Pinneberg
Renovierungs-Bedarf

Rellingen: Kirchenglocken sind verstummt

Foto: Rainer Burmeister

Schimmel an der Orgel, marode Gaubenfenster, Schwamm im Glockenstuhl. Rellingens Gotteshaus verfällt immer mehr

Rellingen. An der Rellinger Kirche, dem beliebtesten Hochzeits-Gotteshaus im Kreis Pinneberg, dürfen die Glocken nicht mehr geläutet werden. Ausgerechnet im Wonne-Monat Mai, wenn - wie auch noch im Juni - besonders viele kirchliche Trauungen stattfinden, wurde das Geläut stillgelegt. Seit Mitte Mai bekommen die Brautpaare in dem mehr als 250 Jahre alten Barockbau zwar den kirchlichen Segen, müssen jedoch auf jegliches Läuten auf dem Weg ins Eheglück verzichten.

Küster Alexander Voß erlebte es schon, dass eine Braut in Tränen ausbrach, weil die Glocken stumm blieben. Seitdem wird den Paaren schon vorab mitgeteilt, dass sie ohne Geläut auskommen müssen.

Grund für die akustische Abstinenz ist der Befall eines gut fünf Meter langen wuchtigen Vierkant-Balkens mit Hausschwamm. Die Verstrebung aus Eichenholz ist auf einer Seite so stark zerbröselt, dass bereits Stützstangen aus Metall angebracht werden mussten. Die Holzkonstruktion trägt den Glockenstuhl, an dem die beiden, zusammen mehr als eine Tonne schweren Glocken hängen. Beim Läuten wirken infolge der Schwingungen zusätzliche Kräfte, die schlimmstenfalls den Glockenstuhl zum Einsturz bringen könnten.

Schweren Herzens folgten Kirchenvorstandsvorsitzende Martje Kruse und Küster Alexander Voß dem Rat eines Statikfachmanns und stellten jegliches Läuten ein. Das Schweigen der Glocken dürfte sich bis zu einem halben Jahr lang hinziehen. Für die Sanierung gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wird der marode Teil des Balkens erneuert oder der gesamte Träger durch eine Stahlkonstruktion ersetzt.

Größtes Problem sind die noch nicht absehbaren Kosten. So lange kein Geld da ist, kann mit der Reparatur nicht begonnen werden. Die chronisch klamme Kirchengemeinde hat wie auch der Kirchenkreis keine Mittel für solche Extraausgaben. Und dabei geht es nicht allein um den Schwamm im Eichenbalken. Zwei weitere Hiobsbotschaften kommen hinzu: An der Orgel wurde Schimmelbefall festgestellt. Betroffen sind einige Orgelpfeifen sowie die Schleierbretter, in denen die Pfeifen gelagert sind. Missklänge beim Spielen sind direkt nicht zu vernehmen. "Doch es werden einige Töne wegen des Schimmelbefalls einfach nicht mehr erzeugt", sagt Kantor Stefan Rasch.

Ein weiteres Kapitel im Verfall der prächtigen Barockkirche sind die acht Gaubenfenster im Dach unterhalb der Laterne. Die betagten Holzrahmen zeigen Spuren des Alterungsprozesses und müssen dringend erneuert werden, weil es sonst zu Wassereinbrüchen kommen könnte. Allein die Arbeiten an den Gaubenfenstern werden auf 100 000 Euro beziffert. Insgesamt rechnet Pastorin Kruse mit einem Kostenaufwand von mehreren 100 000 Euro.

Schon jetzt ist den Kirchenoberen klar, dass es große Spendenspektakel wie Benefiz-Konzerte und originelle Verkaufsaktionen geben muss, um die Kirche vor dem Verfall zu bewahren.

Das erinnert an den verstorbenen Vorstandschef Günter Schröder. Der hatte Uhren aus der alten Kupferhaut der Laterne fertigen lassen und ausgediente Fensterrahmen verkauft...