelte sich die eher skeptische Einschätzung von Beginn ("Mama hat gesagt, dass ich hier hergehen soll") rasch in Begeisterung ("Cool!"). Meist waren die Eltern oder Großeltern zunächst die treibende Kraft für die Exkursion in die Elbmarsch bei Wedel. "Oma hat das gefunden", sagte Marina (7), die aus Berlin zu Besuch ist. "Ich hatte den Artikel in der Pinneberger Zeitung gelesen", sagte Marianne Hoffmann, die ihrem Enkelkind aus der Großstadt bisher so nicht gekannte Natur bot.

Und das alles gratis. Denn Eintritt wird für die Teilnahme an den rund zweistündigen Veranstaltungen, zu denen auch ein Ausflug auf den Deich gehört, nicht erhoben. Spenden sind aber erwünscht. Der Nabu will, dass zumindest keine finanziellen Hürden im Weg stehen, falls Kinder sich für Tier- und Umweltschutz interessieren.

Im Gegenzug hoffen die Naturschützer, dass möglichst viele Kinder durch derartige Veranstaltungen den Einstieg bekommen und sich vielleicht der Naturschutzjugend anschließen.

Marco Sommerfeld jedenfalls will nach der großen Resonanz Ferienprogramme dieser Art wiederholen. Sommerfeld: "Vielleicht beschäftigen wir uns im Herbst nicht nur mit Vögeln, sondern gucken auch mal mit Mikroskopen, was so alles in unserem Wasser steckt."

www.naju-hamburg.de