Pinneberg

Pinneberg streitet um eine Straße

Foto: Michael Rahn

Ingenieure planen 14-monatige Vollsperrung. Anlieger gespalten. Unternehmer befürchten kräftige Umsatzeinbußen

Pinneberg. Am Donnerstag wird die Ratsversammlung eine für das Leben in Pinneberg wichtige Entscheidung treffen. Eigentlich geht es nur darum, ob die Mühlenstraße für den notwendigen Ausbau über 14 Monate komplett gesperrt werden muss oder das Bauvorhaben bei halbseitiger Sperrung vier Monate länger dauert. Doch egal wie entschieden wird, werden Betriebe, Anlieger und Bürger in der ganzen Stadt davon betroffen sein.

Problem Nummer eins: Wenn die Straßendecke nicht bis Ende 2011 komplett neu mit Flüsterasphalt hergerichtet worden ist, verfallen die Zuschüsse aus dem Konjunkturprogramm des Bundes. Problem zwei: Wenn der Bereich voll gesperrt wird, rechnen die Geschäftsführer einiger Anlieger mit erheblichen Umsatzeinbußen bis hin zu Betriebsschließungen. Problem drei: Die Anlieger auf den Umgehungsstraßen müssen mehr als ein Jahr lang erheblich mehr Verkehr verkraften.

Problem vier: Wenn nur halbseitig gesperrt werden darf, sind die Baufahrzeuge in ihrem Radius eingeschränkt. Allein dieses Argument zieht bei einigen Betroffenen nicht. "Mit großen Fahrzeugen kann dort im Tiefbau gar nicht gearbeitet werden. Wegen der vielen kreuzenden Leitungen muss doch überwiegend per Hand gegraben werden", sagt Bäckermeister Jörn Dwenger.

Die Unternehmer sind besonders erbost, weil sie sich schlecht von der Stadtverwaltung informiert fühlen. Innerhalb weniger Tage mussten sie sich mit der Lage auseinandersetzen. "Das hätte langfristig besser vorbereitet werden können", klagt der Bäckermeister.

Auf mindestens 20 Entlassungen schätzt Markus Römer, Geschäftsführer des Elektronikhandels Euronics, die Folgen. Das ist erst die Spitze, denn bislang haben erst acht von 67 Betrieben an der Mühlenstraße ihre möglichen Verluste beziffert. Um die Existenz bangt auch Kazim Güner, dessen Tankstelle hauptsächlich von Kunden getragen wird, die durch die Mühlenstraße fahren. Bei einer Vollsperrung würde der Verkehr über Wedeler Weg und Thesdorfer Weg sowie Richard-Köhn-Straße weiträumig umgeleitet.

Am liebsten würden die Firmenchefs vor der Sanierung ihrer Mühlenstraße die Westumgehung bauen lassen. Doch ob das zeitnah funktioniert, wird in der Verwaltung skeptisch betrachtet. Stattdessen drängt Bürgermeisterin Kristin Alheit auf den Ausbau der Mühlenstraße. "Wir müssen da was tun!"

Einzig die Fraktion von GAL und Unabhängigen hat sich bislang festgelegt, komplett auf die Fördergelder zu verzichten. Stattdessen sollte gemeinsam mit den Anliegern in Ruhe den Ausbau geplant werden.

Doch auf die Fördermittel in Höhe von gut einer halben Million Euro mag im Rathaus kaum jemand verzichten. Deshalb wächst der Zuspruch zum Vorschlag der Verwaltung, die Mühlenstraße innerhalb der Frist komplett zu asphaltieren - nur dafür fließen Zuschüsse - und im Untergrund innerhalb dieser Zeit möglichst viel zu sanieren - das alles bei halbseitiger Sperrung..

Während die SPD erst kurz vor der Ratssitzung über ihre Position entscheiden wird, hat sich die Union am Montag direkt im Anschluss an eine Bürgeranhörung festgelegt. "Wir werden die Empfehlung der Verwaltung mittragen", sagt CDU-Fraktionschef Michael Lorenz. Allerdings wollen die Christdemokraten nachgewiesen haben, dass die Zuschussfrist tatsächlich erst Ende 2011 abläuft. Das ist auch ein Knackpunkt für die Bürgernahen. Deren Fraktionsvorsitzender Uwe Lange sagt. "Wir entscheiden uns erst am Mittwoch. Aber die Tendenz geht zum Modell mit der halbseitigen Sperrung."

Trotz aller lauten Kritik an der Vollsperrung gibt es auch Befürworter. Als sich Anwohnerin Lisa Torkler als Erste in der Anhörung traute, für den Komplettausbau zu sprechen, erhielt sie Beifall. "Die Straße muss schnell ausgebaut werden. Ich kann mich weder auf dem Rad- noch auf dem Gehweg sicher bewegen." Auch ein Firmenchef will die Bauphase so schnell wie möglich abschließen: Heino Schmielau von HKL Baumaschinen. Tatsächlich trifft ihn die Vollsperrung nicht so hart. Der Grund: Seine Kunden zählen nicht zum Durchgangsverkehr, von dem Bäckerei, Pizzeria, Tankstelle und andere leben.